Klöntal im Kanton Glarus

 

 

pics by canela

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Wallis

Ich war noch nie im Wallis, ausser vor 30 Jahren in Zermatt.

Vor einem Monat durfte ich zwei Tage dort verbringen. Ich glaube, ich habe mich in diese Gegend ein bisschen verliebt.

Eingebettet zwischen den Bergen habe ich erfahren, wie klein ich als Mensch bin und dass ich ein Teil von etwas Grossem bin. ❤

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Nimm den Miss-Titel!

Was wäre, wenn du deine Angst vor Verletzungen auf eine beleuchteten Bühne stellen würdest? Was würde dir auffallen? Was, wenn du diese Angst vor echter Nähe und wirklichem Einlassen beiseite schieben würdest? Was bliebe in diesem Scheinwerferlicht zurück?

Was wäre, wenn du nicht mehr mit angezogener Handbremse durchs Leben führest? Wie wäre es, wenn du ungehindert Gas geben könntest? Wohin würdest du fahren?

Die Zeit heilt keine Wunden, wenn du dich nicht selber um die Wunde kümmerst. Denn, wenn du nicht zu Beginn diesen Stich gut versorgst, wird er aufplatzen, bluten oder eitern.

Wenn du dein Leben mit der Frage führst, was du nicht mehr möchtest, schiebst du Dinge weg. Du reagierst, statt zu agieren. Das Vorankommen ist mühsam, weil du deine Kraft gegen statt für etwas einsetzt.

Wenn du dich hingegen mit den Fragen beschäftigst: „Was habe ich gelernt? Was möchte ich? Wen wünsche ich mir wirklich an meiner Seite?“ erhältst du eine Perspektive, einen Leitstern. Der innere Kompass richtet sich aus, deine Kraft bündelt sich und du gehst vorwärts. Genau in dem Tempo, das du bestimmst.

Du siehst zwar immer noch das, was du nicht möchtest. Du richtest jedoch deine Aufmerksamkeit auf das, was dir gut tut. Dieser Fokus stärkt dich. (Miss)erfolg ist Teil des Erfolges. Nimm den „Miss“-Titel und setze dir die Krone auf, die du selber geschmiedet hast!

Schiebe deine Verletzlichkeit nicht zur Seite. Nimm sie mit! Kümmere dich um sie. Denn diese Verwundbarkeit ist dein Antrieb. Dein Benzin, das nie ausgeht. Nimm dein vernarbtes, blutendes Herz und verschenke es.

Und…..Frag dich Fragen, die dich glücklich machen.

text by canela
music: bugge wesseltoft & sidsel endresen

Mutter

Heute in 5 Tagen bin ich seit 13 Jahren Mutter. Hätte man mir das gesagt, als ich 35 war, hätte ich nur laut gelacht und dieser Person den Vogel gezeigt.

Ich wollte nicht Mutter werden. Zu schwer war mir die Verantwortung und zu einschneidend schien mir diese Rolle. Bis ich mit fast 40 Jahren Mutter wurde.

Die Geburt war ein Blind Date, welches für mich mit Liebe auf den ersten Blick anfing. Da hatte ich nun ein kleines Wesen, das nach Vanille und Honig roch und von mir total abhängig war. Was für eine verdammt grosse und furchterregende Aufgabe!

Das war kein Projekt, das man sorgfältig planen und nach getaner Arbeit abgeben konnte. Nein! Da war ein Teil von mir im Aussen, das so verletzlich und zart war. Da war plötzlich so viel Liebe, in der man versinken konnte. Da war das Loslassen und keine Kontrolle haben. Und da war das Wechselbad der Gefühle zwischen Zweifel und Sicherheit, das Richtige getan oder entschieden zu haben.

Ich habe meinen Sohn ins Kino geschmuggelt als er 4 war und behauptet er sei 6. War das richtig? Statt meinem Sohn das Hören von Bushido oder Kollegah zu verbieten, habe ich mit ihm unzählige Male über die Inhalte der Texte heftig diskutiert. Ich besuchte mit ihm sogar Kollegahs Konzert als er 9 war. War das richtig? Ich habe gelernt Grenzen zu setzen. Nicht. Und ich habe versucht, auf seinen Berufswunsch Einfluss zu nehmen, weil ICH mir nicht vorstellen konnte, dass man Polizist werden möchte (heute will er das auch nicht mehr, puhh….).

