Die Mitbewohner des vierten Stocks

„Eramos poco y parió la abula“, sagt eine spanisches Sprichwort, was soviel heisst wie: „Wir waren nicht wenige und die Grossmutter bekam auch noch ein Kind“. So erging es meiner Mutter als weitere Mitbewohner in die kleine Wohnung einzogen.

Zuerst kam Manuela, sie ist eine echte Artistin. Auf dem Balkon macht sie Kunststücke, die uns erschauern lassen. Vier Stockwerke herunter zufallen ist kein Zucker schlecken. Auch für Manuela nicht. Doch sie balanciert graziös mit der Stange zwischen den Beinen und zeigt uns gelangweilt ihr schönes Gesicht. Denn sie ist auch eine Diva. Zickig und kapriziös. Sie verteilt ihre Liebe nur an Auserwählten. Den Freund meiner Schwester mag sie zum Beispiel gar nicht. Nein,  den hasst sie wie die Pest. Wir alle dachten sie sei eine Emanze, noch mehr: eine Männerhasserin. Aber bei meinem Vater, als er noch gehen konnte, strich sie immer um die Beine. Wir befürchteten, dass sie ihn zum Fallen bringen würde. Doch ein läppisches Strassentrottoir vollbrachte das Unheil und seither ist er invalid.

Siso wurde von meiner Schwester gerettet. Man wollte ihn einem Labor verkaufen, die Tests mit Tieren machen. Er ist bullig, kohlenrabenschwarz und hat gelbe hervorstehende Augen. Er sieht aus wie ein Irrer und benimmt sich wie ein Bauerntrampel. Er ist das pure Gegenteil von Manuela. Er ist der grobschrötige, liebenswerte Holzfäller.  Mit seinem Kopf er kann sogar den Kühlschrank öffnen und  bedient sich dann des Inhaltes. Hier wiederum hat er einen erlesenen Geschmack. Obwohl er nicht alles verträgt. Er mag grüne Oliven zum Beispiel. Aber die kotzt er dann immer unter dem Bett heraus. Möglichst in der Mitte, wo man ganz schlecht herankommt für zum Putzen.

Die letzte ist Luana, die letztes Jahr einzog. Klein, schwarz und schüchtern. Obwohl sie nicht mehr die Jüngste ist, sieht sie immer noch jung aus. Sie hat sich entschieden eine Berufsjugendliche zu werden. Zierlich und schüchtern huscht sie von Versteck zu Versteck. Ich habe noch nicht herausgefunden, was sie besonders gut kann. Ausser dass sie ihre Brekkies einzeln mit der Pfote aus dem Töpfchen herausfischt und dann isst. Wo kämen wir da hin, wenn wir Sisolike die ganze Schnauze in das Katzenfutter eintauchen würden? Eleganz besitzt sie, die Luana.

La Manuela                                 El Siso                                     La Luana

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by canela

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