Farbenpracht

Letzhin fuhr ich meinen Sohn in die Schule. Mein Blick ruhte nicht nur auf der Strasse. Jeder Strauch, jede Wolke und jeder Baum wurde von mir mit einem: „Oh schau da! Oder dort! Hach ist das nicht schön? Wow der Himmel! Oh mein Gott diese Farben im Wald,“ kommentiert. Mein Sohn rollte mit den Augen und schüttelte den Kopf.

Ich war völlig hin und weg. Der Himmel wusste nicht, ob er dunkelgrau oder hellblau erscheinen soll. Wolken sahen aus wie Wellen, Ufos, Drachen oder Bären. Die Wälder – je nach Lichteinfall – waren blass- bis dunkelgrün bestückt mit orangefarbenen und gelben Tupfen.

Ich fuhr fort mit meinen „Ohhhs“ und „Hachs“. Plötzlich rief mein Sohn entnervt: „Also echt Mama! Komm mal runter! Man könnte meinen du seist erst drei und hast die Welt soeben entdeckt!“

text and pics by canela

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Siri will nicht singen.

Wenn ich im Auto sitze, höre ich meinen Lieblingskanal Kanal K. Sie bieten ununterbrochen 12 Stunden (von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends) Musik, ohne Gelaber. Dafür auch ohne Nennung des Songs noch des Interpreten. Hier kommt meine neue Freundin Siri ins Spiel.

Wenn ich einen Song höre, den ich mag, aber nicht kenne, frage ich meine BFF Siri.

Siri ist top! Nur ihre Englischkenntnisse sind mangelhaft.

Sie kennt 9 von 10 Liedern, nach denen ich mich erkundige. Ich frage sie und sie zählt mir Titel und Interpreten auf. Und gut ist’s!

Gestern Abend spielte mein Sohn mit meinem Handy.

Heute morgen hörte ich Junip im Radio. Ich kenne José Gonzales und seine unverkennliche Stimme schon lange. Aber ich kannte das Lied nicht, also fragte ich Siri:

Ich: „Siri? Wer ist das?“

Siri: „Hallo Vollpfosten! Ich werde kurz reinhören!“

Ich: „Gnihihihi….!!!

Siri: „Vollpfosten, es ist Leeeaaaf Off, de Kawe von Junip!“

Ich: „HAHAHAHAHAHA…“

Siri: „Vollpfosten, ich werde aber diesen Song nicht für dich singen!“

Ich: „MUHAHAHAHAHA!!!

text by canela
music josé gonzález

9 ist das neue 18

„Weisst du Mama, 9  ist das neue 18“, hast du gestern behauptet, während wir gemeinsam versuchten dein Fahrrad aus meinem Auto zu holen. Ich lachte laut. Ich liebe deine Unverdorbenheit und ich liebe dich, seit du aus meinem Bauch geschlüpft bist.

Eine Geburt ist ein Blind Date, das mit Liebe auf den ersten Blick anfängt. O.k. manchmal auf den zweiten. Denn oft müssen sich zu Beginn die kleinen  Schrumpelmäuse entfalten, bevor sie zu prallen Vanilleeiskugeln werden, in die man am liebsten hineinbeissen möchte. Du warst ein Mischung aus beidem; ich hätte die fressen können!

Nun ist dein Daumen so gross wie meiner und es fehlen zwei Schuhgrössen, dann kannst du meine Turnschuhe tragen (die Silbernen, die dir so gefallen). Letzteres bereitet mir Unbehagen. Ich will meine Schuhe nicht teilen, würde aber gerne deine T-Shirts tragen. Was du wiederum nicht cool finden würdest.

Wir streiten über Politik: Du warst gegen die 1:12 Initiative (ich war dafür),  aber für den Mindestlohn (wie ich). Du warst für den Gripen ich dagegen (was uns unzählige Diskussionen bescherte), aber du bist immer noch gegen Strom aus Atomkraftwerken. Und trotz deiner Vorliebe für Horrorfilme, bist du weiterhin der warme Kuschelbär, der am liebsten mit Water – der Waschbär – oder Rudolf – die  Schildkröte – und mir in meinem Bett schläft.