Jetzt ist er in der Pubertät. Wir kriegen beide Haare im Gesicht:  Er oberhalb der Lippen und ich am Kinn. Wir hören laut Musik im Auto. Er gibt mir immer noch spontan die Hand oder umarmt mich in der Öffentlichkeit. Oder er sagt mir: „Mama, du bist so peinlich. Hör auf zu nerven!“

Inmitten von diesem Meer aus Liebe, Zweifel und viel Lachen stehe ich vor der Herausforderung mich selber zu bleiben, eigene Glaubenssätze und externe Erwartungen zu prüfen. Was ist eine gute Mutter? Wie erziehe ich meinen Sohn zu einem „guten“ Menschen? Wer bestimmt überhaupt, was gut ist? Nach all diesen Jahren bin ich zum Schluss gekommen, dass nur mein Kind darüber urteilen darf.

Mutter zu sein ist schwierig und toll, weil ich ein wunderbares und genau das richtige Kind dafür habe.

by canela

 

$uicideboy$ in Zürich

Was für ein fucking geiles Konzert! Die Jungs gingen ab wie Sau!

Von der Tribüne aus sah ich, wie das junge Publikum im Moshpit abging. Rohe, unverbrauchte Energie. Ein Testosteron-Overload. Der Wahnsinn!

O.k., ich habe das Alter des Publikums auf 20 Jahre angehoben. 😉 War mir egal. Denn, sollten die $uicideboy$ wieder in Zürich auftreten, ich bin dabei.

pic by canela
music by $uicideboy$

 

 

Ich wünsche dir eine weisse Nacht

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der alles leuchtet, obwohl die Sonne schon lange schläft. Bekleidet mit nur meinem Lächeln und meiner Angst stehe ich vor dir. Dein Blick streichelt meine Rundungen. Meandrieren, Wellen schlagen, in der Gischt ertrinken.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der man alles siehst, obwohl die Augen geschlossen sind.Verbunden durch Blume und Stab. Atmend durch unseren Schoss. Deine Hand stützt meinen Nacken und gibt meinen fliehenden Gedanken Halt.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht, die Dunkle kennst du schon.

text and pic by canela
music torun eriksen

Mit über 50 einen Job finden?

Heute vor einem Jahr sass ich in einer Sitzung. Ich wollte die neuesten Marketingaktivitäten besprechen, stattdessen wurde mir aus heiterem Himmel gekündigt. Man wolle mein Pensum auf 60% reduzieren und zusätzlich neue Leute einstellen für das nächste Jahr, hiess es. Vier Monate später war ich stellenlos, obwohl ich schon am nächsten Tag begann Bewerbungen zu schreiben.

Was immer mir passiert, es ist meine Entscheidung, wie ich darauf reagiere

Man hatte mir gekündigt und ich war 51 Jahre alt. Diese Tatsache schleckte keine Geiss weg. Wie ich auf diese Tatsache reagiere würde, stand jedoch unter meinem Einfluss.

„Über 50 und keinen Job? Das wird hart, man liest ja überall, dass „blablabla“ und „blablabla.“ Oder „Wie kannst du nur so fröhlich auf deine Kündigung reagieren? Weisst du wie schwer es ist für Menschen über 50, einen Job zu finden? Du verschliesst die Augen vor der Realität!“

Ich spürte IHRE Angst. Ein Monster, das diese Menschen in ihren Klauen gefangen hielt. Ich hingegen beschloss, auf die Kündigung mit Freude und Hoffnung zu reagieren.

Was will ich tun? Wofür brenne ich?

Endlich hatte ich Zeit, jeden Morgen in den Wald zu gehen und zu fotografieren. Holy Shit, was für ein Glück! Endlich konnte ich lesen und lernen. Ich entschied, mein „Ich-will-unbedingt-nach-Island-Geld“ in eine Weiterbildung zu investieren.

Ich half Anderen bei ihrer Website oder bei Marketingangelegenheiten. Ich half Fenster putzen und malte ein Garagentor an. Ich nahm eine Freundin auf, die keine Wohnung und Geld hatte und verbrachte eine tolle Zeit mit ihr. „Du bist mutig, jemand in deiner Situation aufzunehmen,“ sagten sie. Aber, ob ich für zwei kochte oder drei, spielte keine Rolle für mich. Und für mich war klar: Ich will kein Geld für meine Unterstützung.

Die Angst will gesehen werden

Die Angst – keinen Job mehr zu finden – war da. Statt sie in den Keller zu verbannen und ihr so Macht über mich zu geben, blieb ich in Kontakt mit ihr und schaute sie an.

Ich stellte mir diese Angst immer wieder als kleines, ängstliches Mädchen vor, das gehört und gesehen werden wollte. Es mag seltsam klingen, doch ich führte Gespräche mit meiner Angst. Ich schloss die Augen, meditierte und ich bekam Antworten. Sobald ich einen Dialog erlaubte, mir aufschrieb, was sie beschäftigte, verschwand sie für Wochen.

