Die Nusskugel

Kennt ihr die Schokoladenkugeln, die im Herzen eine Nuss tragen? Die Nuss mit einem  leichten gerösteten Mantel aus Zucker und als Umhüllung einen runden Guss aus Milchschokolade?

Nuss

Beide wollen nur die Nähe des Anderen. Nicht viel reden, nichts erfüllen, aber auch nichts erwarten. Nur sich sehen und sich freuen, dass man jemanden bei sich hat, den man mag. Sich ab und zu anfassen, die Haut des anderen spüren und sich den eigenen Gedanken hingeben. Berühren, liebkosen. Mehr nicht.

Gerösteter Mantel aus Zucker

Er hat Angst, nicht zu genügen, Erwartungen nicht zu erfüllen und unter Druck zu kommen. Er will seine Freiheit und Distanz, ohne Nähe zu verlieren. Sie hat Angst zurückgewiesen zu werden, lästig zu sein, ihren Willen zu bekommen, der nicht sein Wille ist. Sie will Nähe und doch Distanz, ohne ihre Freiheit zu verlieren.

Guss aus Milchschokolade

Er erklärt seine Gründe für ein mögliches Misslingen des Treffens. Sie meint, er wolle sie nicht sehen und ist enttäuscht. Diskussionen, Verstrickungen, Missverständnisse und Irrtümer.

Was mag ich wohl am Liebsten bei diesen Nusskugeln?

by canela

In Shanghai ist es Morgen

und wahrscheinlich schläft er noch. Bald wird er aufstehen, einen Toast essen mit Tee oder Kaffee. Er wird sich auf einen Platz mit vielen Bäumen und grünem Rasen begeben, wo sich Chinesen zum Tai Chi treffen. Im Schatten eines Baumes stehend, bedächtig, fast ehrfürchtig, wird er die Bewegungen dieser Menschen verfolgen und es ihnen gleich tun.

Dann wird er zurück ins Hotel gehen, duschen und sich für einen langen Arbeitstag vorbereiten. Er wird viel reden, organisieren, Kopf nicken und lächeln. Seine Übersetzerin als ständiger Schatten und wichtige Begleiterin.

Abends wird er sich mit seiner alten Freundin, der Schriftstellerin, in den kleinen, versteckten Quartieren herumtreiben, essen und trinken. Vielleicht viel trinken. Bei ihr zuhause angelangt, werden sie das Döschen öffnen, das Pulver hervorholen und alle Sinne wecken und tanzen lassen.

Das Rot wird röter, das Blau noch tiefer und der Geschmack ihrer Scham, wird ihm wie Honig vorkommen. Gierig lecken, beissen, mit den Händen zupacken. Geniessen wie sie stöhnt, wie ihre Haut diesen leichten Film Schweiss bildet. Salz, Jasmin und Erde werden ihm in den Sinn kommen.

Riechen, staunen, schmecken. Er wird seiner Begierde freien Lauf lassen. Er gönnt sich der bewusste Verlust seiner Fassung. Und kontrolliert sie, indem er ihren zarten schlanken Hals mit seiner Hand umfasst, wohl wissend, wenn er zu drückte, sie sterben könnte. Er geniesst die Macht über sie. Und wird ob ihrer Hingabe so weich, zärtlich, fast verwundbar. Und seine Stösse in ihren Unterleib, werden sanfter, als wolle er sie von innen streicheln und sich selber nicht verletzen.

Morgens, oder wohl eher nachmittags, nach seinem Toast und Tee, wird er in den kleinen Laden gehen mit den Stoffen und Kleidern. Und den vielen Gerüchen. Er wird mir ein rotes Kleidchen kaufen, das mit dem Maokragen und sich vorstellen, wie hübsch ich darin aussehen werde. Während er den Stoff fühlt, wird er sich meinen Körper darunter vorstellen. Und das erregt ihn, obwohl er immer noch satt von den Erlebnissen ist, die er die letzte Nacht geniessen durfte. Dinge, die er tat, die ich nie tun würde, oder doch?

Und er wird glauben, dass ich seine Dämonen fürchte. Doch er weiss nicht um meine.

by canela