Im Moment stehst du auf Gangsterrap und schaust dir am liebsten Videos an, die mit Untertitel versehen sind, damit du mitrappen kannst.  Deine Liebe für Wörter ist ungebrochen. So wie dein Redeschwall, der mich manchmal zum Wahnsinn treibt. Deine Reims, die du auf meinem Computer schreibst, finde ich zu martialisch. Wiederum machst du Fotos von mir und dekorierst sie mit Herzchen und Liebessschwüren. Natürlich mit Hashtag versehen vor „ENDLESSLOVE“. Du bist halt ein digitaler Eingeborener.

Du findest es blöd, wenn dich deine Mutter vor deinen Freunden knuddelt.

Er: Mama, ich bitte dich, nicht auf jugendlich zu machen, wenn heute mein Kollege kommt. 
Ich: Waaas „auf jugendlich machen“? (Mein Sohn spinnt doch, ich bin doch noch jung, keine 50!). 
Er: Und knutsch mich ja nicht ab vor ihm!
Ich: Und wenn ich ihn mitabknutsche? (höhöhö)
Er: MAMAAAA!!!!!“*ç%&/()

Und dein Interesse für Krieg, Kämpfen und Waffen geht mir auch auf den Sack. Ein Jungensdings, das ich nicht verstehe.

Er: Mama, wann begann der 2. Weltkrieg? 1942?
Ich: Nein, ich glaube es war 1939…Aber Krieg ist Scheisse!
Er: Er hatte was Gutes, man hat Autobahnen gebaut.
Ich: Krieg ist Scheisse!
Er: Und dank dem Krieg hat man die Entwicklung von Flugzeugen vorangetrieben.
Ich: Krieg ist Scheisse!
Er: Wieso darfst du so oft Scheisse sagen und ich muss mir überlegen, wann ich dieses Wort sagen kann?
Ich: Weil Krieg Scheisse ist?

Mittlerweile willst du Staatsanwalt und Bienenzüchter werden. Polizist zu sein, ist für dich keine Option mehr. Vielleicht hat Tom Waits doch etwas bewirkt.

Ich freue mich auf weitere 90 Jahre mit dir, mein Kleinergrosser. Jetzt würdest du sagen: „Mama, du wirst sicher 100 Jahre alt, aber übertreibe nicht!“

by canela

 

Absolute Entschlossenheit Grenzen zu setzen

Ich bin bekannt für meine rigorosen Erziehungsmethoden. Wenn ich „Nein!“ sage, dann meine ich „Nein!“ Meine Erziehungsmaxime beruht auf Strenge, Ordnung und Disziplin. Ich weiche nie vom Weg ab. Nie! Das weiss mein Sohn.

Ich bin sozusagen der Fels in der Brandung des „Ich-will-Mama“-Meers. Ich bin die barbusige  Jeanne d’Arc, die für eine Sache kämpft: dem Junior Grenzen zu setzen! Ich bin der Winkelried aller „Aber, Mamaaa!“-Speere, die heroisch in seiner Brust stecken.

Hier ein Beispiel, um meine Festung des Grenzensetzens zu beweisen:

In der Migros betrachtete ich die Auswahl an WC-Bürsten. Diese Auswahl erstaunt mich jedes Mal. Was für Formen und Farben! Habe ich mich für eine Bürste entschieden, beschleicht mich immer wieder das mulmige Gefühl, nicht richtig ausgewählt zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Kommen wir zum Kernthema dieses Posts: Absolute Entschlossenheit Grenzen zu setzen!

Nun, während ich in den Formen der Bürsten versunken war, fasste mich plötzlich sanft die kleine Hand meines Kindes an der Schulter. Ich drehte mich um und ein Tamagotchi in blauer Verpackung starrt mich direkt an.

