Das Meer und der Himmel im Winter

Diese Weihnachten habe ich in Malaga verbracht. Ich bin mir das erste Mal richtig bewusst geworden, wie sehr das Meer und der Himmel verbunden sind. Ich wusste es, aber wirklich wahrgenommen, habe ich es erst jetzt. Und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind.

pics by canela

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Ich wünsche dir eine weisse Nacht

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der alles leuchtet, obwohl die Sonne schon lange schläft. Bekleidet mit nur meinem Lächeln und meiner Angst stehe ich vor dir. Dein Blick streichelt meine Rundungen. Meandrieren, Wellen schlagen, in der Gischt ertrinken.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine, in der man alles siehst, obwohl die Augen geschlossen sind.Verbunden durch Blume und Stab. Atmend durch unseren Schoss. Deine Hand stützt meinen Nacken und gibt meinen fliehenden Gedanken Halt.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht, die Dunkle kennst du schon.

text and pic by canela
music torun eriksen

Mit über 50 einen Job finden?

Heute vor einem Jahr sass ich in einer Sitzung. Ich wollte die neuesten Marketingaktivitäten besprechen, stattdessen wurde mir aus heiterem Himmel gekündigt. Man wolle mein Pensum auf 60% reduzieren und zusätzlich neue Leute einstellen für das nächste Jahr, hiess es. Vier Monate später war ich stellenlos, obwohl ich schon am nächsten Tag begann Bewerbungen zu schreiben.

Was immer mir passiert, es ist meine Entscheidung, wie ich darauf reagiere

Man hatte mir gekündigt und ich war 51 Jahre alt. Diese Tatsache schleckte keine Geiss weg. Wie ich auf diese Tatsache reagiere würde, stand jedoch unter meinem Einfluss.

„Über 50 und keinen Job? Das wird hart, man liest ja überall, dass „blablabla“ und „blablabla.“ Oder „Wie kannst du nur so fröhlich auf deine Kündigung reagieren? Weisst du wie schwer es ist für Menschen über 50, einen Job zu finden? Du verschliesst die Augen vor der Realität!“

Ich spürte IHRE Angst. Ein Monster, das diese Menschen in ihren Klauen gefangen hielt. Ich hingegen beschloss, auf die Kündigung mit Freude und Hoffnung zu reagieren.

Was will ich tun? Wofür brenne ich?

Endlich hatte ich Zeit, jeden Morgen in den Wald zu gehen und zu fotografieren. Holy Shit, was für ein Glück! Endlich konnte ich lesen und lernen. Ich entschied, mein „Ich-will-unbedingt-nach-Island-Geld“ in eine Weiterbildung zu investieren.

Ich half Anderen bei ihrer Website oder bei Marketingangelegenheiten. Ich half Fenster putzen und malte ein Garagentor an. Ich nahm eine Freundin auf, die keine Wohnung und Geld hatte und verbrachte eine tolle Zeit mit ihr. „Du bist mutig, jemand in deiner Situation aufzunehmen,“ sagten sie. Aber, ob ich für zwei kochte oder drei, spielte keine Rolle für mich. Und für mich war klar: Ich will kein Geld für meine Unterstützung.

Die Angst will gesehen werden

Die Angst – keinen Job mehr zu finden – war da. Statt sie in den Keller zu verbannen und ihr so Macht über mich zu geben, blieb ich in Kontakt mit ihr und schaute sie an.

Ich stellte mir diese Angst immer wieder als kleines, ängstliches Mädchen vor, das gehört und gesehen werden wollte. Es mag seltsam klingen, doch ich führte Gespräche mit meiner Angst. Ich schloss die Augen, meditierte und ich bekam Antworten. Sobald ich einen Dialog erlaubte, mir aufschrieb, was sie beschäftigte, verschwand sie für Wochen.

Meine Vision trieb mich an, wie die Sonne die Pflanzen zum Wachsen bringt

Ich besuchte eine Weiterbildung und bezahlte diese mit meinem Reisegeld. Statt zu hadern, dass ich dieses Geld nicht für mein „Island“ einsetzen konnte, freute ich mich auf neues Wissen.

Zudem entfachte sich in mir eine Vision, eine treibende Kraft, die mir immer wieder sagte: „Im Herbst, ab September oder Oktober, arbeitest du wieder“ Diese Vision war mein Treibstoff.

