Nimm den Miss-Titel!

Was wäre, wenn du deine Angst vor Verletzungen auf eine beleuchteten Bühne stellen würdest? Was würde dir auffallen? Was, wenn du diese Angst vor echter Nähe und wirklichem Einlassen beiseite schieben würdest? Was bliebe in diesem Scheinwerferlicht zurück?

Was wäre, wenn du nicht mehr mit angezogener Handbremse durchs Leben führest? Wie wäre es, wenn du ungehindert Gas geben könntest? Wohin würdest du fahren?

Die Zeit heilt keine Wunden, wenn du dich nicht selber um die Wunde kümmerst. Denn, wenn du nicht zu Beginn diesen Stich gut versorgst, wird er aufplatzen, bluten oder eitern.

Wenn du dein Leben mit der Frage führst, was du nicht mehr möchtest, schiebst du Dinge weg. Du reagierst, statt zu agieren. Das Vorankommen ist mühsam, weil du deine Kraft gegen statt für etwas einsetzt.

Wenn du dich hingegen mit den Fragen beschäftigst: „Was habe ich gelernt? Was möchte ich? Wen wünsche ich mir wirklich an meiner Seite?“ erhältst du eine Perspektive, einen Leitstern. Der innere Kompass richtet sich aus, deine Kraft bündelt sich und du gehst vorwärts. Genau in dem Tempo, das du bestimmst.

Du siehst zwar immer noch das, was du nicht möchtest. Du richtest jedoch deine Aufmerksamkeit auf das, was dir gut tut. Dieser Fokus stärkt dich. (Miss)erfolg ist Teil des Erfolges. Nimm den „Miss“-Titel und setze dir die Krone auf, die du selber geschmiedet hast!

Schiebe deine Verletzlichkeit nicht zur Seite. Nimm sie mit! Kümmere dich um sie. Denn diese Verwundbarkeit ist dein Antrieb. Dein Benzin, das nie ausgeht. Nimm dein vernarbtes, blutendes Herz und verschenke es.

Und…..Frag dich Fragen, die dich glücklich machen.

text by canela
music: bugge wesseltoft & sidsel endresen

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$uicideboy$ in Zürich

Was für ein fucking geiles Konzert! Die Jungs gingen ab wie Sau!

Von der Tribüne aus sah ich, wie das junge Publikum im Moshpit abging. Rohe, unverbrauchte Energie. Ein Testosteron-Overload. Der Wahnsinn!

O.k., ich habe das Alter des Publikums auf 20 Jahre angehoben. 😉 War mir egal. Denn, sollten die $uicideboy$ wieder in Zürich auftreten, ich bin dabei.

pic by canela
music by $uicideboy$

 

 

Ich wünsche dir eine weisse Nacht

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der alles leuchtet, obwohl die Sonne schon lange schläft. Bekleidet mit nur meinem Lächeln und meiner Angst stehe ich vor dir. Dein Blick streichelt meine Rundungen. Meandrieren, Wellen schlagen, in der Gischt ertrinken.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der man alles siehst, obwohl die Augen geschlossen sind.Verbunden durch Blume und Stab. Atmend durch unseren Schoss. Deine Hand stützt meinen Nacken und gibt meinen fliehenden Gedanken Halt.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht, die Dunkle kennst du schon.

text and pic by canela
music torun eriksen

Wo sich Erde im Wasser verliert

Deine Händen liebkosen meinen Rücken,
du entlockst längst vergessene Melodien in mir.
Du dirigierst die Sinfonie meines Meeres.

Der Druck deiner Finger löst sanfte Wellen aus.
Ich spüre wieder das fliessende Wasser unter dem Eis.

Dein Bauch bewegt sich in Einklang mit Meinem.
Dieses leise Auf-und-ab erfüllt mich mit Nestwärme.
Dein Atem dringt in mich ein und
meine leblose Erde ahnt Fülle.

Unsere Seelen vereint im weiten Meer.
Jede Welle ist willkommen.
Tief unter der bewegten Oberfläche ruht die Stille,
dieser Ort, an dem wir beide Eins sind.

Meine Erde verliert sich in deinem Wasser.
Du bist ich, ich bin du.

text and pic by canela

 

Das Haus

In mir gibt es ein Haus mit vielen unterschiedlichen Bewohnerinnen.

