Leise Melancholie

Meine Mutter sagte immer: „Me gustan los hombres con barbas (mir gefallen Männer mit Bart)“. Eine Vorliebe, die ich vermutlich von ihr „geerbt“ habe.

Fink ist mein Lieblingsnasenbär. 2006 hörte ich das erste Mal einen Song von ihm auf KanalK. Mein Musikherz hatte ihn sofort adoptiert! Und als ich beim Googlen feststellte, dass er einen Bart trug, war ich entzückt.

Eine Freundin und ich waren vor zwei Jahren an seinem Konzert. Dort habe ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass die Zeit auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen war. Denn als wir den Konzertsaal verliessen, hatte ich Rückenschmerzen. Das lange Stehen hatte mir zugesetzt. Wir suchten eine Sitzgelegenheit und fanden ein rotes Sofa beim Ausgang. Beide stöhnten glücklich, als wir uns niederliessen. Ich sagte zu ihr: „Verdammt, wir werden alt!“ Sie lächelte und nickte. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreich die Tatsache verdrängt, dass auch ich älter werde.

Heute habe ich diesen Kurzfilm über ihn gesehen. Er spricht, unter anderem, über das Alleinsein. Und über den Zustand der Leere, wenn man sich ihr hingibt. Dass er sich weniger alleine fühle, wenn er auf der Bühne stehe.

This is the thing

I don’t know if you notice anything missing
Like the leaves on the trees or my clothes all over the floor
I don’t know if you’ll even notice at all
Coz I was real quiet when I closed the door

And the things that keep us apart keep me alive and
The things that keep me alive keep me alone

Ein paar Monate später war ich am Konzert von Alt-J. Dieses Mal hatte ich Sitzplätze gekauft.

text by canela, music by Fink

Konzerte 2016/17

Februar: Concha Buika (Kaufleuten, Zürich).

April: Ursula Rucker (Rote Fabrik, Zürich).

Juli: Massive Attack weiter (Stimmen Festival, Lörrach).

Juli: Kwabs und SOHN (Blue Balls Festival, Luzern).

Im August gibt es einige Künstler (alle gratis!) am Musig i de Altstadt, Aarau. Auf Delinquent HabitsPablo Nouvelle und King Pepe freue ich mich besonders.

November: Cinematic Orchestra (jazznojazz, Zürich)

November: Archive (Kaufleuten, Zürich)

Januar 2017: José Gonzalez (X-tra, Zürich)

Ein Sonnenaufgang ganz für mich

Heute morgen um 5 Uhr als ich meine Augen aufschlug, dachte ich, ich sei im Paradies. Durch das Fenster sah ich den Tag, der gerade in unglaublicher Schönheit geboren wurde.

Trotz Müdigkeit und schmerzender Schulter – ein Geschenk meines Körpers, das ich seit Monaten mit mir trage und welches mich penetrant erinnert, dass ich mein Leben ändern sollte- riss ich mich zusammen, schlüpfte in meine Turnschuhe und ging in den Wald den Fluss entlang. Bei jedem Schritt spürte ich meinen rechten Arm und trotzdem entschied ich mich glücklich zu sein. Ich war Zeugin eines wunderbaren Morgens.

Vier Stunden später meinte mein grauhaariger Physiotherapeut, mein Herzchakra sei völlig zu. Er drückte mit voller Inbrunst an mir herum bis mir fast die Tränen in die Augen schossen. „Wollen Sie ein harter Winkelried sein, der alles alleine macht und sich jede Lanze ins Herz stossen lässt?  Oder wollen Sie ein weicher sanfter Fluss werden, der sich mäandrierend den Gegebenheiten der Landschaft anpasst?“ Er wusste, dass ich die Antwort weiss.

text and pics by canela

2652 wunderbare Gefühle

Heute habe ich beschlossen 2652 Fotos auf meinem Iphone zu löschen. Schwierig, ganz schwierig für mich. Jedes Foto war ein Moment eines angenehmen Gefühls. 2652 wunderbare Gefühle. Es fällt mir schwer loszulassen.

Wie zum Beispiel gestern in Zürich. Da ist mir der Sommer begegnet. Kurz und warm, nass und schwül. Ich war glücklich.

text and pics by canela

Blumen – oder du bist seltsam

Während ich am Bach stehe und in den Himmel eintauche, der sich im Wasser spiegelt, erinnere ich mich an ein Gespräch mit einer Arbeitskollegin.

„Du bist doch die, die keine Blumen mag,“ behauptete sie überzeugt. „Seltsam, dass du Blumen nicht als Geschenk möchtest,“ fährt sie fort.

Ich liebe Blumen. Nur nicht als Strauss sondern dort, wo sie leben. Ein Blumenstrauss, der langsam zerfällt und stirbt, bedrückt mich.

„Es fühlt sich nicht richtig an für mich,“ erkläre ich ihr. „Du bist seltsam,“ meint meine Arbeitskollegin daraufhin und schüttelt verständnislos den Kopf.

pics and text by canela

Kurz ganz jung gefühlt…

Heute in der Migros haben sie Schleckzeug verteilt. Eins wurde mir in die Hände gedrückt. Bei den Melonen spricht mich einer an: „Du abe sicher glaini Kinda?“Ich schaue ihn verdutzt an. „Glaini Kinda sicher Freud!“ Und drückt mir nochmals Süssigkeiten in die Hand. Ich nicke dankend.

Mein erster Gedanke: „Oh mein Gott, der denkt ich sei jung! Sofort Eier einfrieren lassen! Und auf den blauenrosahellgelben Prinzen hoffen!“ Mein zweiter Gedanke:“Mensch, du bist doch in der Menopubertät! Hihi…“

text by canela

Mairegen

Ich weiss, der Mai zickt herum. Launisch wird er warm und dann wiederum wirkt er kühl und etwas mürrisch. Doch wenn man genau hinschaut, sieht man so viel Leben und Farben. Die Regentropfen sind kleine durchsichtige Perlen und die Blütenblätter wirken wie Seide. Man kann dem Monat Mai nicht wirklich böse sein…

text and pic by canela