Ich bestimme, was meine Realität ist

Ein paar Male las ich Berichte über arbeitslose Psychologen, Bankers und IT-Leute, die keinen Job mehr fanden. Sie hatten teilweise über 300 Bewerbungen geschrieben! „Über 50 und stellenlos, was nun?“

Was für ein Fehler! Denn diese Artikel mästeten mein kleines, ängstliches Mädchen zu einem riesigen, fucking Monster. Ich sah mich schon mittellos und hungernd unter einer Brücke am Feuer stehen.

Also konzentrierte ich mich wieder auf das, was mir gut tat. Ich bewegte mich täglich, meditierte, schrieb Bewerbungen, lernte und plauderte mit meiner Angst, wenn sie sich meldete. Ich war glücklich und dankbar.

Als die Krise kam und mich ungebremst in den Boden stampfte

Anfangs Oktober unterschieb ich einen Vertrag. Meine Mutter meinte, als ich sie freudig anrief, ich sei eine Hexe. Sie wusste von meiner Vision, dass ich im September oder im Oktober einen Job finden würde.

Einen Tag später, als die Firma meinen unterschriebenen Arbeitsvertrag erhielt, riefen sie mich an und sagten: „Frau Canela, wir habe sie verwechselt! Wir wollten jemanden anderen anstellen. Wir kündigen ihnen. Sorry, für das Versehen.“ Ich fiel aus allen Wolken. Was für ein harter Aufprall!

Dann kam die Krise. Nicht, weil ich diesen Job nicht bekommen hatte. Sondern weil mein Verstand mir weismachen wollte, dass meine Vision pure Einbildung gewesen sei. Diese Kraft, die mich all diese Monate aufrecht gehalten hatte, war weg. Die Quelle der Energie, die mich antrieb zu lernen, zu walken und mich fröhlich und zuversichtlich stimmte, schien gekappt zu sein. Mein Kopf behauptete: „Canela, DU hast versagt!“

Ich ging nicht mehr walken. Ich liess mich von der Angst auffressen und betäubte mich mit Netflix-Serien. Ich lag nur noch herum. Schrieb ich Bewerbungen, sagte mein Kopf: „Du wirst nichts mehr finden. Dich will niemand.“

Dann entschied ich mich für Hilfe. Ich ging zu meinem Psychosynthese-Coach. Ich raffte mich auf und lernte, die Spannung zwischen keimender Hoffnung und tiefer Sinnlosigkeit auszuhalten. Es war verdammt scheisse!

Ich meditierte wieder und dieses Gefühl, dass ich bald einen neuen Job finden würde, kam zurück. Mein Verstand jedoch zweifelte und lachte mich nach diesen Meditationen aus. „Du machst dir nur was vor!“, sagte er. Aber ich weiss seit langem, dass man nicht alles glauben soll, was man denkt.

Nach 145 Bewerbungen, vielen Vorstellungsgesprächen und Absagen, starte ich mit 52 Jahren einen neuen Job im Dezember. Ich habe mich nur um zwei Monate getäuscht.

10 Dinge, die ich gelernt habe

  1. Die Angst ist da, aber ich bin nicht die Angst.
  2. Sich mit Menschen zu umgeben, die Mut zu sprechen und an mich und meine Intuition glauben, gibt Kraft.
  3. Schlechtwetter-Macher und Realitätenkenner sind wie der Teufel das Weihwasser zu meiden.
  4. Geduld zu üben, ist nicht einfach. Die Leere und Spannung auszuhalten, wenn alles zusammenbricht, ist verdammt schwierig.
  5. Nein zu einem Job-Angebot zu sagen, wenn es sich nicht stimmig anfühlt, trotz Angst.
  6. Ich kann die Wahrnehmung meiner Realität beeinflussen. Ich kann einen Zeitraum als schön oder kacke erleben. Es ist mein Entscheid.
  7. Job-Absagen sagen nichts über mich oder meine Fähigkeiten aus.
  8. Menschen helfen, macht mich total glücklich.
  9. Ich hole mir Hilfe, wenn es mir scheisse geht.
  10. Ich, als Mensch, kann NICHT versagen! Es sind Ideen, die ich habe oder Entscheidungen, die ich fälle, die nicht immer funktionieren.

text by canela

Wo sich Erde im Wasser verliert

Deine Händen liebkosen meinen Rücken,
du entlockst längst vergessene Melodien in mir.
Du dirigierst die Sinfonie meines Meeres.

