Fragt ein buddhistischer Mönch den Anderen

In Samsara schreibt ein alter Mönch bevor er stirbt einem jungen, ehemaligen Mönch: „Was ist besser? Sich 1000 Wünsche zu erfüllen oder auf einen einzigen zu verzichten?“

Muddha Canela sagt:“ Verzichte auf einen und erfülle dir 999!“

Und wenn man sich während dieses Filmes liebt, dann fühlt sich der Akt heilig an. Manchmal ist Erleuchtung zu finden einfacher, als gedacht. Namaste.

text: by canela
clip: samsara

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Ich wünsche dir eine weisse Nacht

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine dieser Nächte, in denen alles leuchtet, obwohl die Sonne schon lange schläft.

Bekleidet nur mit einem Lächeln und mit meiner Angst stehe ich vor dir. Staunend streichelt dein Blick all meine Rundungen. Meandrieren, Wellen schlagen, in der Gischt ertrinken.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine dieser Nächte, in denen man alles siehst, obwohl die Augen geschlossen sind.

Verbunden durch Blume und Stab, als würden wir nur durch unseren Schoss atmen. Deine Hand fest an meinem Nacken. Sie gibt meinen fliehenden Gedanken einen Halt.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht. Denn die Dunkle kennst du schon.

text by canela
song by torun eriksen

Es fühlt sich rot an.

Er verliert sich gerne in Details.
Die Farben holt er mit seinen blossen Händen heraus.
Farbpigmente, die zu leben beginnen, wenn er darüber streicht.

Seine Handinnenfläche ist rauh, meine ist weich.
Seine Hand ist gross, meine ist klein.
Beide warm.

Es fühlt sich rot an.
Die Farbe, die mir am besten steht.
Vielleicht ein Grund wieso er mich mag.

by canela

Wenn der Schnee zu Schaum wird.

Das Zugfenster, aus dem ich hinaus schaue, ist unten rechts am Scheibenrahmen mit einem Datum versehen: 26.06.2013. Ist das sein Todesdatum? Wird es dann ausgewechselt und landet irgendwo in einem Gefäss, um geschmolzen und als neues Utensil wiedergeboren zu werden?

Als was wird Emil, das kleine schwarze Katerchen meines Sohnes, wiedergeboren werden, als es vorgestern gestorben ist? Emil war noch im Herbst bei mir in den Ferien. Ein liebenswürdiges, nach Nähe suchendes Tier, das sich am liebsten auf meinem Schoss einrollte und schlief. „Emil ist gestorben“, so das SMS, das ich gestern am Morgen früh erhielt. Ich setzte mich hin, stellte meinen Kaffee zur Seite und weinte. Kurz darauf hin rief mich mein Sohn an: „Mama, vielleicht wurde Emil von einem Hummer gebissen. Nun ist er an Krebs gestorben wie der Franz.“

Ich war dieses Wochenende bei ihr. Im Kanton, in dem ich geboren wurde. Die Hauptstadt dieses Kantons, eigentlich die Männer, scheinen mir wohlgesinnt zu sein. Seit langem wurde ich nicht mehr so unverwandt angeschaut. Im Buchladen kaufte ich mir zwei Bücher. Eines wollte ich schenken. Aber ich kann mich nicht von ihm trennen. Also wird es bei mir einziehen. Zuerst wird seine Geschichte in meinem Kopf einen Platz erhalten, dann auf dem Büchergestell.

Als wir Frauen in die Galerie von Maria Palatini eintraten, empfingen uns filigran, lustigironische und liebevolle gemalte Menschen. In einem Kabäuschen sass die Künstlerin, dich ich zuerst gar nicht bemerkt hatte. Im Halbdunkeln, gebeugt über dem Bild mit künstlichem Licht, malt sie ihre Figuren. Der Dschungelboy, die Friedenstaube und viele mehr. Manchmal wünschte ich mir mehr Geld, ich hätte mir sofort ein Bild gekauft. Immerhin kaufte ich vier Postkarten, die mir Frau Palatini persönlich einpackte ohne vorher freundlich neugierig zu fragen, woher ich käme.“Ich komme aus dem Aargau“ antwortete ich. Als sie immer noch fragend schaute, fuhr ich fort: „Meine Eltern sind Spanier, darum sehe ich so aus“. Das genügte ihr dann als Antwort.

Und während die weisse Landschaft an mir vorbeifliesst, die Sträucher mit Schaumkrönchen bedeckt sind, komme ich mir vor, als käme ich von den Ferien zurück. Wir haben viel geredet, sie und ich. Wir hörten Musik und assen Fondue. Eine Deutsche und eine Spanierin essen Fondue. Das ist doch Völkerverständigung.

Nun werde ich ein Bad nehmen und mir vorstellen es wäre Sommer. Verano. Ich weiss, es wir mir dabei warm ums Herz werden.  Wie damals, als ich Veranos Stimme das erste Mal hörte.

text by canela
song by hugo race

Herr Sommer und Fräulein Eiche

Herr Sommer hat Fräulein Eiche eine Apfelwähe gebracht.  „Mit Dinkelboden, “ flüstert er ihr ins Ohr. Als er geht, ohne sie vorher ordentlich zu umarmen und zu küssen, setzt sie sich hin und isst dieses Stück. „Mhhh,“ dachte sie während sie schmatzend das Stück in den Mund schob. Herr Sommer und Fräulein Eiche sind äusserlich gar anders. Aber sie essen beide fürs Leben gerne.

Herr Sommer hat immer Angst zu einnehmend zu sein mit seiner Sommerhitze. Dabei gibt es doch nichts schöneres als einen warmen Sommerregen nach der Wärme. Fräulein Eiche hingegen versteckt sich hinter ihrer knorrigen Rinde und hofft, dass man weder ihren Stamm verletzt noch ihre Blätter abreisst. Dabei ist eine Eiche weissgott kein zartes Pflänzchen.

Fräulein Eiche ist klein, kurvig und erdig. Sie mag am liebsten Dinge, die man hört, sieht und anfassen kann. Alles andere ist ihr suspekt.

Herrn Sommer hingegen ist mit seiner Länge nicht zu übersehen. Schlank fast schlaksig glaubt er an Biorhythmen, bösartige Handywellen und Wasseradern.

Sollte Herr Sommer zu Fräulein Eiche passen, wird sie viele Eicheln abwerfen.  „Hauptsache es ist biologisch“, würde Herr Sommer sagen und Fräulein Eiche würde dabei kichern.

by canela