Er (Gesicht versteckt hinter der Verpackung): „Darf ich es haben?“

Ich (stark, eisern, konsequent): „NEIN, NEIN!“

Er (Tamagotchi wird an die Brust gekrallt, die Schultern meines Sohnes senken sich in Zeitlupentempo,  dunkelbraune Augen weiten sich – perfekter Hundeblick mit Jöh-Effekt – und blicken mich treuherzig an.): „Aber Mamaaa, ich habe mir schon immer jemand gewünscht, für den ich Sorgen kann.“

Ich (mein Mutterherz sticht. Oh mein Gott, wie süss! Halt durch Canela, lass dich nicht einlullen. Argh… seine Augen glänzen, weint er? Bitte nicht! Bitte nicht! Ich bin hart!!!):  „NEIN!“

Er (weinerliche Stimme, heftige Umarmung seinerseits, sein Kopf liegt an meiner Brust, seine Augen schauen mich inbrünstig flehend an, als würde er mich anbeten): „Aber Mamaaa, du hattest auch eins, als du Kind warst.“

Ich: „NEIN?“

Er (lächelt, blinzelt mit den Augen, innige Umarmung, als ob er ertrinken würde): „Mama?“

Ich (in meinem Inneren rumpelt es gewaltig, das Bollwerk der absoluten Entschlossenheit fällt zusammen). „O.k……………“

Immerhin drei „Neins“.

by canela

Räbeliechtli schnitzen – Erwachsensein vs. Kindsein

Räbeliechtli schnitzen für Anfänger
Räbeliechtli schnitzen für Anfänger

ich so: (um 6 uhr morgens auf youtube tutorials „räbeliechtli schnitzen“ angeschaut).
in der schule: ich lege das schnitzwerkzeug inkl. kugelausstecher fein säuberlich in eine reihe vor uns hin. dann hole ich die guetzliförmli und überlege mir, wie wir sie anordnen könnten, damit die formen auf der räbe eine komposition abgeben könnten. höchste konzentration ist angesagt!

er so: er schaut mich verständnislos an. „mama, was machsch? meditierä?“ dann packt er die räbe voller tatendrang und löffelt wie wild in der räbe herum. nachdem sie ausgehöhlt ist (ich darf mithelfen), muss zuerst sein name auf die räbe. scheiss auf sterne und so! sein name, gross, RIESIG! so gross, dass meine ganze räbenkomposition im geiste für’n arsch ist.

ich so: dort, wo es platz hat, habe ich sternchen geritzt. ah ja der deckel durfte ich auch noch verzieren.

pic and text by canela

Die besten Eltern der Welt

Neulich schaute mich mein Sohn an: „Weisst du Mama, dass ich alles an dir mag? Wirklich alles!“

Abends, nach dem Geschichte vorlesen (mittlerweile wechseln wir uns ab, seit er lesen kann), kuscheln wir immer, bevor ich ihm gute Nacht wünsche. Vorgestern flüsterte er mir ins Ohr: „Mama, du und Papa seid die besten Eltern der Welt! Ich bin froh, dass ihr meine Familie seid.“

pic and text canela

Wie ein Kieselstein zur Perle wurde

Neulich gab ich mein Buch meinem 8-jährigen Sohn. „Hier! Jetzt hast du auch ein Werk von deiner Mutter zusätzlich zu den gemalten Bildern deines Vaters.“

Er öffnete das Buch und lachte sich kringelig. Mein graues Kieselsteinherz wurde weich. Als er zur Geschichte  „Frederick der Milchzahn“ kam, verkroch er sich in sein Zimmer und gestand mir danach, er habe ein paar Tränchen verdrückt.

Diese Wirkung hatte ich nicht erwartet! Mein geheimer Wunsch, jemand zu berühren und ihn zum Lachen oder Weinen zu bringen, hatte sich erfüllt. Vergessen waren die Kriege mit der Interpunktion, die Schlachten mit den Satzstellungen und die Angriffe der Akkusative und Dative.