Der Druck deiner Finger löst sanfte Wellen aus.
Ich spüre wieder das fliessende Wasser unter dem Eis.

Dein Bauch bewegt sich in Einklang mit Meinem.
Dieses leise Auf-und-ab erfüllt mich mit Nestwärme.
Dein Atem dringt in mich ein und
meine leblose Erde ahnt Fülle.

Unsere Seelen vereint im weiten Meer.
Jede Welle ist willkommen.
Tief unter der bewegten Oberfläche ruht die Stille,
dieser Ort, an dem wir beide Eins sind.

Meine Erde verliert sich in deinem Wasser.
Du bist ich, ich bin du.

text and pic by canela

 

Hinter der Angst ist ein Raum gefüllt mit Blumen

Es gibt einen Raum, der so weit ist wie das Universum. Der so kompakt ist, wie ein Blume aus der Nähe betrachtet.

Dieser Raum ist für jeden Menschen anders.

Mein Raum ist gefüllt mir Leichtigkeit und Schönheit. Mein Raum ist mein Theaterstück. Ich bin der Regisseur, die Schauspieler und die Bühne zur selben Zeit. Niemand wird jemals diesen Raum so sehen und fühlen wie ich ihn erlebe. Wir können nur ahnen, was im Anderen geschieht. Aber sicher sein, nein, das können wir nicht.

Mein Raum ist gefüllt mit Verletzlichkeit, mit Zärtlichkeit, mit Kraft. Mit Liebe für das Alltägliche, das – aus der Nähe betrachtet – zu etwas besonderem wird. Mit Blumen, vielen Blumen. Mit Staunen über den Zauber, der über diesen Pflanzen liegt.

Was passiert, wenn du es wagst, hinter deiner Angst zu blicken?

text and pics by canela

Willkommen Pubertät

Bye bye Kindheit, willkommen Pubertät!

Die Zeit, in der man als Mutter noch mehr mit der eigenen Doppelmoral und Inkonsequenz konfrontiert wird.

Die Zeit, in der man Wasser predigt, Wein dazu trinkt und das Rauchen einer transzendentalen Zigarette verteufelt. Weil man ja selber viel später mit all den bösen Versuchungen des Lebens angefangen hat. Weil man vergisst, wie man selber in dieser Zeit war. Und ja, weil man nur das Beste fürs Kind möchte. Das aus ganzem Herzen.

Die Zeit, in der man morgens mit einem Gegrummel begrüsst wird, statt mit einer Umarmung. Die Phase, in der man mit den eigenen Ängsten in Berührung kommt, weil sich das Kind abnabelt und man es immer noch beschützen möchte. Weil man sich ganz fest wünscht, es möge doch gesund und glücklich bleiben. Weil man hofft, es möge noch lange Kind im wohligen Nest bleiben statt flügge zu werden.

Die Pubertät, in der man als Mutter Zurückweisungen aushält, trotzdem in Kommunikation bleiben muss und Grenzen (die man selber manchmal nicht einhält) ziehen soll.

Weil Pubertät eine Station ist mit einem Bahnhof, der auch eine gefährliche und vergammelte Seite hat, nebst der Schönen. Und man nicht möchte, dass sich das Kind zu lange an diesem Ort aufhält.  Und man hofft, dass der nächste Zug für die kommende Destination schnell eintreffen werde.

Bye bye Kindheit, willkommen Pubertät!

by canela

Was mich glücklich macht

  • Das Chaos im Kopf mit Meditation zum Verstummen zu bringen.
  • So oft wie möglich in den Wald zu gehen und sich von der Schönheit der Natur überwältigen zu lassen.
  • Sich FÜR etwas statt sich gegen etwas einzusetzen.
  • Die Angst der anderen, nicht zur eigenen Angst werden zu lassen.
  • Die eigene Angst anzuerkennen und sich mit ihr auseinander zu setzen.
  • Anderen Menschen zu helfen.
  • Kein Leid mit einem anderen Leid zu vergleichen.

Gehen Sie viel in den Wald….