Frauen kommandieren eh…

Neulich sagte mein 8-jähriger: „Mama, wenn ich gross bin, will ich eine jüngere Frau als Freundin. Sonst will sie mich immer herumkommandieren.“ Ich lachte laut auf und schaute meinen Freund an, der einiges jünger ist, als ich. Er grinste.

Kaum hatte mein Sohn, diese Aussage getätigt, korrigierte er sich: „Wobei, ob ältere oder jüngere Frau, Frauen kommandieren eh immer herum!“

by canela

Der Regenbogen an der Rainbow Goa Party in Marbachegg

Ich gebe zu, ich stehe weder auf Goa noch auf Psytrance. Dieser elektronische Musikstil ist mir zu archaisch, der Bass zu galoppierend und die musikalisch eingeflochtenen Sequenzen zu spacig. Ich mag verspielten Minimal.

Doch mein Freund mag Goa und die Parties, die meist im Freien stattfinden. Und da ich die Natur und ihn liebe, begleite ich ihn gerne.

Hier ein paar Impressionen:

text and pic by canela

Was ist im Leben wichtig?

58108_10201105572511902_1006715735_nWas ist, wenn ein fröhlicher Mann auf eine traurige Frau trifft? Wird sie fröhlicher oder wird er trauriger?

Was ist im Leben wichtig? Ein „ich liebe dich“ zu hören oder ein “ ich bleibe, bis dein Zorn weg ist“?

Soll man sich seinen Sehnsüchten stellen? Oder soll man sie als Triebfeder für sein Tun behalten und sich keinen Traum erfüllen?

Was ist im Leben wichtig, wenn man sein Leben als unwichtig findet und in diesem dunklen Loch etwas Wichtiges sucht?

Ist traurig sein nicht genauso wichtig wie fröhlich sein? Ist ein dunkles Loch nicht genauso wichtig wie die helle Weite mit viel Licht? Was ist im Leben wichtig?

Was ist für dich im Leben wichtig?

text and pic by canela

Wenn er keine Worte sagt, spricht er mit Musik

Manchmal komme ich abends müde und gereizt nachhause. Ich habe keine Lust zu reden, bis ich mich etwas vom Tag erholt habe. Dann sollte man besser kein Gespräch mit mir anfangen. Er weiss das mittlerweile.

Nach dem Eintreten setze ich mich hin, ein kurzes, trockenes „Hallo“ schaffe ich noch knapp. Wahrscheinlich habe ich einen grimmigen Gesichtsausdruck.

Doch er schafft es, meinen Mood zu erhellen. Ohne Worte. Immer wieder.

Neulich trat ich durch die Türe und setzte mich an den Tisch. Mein dunkler Blick liess nichts Gutes ahnen. Da liess er dieses Stück laufen, schaute mich an und lächelte, ohne etwas zu sagen.

Ich stand auf, umarmte und küsste ihn: „Hallo honey!“  Er hatte mir ZWEI Worte und einen Kuss entlockt…

by canela

Mit Sack und Pack am Schlitteln. Ich war das „und“…

Gestern waren wir Schlitteln auf dem Pfannenstiel in Kanton Zürich. Hier ein paar Impressionen. Dabei waren mein Lieblings-Sack und mein Lieblings-Pack. Ich war das kleine „und“. Das  „und“ ist nie auf dem Bild, hat jedoch eine zentrale Funktion: Es verbindet oder in meinem Fall, fotografiert.

Ein Wolkenblitz durchfuhr die Sonne. Die Erschütterung tat ihr gut.
Ein Wolkenblitz durchfuhr die Sonne. Die Erschütterung tat ihr gut.
Der "Sack" zieht das "Pack". Das "und" trottet hinterher.
Der „Sack“ zieht das „Pack“. Das „und“ trottet hinterher.
Verdammt das Taxi ist weg!
Verdammt das Taxi ist weg! Mamaaaa!
Ein Hund läuft mit seinem Herrchen im Schnee. Gelbe Spuren sind Zeugen davon.
Ein Hund läuft mit seinem Herrchen im Schnee. Gelbe Spuren sind Zeugen davon.
So sieht der Schnee aus. Falls jemand im Sommer Sehnsucht danach hat.
Der Schnee ist der leise Mantel der Bäume
Fall jemand vergessen hat, wie die Sonne aussieht: so sieht sie aus!
Die Sonne küsste mich. Und ich war ihr dankbar. Ich habe Sehnsucht nach ihr.

Unten am Bach

Wir sassen am Ufer des Baches und beobachteten ein Entenpaar wie es an uns vorbeischwomm. Deine Hand, die wie frisch erschaffen schien hielt meine, der man die Zeichen der Jahre ansah.