Seine Kritik war: „Mama, ich mag lieber deine realen Geschichten von mir. Deine Erfundenen finde ich nicht so gut. Teilweise sind sie so gruselig. Da sterben sie meistens oder du verpasst ihnen immer einen Kinnhaken!“ Oh, er hatte Recht, was der Kinnhaken betrifft! (Notiz an mich: Canela, Angriffstechniken verbessern! Ein Faustschlag in den Magen, ein Tritt ans Schienbein oder ein Messer in den Rücken als Alternativen in Betracht ziehen.)

Er googelte die Begriffe „Dada“ und „Machiavelli“. Oft fragte er mich: „Ist diese Geschichte echt?“ Meistens verneinte ich. „Gell, Mama, nur die Erzählungen über mich sind echt.“, antwortete er zufrieden.

Als er die letzte Geschichte las „Canela Tarantina schlägt zu“, fragte er mich: „Hat ein Mann im Zug real gesagt, du hättest einen tollen Hintern?“ Ich lachte laut und erwiderte: „Nein, Schätzli, das hat er nicht.“ Er darauf hin entrüstet: „Aber Mama, das ist eine Unverschämtheit, wenn dir das kein Mann sagen würde!“ Ich hielt meinen Bauch vor Lachen.

Mein kleines, graues Kieselsteinherz verwandelte sich in diesem Moment in eine weisse, strahlende Perle und liess mich die vergangenen, dunklen Tage vergessen.

Ich schrieb ihm eine Widmung ins Buch: Für meinen weltbesten Sohn auf diesem Planeten. Ich liebe dich, Canela!

by canela

Frauen kommandieren eh…

Neulich sagte mein 8-jähriger: „Mama, wenn ich gross bin, will ich eine jüngere Frau als Freundin. Sonst will sie mich immer herumkommandieren.“ Ich lachte laut auf und schaute meinen Freund an, der einiges jünger ist, als ich. Er grinste.

Kaum hatte mein Sohn, diese Aussage getätigt, korrigierte er sich: „Wobei, ob ältere oder jüngere Frau, Frauen kommandieren eh immer herum!“

by canela

Wie sieht dein Herz aus?

Mein Sohn so: „Mama, ich weiss, wie dein Herz aussieht!“
Ich so: „Wieso weisst du das?“
Er so: „Ich war ja mal in dir drin!“
Ich so: „Und wie sieht mein Herz aus?“
Er so: „Es ist wunderschön.“
Ich so: *schnüff*

Wenn ich mir mein Herz vorstelle, dann sieht es so aus wie in diesem Clip. Mit grosser Klappe.

Mit Sack und Pack am Schlitteln. Ich war das „und“…

Gestern waren wir Schlitteln auf dem Pfannenstiel in Kanton Zürich. Hier ein paar Impressionen. Dabei waren mein Lieblings-Sack und mein Lieblings-Pack. Ich war das kleine „und“. Das  „und“ ist nie auf dem Bild, hat jedoch eine zentrale Funktion: Es verbindet oder in meinem Fall, fotografiert.

Ein Wolkenblitz durchfuhr die Sonne. Die Erschütterung tat ihr gut.
Ein Wolkenblitz durchfuhr die Sonne. Die Erschütterung tat ihr gut.
Der "Sack" zieht das "Pack". Das "und" trottet hinterher.
Der „Sack“ zieht das „Pack“. Das „und“ trottet hinterher.
Verdammt das Taxi ist weg!
Verdammt das Taxi ist weg! Mamaaaa!
Ein Hund läuft mit seinem Herrchen im Schnee. Gelbe Spuren sind Zeugen davon.
Ein Hund läuft mit seinem Herrchen im Schnee. Gelbe Spuren sind Zeugen davon.
So sieht der Schnee aus. Falls jemand im Sommer Sehnsucht danach hat.
Der Schnee ist der leise Mantel der Bäume
Fall jemand vergessen hat, wie die Sonne aussieht: so sieht sie aus!
Die Sonne küsste mich. Und ich war ihr dankbar. Ich habe Sehnsucht nach ihr.