Die Diva, die sich nur von der glamourösen Seite zeigt und bewundert werden möchte.
Das ängstliche Mädchen, das sich vor Gespenstern fürchtet und nach Schutz sucht.
Die Kritikerin, die alles genau unter die Lupe nimmt, bewertet und kommentiert.
Die Misstrauische, die manchmal nicht mal ihren eigenen Gefühlen traut.
Die Unsichere, die sich am liebsten am Rande einer Menschenmenge aufhält.
Die Waldfee, die zwischen Bäumen und Flüssen fliegt und jeden Sonnenauf- und untergang anbetet.
Die Sensible, die nicht auf einem Bett schlafen kann, wenn eine Erbse unter der Matratze liegt.
Die Sinnliche, die jede Berührung geniessend empfängt und jede Berührung zurückgibt.
Die Verächtliche, sie sich über andere lustig macht.
Die Naive, die an das Gute glaubt.
Die Ehrgeizige, die jedes Ziel erreichen will, die sie sich gestellt hat.
Die Wütende, die sofort zurück schlägt, wenn sie angegriffen wird.
Die Bösartige, die genau weiss, wo deine Schwachstelle ist und darin bohrt.
Die Weiche, die keine schrecklichen Bilder sehen kann, ohne zu weinen.
Die Fröhliche, die fremde Leute anlächelt und die den Kindern kurz die Zunge rausstreckt, wenn sie sie anstarren.

Sie alle und noch ein paar mehr wohnen in meinem Haus. Ich kenne sie alle und gut. Und obwohl sie unterschiedlich sind, haben sie nur eine Seele.

Wenn ich dir nun sage, ich schenke dir meine Seele, bist du dir bewusst, dass du eine Sippe dazu bekommst? Ein Haus voll mit verschiedenen Frauen?

Jetzt liegt es an dir: Gehst du in die Angst oder in die Liebe?

text and pic by canela

Von oben sieht alles belanglos aus

Ich hoffte, dass wenn wir beide nur lange genug in den Himmel starren würden, flögen wir davon. Gemeinsam abheben wie die Superhelden im Film. Nur ohne Cape und Strumpfhosen. Gut hatten wir uns. Wir waren füreinander das Schlupfloch in das sich verletzte Tiere zurückziehen, um ihre Wunden zu lecken.

Meist sassen wir auf diesem kleinen Vorplatz vor dem verwitterten Haus. Ein alter Tisch, zwei Stühle und eine Sicht, die einer Postkarte würdig war. Der See und die Stadt.

Wir tranken Tee, rauchten und hörten Musik. Der Tee spülte unsere vom Weinen trockenen Kehlen weich. Manchmal suchte meine Hand seine und ich drückte sie kurz. Dann schaute er mich an und sein glasiger, düsterer Blick wurde weich und füllte sich mit Licht. Wären wir in diesem Moment gestorben, hätten wir beide dabei gelächelt.

Die Noten waren unser fliegender Klangteppich. Wir erhoben uns in die Lüfte und hielten uns eng umschlungen. Zusammen waren wir eins.

Von oben sieht alles belanglos aus.

Die Klänge des Liedes tanzten wie Samen einer Pusteblume im Wind. Sie flogen in unsere Ohren, krochen in unsere Köpfe und kämpften sich zu unseren zerrissenen Herzen durch. Die Töne liessen sich wie Käfer auf unseren Armen nieder, frassen sich gierig durch die Haut und nisteten sich in unseren blutenden Wunden ein. Sie suchten Wärme.

Ich fragte ihn: „Hören Angst und Schmerz jemals auf?“ Seine Hand strich über meine kalte Wange. Dann stand er auf, liess sich zu meinen Füssen nieder und er legte seinen Kopf auf meinen Schoss. Ich strich sanft über sein Haar.

text and pic by canela

10 und 51

Ich sass mit meiner Mutter in der Küche in Málaga. Zwei Gläser Tinto de Verano auf dem Tisch. „Ist das normal, wenn man vergisst was war? Ich meine, ich vergesse manchmal sogar, dass es deinen Vater gab. Als wäre ich nie verheiratet gewesen…“ sagte Mutter. „Ich weiss nicht. Fühlt es sich gut an für dich?“ fragte ich zurück. „Ich war noch nie so glücklich wie jetzt.“ sagte sie und nahm einen Schluck aus dem Glas. „Das ist doch was zählt, nur das.“ und ich prostete ihr zu. Meine Mutter wird nächstes Jahr 80 Jahre alt.

„Werde ich deinem Vater gerecht? Ist das richtig ihn zu vergessen?“ fragte mich Mutter nochmals.

„Hier geht es doch nicht um richtig und falsch. Diese Frage nützt dir nichts, wenn du sie dir stellst. Vater, war ein Arschloch! Ein Mann, der seine Traurigkeit und Unsicherheit immer wieder auf uns alle ausgekotzt hat. Es ist also kein Wunder, dass du ihn ab und zu vergisst. Immerhin, sein Bild steht ja jetzt auch auf dem Klavier zusammen mit Grossmutter und Grossvater.““Es hat fünf Jahre gedauert.“ „Ach er soll froh sein, dass er jetzt einen Logenplatz in der Ahnengalerie auf dem Klavier erhalten hat!“

Meine Mutter lachte. „Weisst du, was er jetzt sagen würde, wenn er uns zwei sähe?“ Ich grinste und antwortete: „Novea las dos hijas de putas!!“ Wir prosteten uns nochmals zu.