Meine Vision trieb mich an, wie die Sonne die Pflanzen zum Wachsen bringt

Ich besuchte eine Weiterbildung und bezahlte diese mit meinem Reisegeld. Statt zu hadern, dass ich dieses Geld nicht für mein „Island“ einsetzen konnte, freute ich mich auf neues Wissen.

Zudem entfachte sich in mir eine Vision, eine treibende Kraft, die mir immer wieder sagte: „Im Herbst, ab September oder Oktober, arbeitest du wieder“ Diese Vision war mein Treibstoff.

Ich bestimme, was meine Realität ist

Ein paar Male las ich Berichte über arbeitslose Psychologen, Bankers und IT-Leute, die keinen Job mehr fanden. Sie hatten teilweise über 300 Bewerbungen geschrieben! „Über 50 und stellenlos, was nun?“

Was für ein Fehler! Denn diese Artikel mästeten mein kleines, ängstliches Mädchen zu einem riesigen, fucking Monster. Ich sah mich schon mittellos und hungernd unter einer Brücke am Feuer stehen.

Also konzentrierte ich mich wieder auf das, was mir gut tat. Ich bewegte mich täglich, meditierte, schrieb Bewerbungen, lernte und plauderte mit meiner Angst, wenn sie sich meldete. Ich war glücklich und dankbar.

Als die Krise kam und mich ungebremst in den Boden stampfte

Anfangs Oktober unterschieb ich einen Vertrag. Meine Mutter meinte, als ich sie freudig anrief, ich sei eine Hexe. Sie wusste von meiner Vision, dass ich im September oder im Oktober einen Job finden würde.

Einen Tag später, als die Firma meinen unterschriebenen Arbeitsvertrag erhielt, riefen sie mich an und sagten: „Frau Canela, wir habe sie verwechselt! Wir wollten jemanden anderen anstellen. Wir kündigen ihnen. Sorry, für das Versehen.“ Ich fiel aus allen Wolken. Was für ein harter Aufprall!

Dann kam die Krise. Nicht, weil ich diesen Job nicht bekommen hatte. Sondern weil mein Verstand mir weismachen wollte, dass meine Vision pure Einbildung gewesen sei. Diese Kraft, die mich all diese Monate aufrecht gehalten hatte, war weg. Die Quelle der Energie, die mich antrieb zu lernen, zu walken und mich fröhlich und zuversichtlich stimmte, schien gekappt zu sein. Mein Kopf behauptete: „Canela, DU hast versagt!“

Ich ging nicht mehr walken. Ich liess mich von der Angst auffressen und betäubte mich mit Netflix-Serien. Ich lag nur noch herum. Schrieb ich Bewerbungen, sagte mein Kopf: „Du wirst nichts mehr finden. Dich will niemand.“

Dann entschied ich mich für Hilfe. Ich ging zu meinem Psychosynthese-Coach. Ich raffte mich auf und lernte, die Spannung zwischen keimender Hoffnung und tiefer Sinnlosigkeit auszuhalten. Es war verdammt scheisse!

Ich meditierte wieder und dieses Gefühl, dass ich bald einen neuen Job finden würde, kam zurück. Mein Verstand jedoch zweifelte und lachte mich nach diesen Meditationen aus. „Du machst dir nur was vor!“, sagte er. Aber ich weiss seit langem, dass man nicht alles glauben soll, was man denkt.

Nach 145 Bewerbungen, vielen Vorstellungsgesprächen und Absagen, starte ich mit 52 Jahren einen neuen Job im Dezember. Ich habe mich nur um zwei Monate getäuscht.

10 Dinge, die ich gelernt habe

  1. Die Angst ist da, aber ich bin nicht die Angst.
  2. Sich mit Menschen zu umgeben, die Mut zu sprechen und an mich und meine Intuition glauben, gibt Kraft.
  3. Schlechtwetter-Macher und Realitätenkenner sind wie der Teufel das Weihwasser zu meiden.
  4. Geduld zu üben, ist nicht einfach. Die Leere und Spannung auszuhalten, wenn alles zusammenbricht, ist verdammt schwierig.
  5. Nein zu einem Job-Angebot zu sagen, wenn es sich nicht stimmig anfühlt, trotz Angst.
  6. Ich kann die Wahrnehmung meiner Realität beeinflussen. Ich kann einen Zeitraum als schön oder kacke erleben. Es ist mein Entscheid.
  7. Job-Absagen sagen nichts über mich oder meine Fähigkeiten aus.
  8. Menschen helfen, macht mich total glücklich.
  9. Ich hole mir Hilfe, wenn es mir scheisse geht.
  10. Ich, als Mensch, kann NICHT versagen! Es sind Ideen, die ich habe oder Entscheidungen, die ich fälle, die nicht immer funktionieren.

text by canela