Viele haben mir erzählt, sie liebten mich, keinem habe ich wirklich geglaubt. Bei dir aber fühlt es sich anders an. Echt und wahr.

Vielleicht sind es die Hormone, die mich an der Nase führen. Vielleicht ist es meine unerschüttliche Hoffnung, jemanden zu finden, der zu  mir passt, die mir meinen Blick trübt. Oder vielleicht ist einfach das, was es ist. Eine tiefe Verbundenheit, die klar und rein ist, wie der Bach auf dessen Grund wir sahen.

Du merktest, wie ich deine Hand und meine betrachtete. Du weisst, dass ich ab und zu über unseren Altersunterschied denke. Und als ich etwas sagen wollte, fielst du mir ins Wort: „Du bist so geschmeidig wie wilder Honig. Du bist mein Babe!“ Dein Daumen strich mir sanft über meinen Handrücken.

Ich lachte laut auf, du grinstest. Wir verstanden uns.

pic & text by canela

900 – Novecento

Als ich Alessandro am Strand kennenlernte, war ich unbewohnt und verwaist. Die lange Durststrecke des Wartens hatte mich aufgefressen und nichts als eine Hülle hinterlassen. Mein Ich war weggeflogen. Einfach auf und davon. Ein leerer Cocon. Und trotzdem lebte ich noch. Seltsam.

Er fiel mir sofort auf unter den blonden und hellen Touristen. Ein dunkelhaariger, blauäugiger Mann unter einem roten Sonnenschirm.  Der einzige Sonnenschirm, übrigens. Er schaute aufs Meer weit über den Menschenknäuelhorizont hinweg und lächelte. Wieso nur? Das Geschrei der spielenden Kindern erschien einem unerträglich und die Erwachsenen schwatzten laut. Doch er, Alessandro, schaute aufs Meer und sah glücklich aus.

Die hellen Leiber, hungrig nach Wärme, wollten im Urlaub der Einöde ihre Alltags entfliehen. Die Sonne brannte sich tief in ihre Haut, so dass die Glut in sie hinein floss.

Tourist sein, ist etwas Anstrengendes. Man hat so viele Pflichten, genau wie im Arbeitsleben. Braun werden, Museum besuchen, in den bekanntesten Restaurants essen gehen und abends sich betrinken. Eigentlich spielte es gar keine Rolle, in welcher Reihenfolge man es tat. Denn der Urlaub war nicht für zum Entspannen da.

Alessandro starrte auf die Grenze zwischen Meer und Himmel. Und als ich mich ihm näherte, schüchtern und zage, dachte ich: Novecento, neunhundert. Ich wusste nicht wieso neuhundert. Neuhundert Touristen, neunhundert Leben, neuhundert kaputte Herzen?

Er richtete seinen Blick auf mich und winkte mich zum ihm. Ich liess mich neben ihm nieder. Der Schatten tat gut und der Wind fuhr mir durch die Haare. Ich spürte seine Finger meine Locken liebkosen, während ich meinen Kopf auf Alessandros Bein legte. „Schau dir das Meer an! Ist es nicht wunderbar? Schau dir das Gesicht des Meeres an, so malt man ein Gesicht!“ schwärmte er. Und ich blickte über die Menschen hinweg auf das sich bewegende Blau.

Aber was wusste ich vom Meer? Welches Gesicht hatte es überhaupt? Und während ich aufs grosse Wasser schaute und die Gischt sich kurz vor ihrem Tod aufbäumte, sagte er: „Ich habe ein Buch über einen Pianisten geschrieben. Ich lese dir daraus vor.

Ich schloss die Augen.


text by canela

musik: thomas newman

Ist Einsicht Klarsicht?

  • Wenn man seinen Gefühlen folgt, merkt man, wie man denkt. Zum Beispiel glaubte ich, offen und tolerant zu sein und merkte dank meinem Gefühl, dass ich Gefangene bin des belächelten Systems. Das ist ernüchternd.
  • Sich in das Innere hinein schauen zu lassen, ist heilend und schön. Aber auch ganz schön anstrengend. Wo sind die Grenzen? Wie weit will man es zulassen? Wo hört das Vertrauen auf und fängt die Angst an? Ich habe viel Angst und wenig Vertrauen. Ich bin ein kleines Mädchen und eine griesgrämige Alte. Ich habe keine Mitte.
  • Man kann ziemlich unterschiedlich aussehen, aber genau gleich fühlen und handeln. Man kann ähnlich aussehen oder gar zusammen super gut aussehen und total unterschiedlich fühlen und handeln.
  • Bei sich selber bleiben, kann heissen, von anderen wegzugehen.
  • Nicht alles was man in einer Nacht findet, verliert man im Morgengrauen.
  • Auch wenn man nicht spricht, kann man das genau gleiche fühlen. Wort für Wort.

by canela