Mein Blog wird übrigens heute zehn Jahre alt, und ich bin vor ein paar Tagen 51 geworden. Ich habe also noch Zeit, um Dinge zu bewusst zu vergessen, die für mich nicht mehr von Bedeutung sind und um glücklich zu sein. Und wenn ich Dinge nicht vergessen möchte, schreibe ich sie auf oder fotografiere sie. Vielleicht nochmals 10 Jahre…

text by canela

Leise Melancholie

Meine Mutter sagte immer: „Me gustan los hombres con barbas (mir gefallen Männer mit Bart)“. Eine Vorliebe, die ich vermutlich von ihr „geerbt“ habe.

Fink ist mein Lieblingsnasenbär. 2006 hörte ich das erste Mal einen Song von ihm auf KanalK. Mein Musikherz hatte ihn sofort adoptiert! Und als ich beim Googlen feststellte, dass er einen Bart trug, war ich entzückt.

Eine Freundin und ich waren vor zwei Jahren an seinem Konzert. Dort habe ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass die Zeit auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen war. Denn als wir den Konzertsaal verliessen, hatte ich Rückenschmerzen. Das lange Stehen hatte mir zugesetzt. Wir suchten eine Sitzgelegenheit und fanden ein rotes Sofa beim Ausgang. Beide stöhnten glücklich, als wir uns niederliessen. Ich sagte zu ihr: „Verdammt, wir werden alt!“ Sie lächelte und nickte. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreich die Tatsache verdrängt, dass auch ich älter werde.

Heute habe ich diesen Kurzfilm über ihn gesehen. Er spricht, unter anderem, über das Alleinsein. Und über den Zustand der Leere, wenn man sich ihr hingibt. Dass er sich weniger alleine fühle, wenn er auf der Bühne stehe.

This is the thing

I don’t know if you notice anything missing
Like the leaves on the trees or my clothes all over the floor
I don’t know if you’ll even notice at all
Coz I was real quiet when I closed the door

And the things that keep us apart keep me alive and
The things that keep me alive keep me alone

Ein paar Monate später war ich am Konzert von Alt-J. Dieses Mal hatte ich Sitzplätze gekauft.

text by canela, music by Fink

Konzerte 2016/17

Februar: Concha Buika (Kaufleuten, Zürich).

April: Ursula Rucker (Rote Fabrik, Zürich).

Juli: Massive Attack weiter (Stimmen Festival, Lörrach).

Juli: Kwabs und SOHN (Blue Balls Festival, Luzern).

Im August gibt es einige Künstler (alle gratis!) am Musig i de Altstadt, Aarau. Auf Delinquent HabitsPablo Nouvelle und King Pepe freue ich mich besonders.

November: Cinematic Orchestra (jazznojazz, Zürich)

November: Archive (Kaufleuten, Zürich)

Januar 2017: José Gonzalez (X-tra, Zürich)

Nichts weltbewegendes entdeckt.

Man soll eine neue Erde entdeckt haben. Kepler-452b heisst diese Welt.

Vermutlich ist es unspektakulär für die Planeten Erde und Kepler-452b, doch auch ich habe Neues entdeckt. Dass …

  • ich gerne alleine, aber nicht einsam bin. Sehr oft.
  • mein Körper sich wie ein alter, knorriger Baum anfühlt, wenn ich mich nicht bewege. Immer wie mehr.
  • ich während einer Reaktion merke, dass ich in einem Muster stecke, mich aber nicht mehr dafür verurteile. Früher dachte ich, ich sei meine Reaktion. Jetzt nicht mehr.
  • jeder Arsch, der mich aufregt, das versteckte Arschloch in mir zum Klingen bringt. Oft.
  • mein Mantra „Ich liebe mich, so wie ich bin. Ich finde mich schön, so wie ich bin. Ich gebe mir Sorge.“ Früchte zum Tragen bringt. Immer wie mehr.
  • ich gütiger zu anderen Menschen und vor allem zu mir geworden bin. Immer wie mehr.
  • wenn Wunden und der Schmerz aufbrechen, Blut und Tränen fliessen. Und dass dies eine ungeahnte Lebendigkeit zum Vorschein bringt. Immer.
  • ich Sehnsucht habe, nach tiefer Verbundenheit habe und mich auf den Menschen freue, der mich wirklich sieht. Nur noch so.
  • ich alle Fotos mit Filter für mich verschönere, sogar mich selber. Nach dem Motto: „Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt.“ Immer.

text and pic by canela