Ein bisschen über Kwabs

Wer mich kennt weiss, dass ich viele Musikgenres mag und dafür offen bin. Und nein “alles-was-im-Radio-kommt” ist kein Genre!

Vor ca. 2 Jahren hörte ich einen Song von SOHN in dem Kwabs sang. Die Kraft und Intensität dieser starken, göttlichen, ergreifenden Stimme durchflutete mich wie flüssiges Gold. Mein Herz stand ganz kurz still. Als es wieder pochte, wurde mir warm im Bauch und ein Schauer durchfuhr meinen Körper. Für einen kurzen Moment glaubte ich sogar an Gott. An einen Gott der Liebe, der sich durch die Stimme von Kwabs manifestiert.

Heute ist Kwabs auch in unseren Breitengraden berühmt. Mit Liedern, die mir eine Spur zu “lieb-Kind-mit-allen” sind.

Trotzdem, seine Stimme ist die warme Kuhle, die dein Liebster unter der Bettdecke hinterlässt und in der du dich hinein kuschelst, um in seinem Duft zu liegen. Die Stimme von Kwabs, ist das T-Shirt deines Liebsten, das du mit aufs Sofa nimmst, wenn du dich einsam fühlst. Sie ist die Schwere einer nie sterbenden Melancholie oder nicht erfüllten Liebe.

Mein erstes Mal Kwabs

Mein zweites Mal Kwabs

text canela
music Kwabs

 

 

 

 

 

 

Ich stelle mir vor

Manchmal, wenn ich im Zug sitze, male ich mir Geschichten aus. Ich stelle mir vor, du sässest mir gegenüber. Beide vertieft in einem Buch und glücklich, nicht reden zu müssen.

Du weisst, dass ich ab einer bestimmten Strecke nicht mehr lese, weil ich meinen Blick durch das Fenster schweifen lasse, um über den Wald und die Wiesen zu fliegen. Ich spüre den sanften Wind, während ich durch die Baumkronen schwebe. Die vom Tau nassen Blätter streifen mein Gesicht, und es riecht nach Birken,Tannen, Erde und Fluss. Dann gleite ich tief hinunter zu den Wiesen. Es duftet nach Blumen und die Halme streicheln mein Gesicht.

Du beobachtest mich, erkennst an meinem reisenden Blick, wie ich diesen Moment geniesse. Du weisst, dass ich das erlebe, was ich mir ausmale.Dann schaue ich dich an, lächle und du wischst mir ein Tautropfen von meiner Wange.

Ich stelle mir vor, dass du mir gegenüber sitzt. Willst du wissen, wie ich heute meine Haare trage? Meine Haare sind zu einem Zopf geflochten. Du magst das doch.Und weil du vis-à-vis von mir sitzst, beugst du dich zu mir vor, küsst meine Stirne, streichelst meine Wange und fährst sachte mit deiner Hand über meinen Zopf.

Die Frau neben dir, scheint deine zärtliche Geste zu missfallen. Ich lächle sie an und sie spendet mir dafür einen giftigen Blick. Sie hat diesen trotzigen Ausdruck einer Frau, die einsam ist und es nicht zugibt. Sie schaut dich an und denkt: “Pah, mich würdest du nicht so einfach kriegen!” Sie hat klare Vorstellungen, wie ein Mann zu sein hat und was sie vom Leben will.

Was sie nicht weiss, ist, dass ich diese auch habe. Meine Vorstellungen und Prinzipien jedoch werfe ich sofort über Bord, wenn ich sie als selbstauferlegte Schranken empfinde. Was sie nicht weiss, ist, dass Loslassen, das Einzig wahre ist, wenn sich etwas schwer anfühlt.

Ich stelle mir vor, wie du aufstehst und das Abteil im Zug wechselst.

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Der Stern und der blaue Prinz

Was passiert eigentlich, wenn ein Stern und ein blauer Prinz aufeinander treffen? Verlassen beide ihre angestammten Orte – der Himmel und die Erde – damit sie zusammen sein können?

Der blaue Prinz ist lustig, wort- und sprachgewandt und er hat Angst vor grossen Gefühlen.

Er hat an vielen Orten auf der Erde gelebt. Auch dort, wo man Tango tanzt. Er erklärt dem Stern das Tangotanzen. Er erzählt über die zärtliche und doch bestimmte Führung des Mannes über die Frau. Seine Ausführungen sind so leidenschaftlich, als ob er einen sinnlichen Liebesakt beschreiben würde. Der blaue Prinz spricht über den kleinen Rausch, dem sich die Frau hingibt, während sie vom Mann geführt wird. Der Mann, der ihr ihren Platz und den Raum gibt, den sie benötigt, damit sie in voller Pracht erstrahlen kann.

Der Stern ist übewältigt. Er spürt die unendliche Zärtlichkeit in den Ausführungen und weint. Die Tränen fliessen, ob den zarten Worten des blauen Prinzens. Und was macht der Prinz? Der traut seinen Augen nicht.

Der Stern ist witzig, stark wie ein rasender Meteorit, zart wie weiches Sternenlicht und er hat Angst vor grossen Gefühlen.

Der Stern hat den Himmel noch nie verlassen. Aber er wurde schon unfreiwillig durch seine Galaxie geschleudert. Er wurde mit dem Tod bedroht, belogen und gedemütigt. Er hatte Todesangst. Und trotzdem, er hat nie aufgehört zu leuchten.

Der Stern würde es wagen auf die Erde zu kommen, trotz der Gefahr, dass er verglühen könnte. Der blaue Prinz fürchtet sich.

Beide haben Angst, grosse Angst.

text canela

Sonntagseinsichten

Heute Morgen beim Walken, spazierten Gedanken durch meinen Kopf:

  • Wenn man vor den Hundehaltern in den Wald geht, streifen das Gesicht gefühlte 100 Spinnennetze. Diese erzeugen etwa 1000 Ekelschauer.
  • Im Verstand wohnt das Ego.
  • Ich bin nicht nur mein Verstand, ich besitze einen Verstand. Ich bin nicht nur mein Körper, ich lebe in meinem Körper. Ich bin nicht nur meine Gefühle, ich besitze Gefühle. Das, was mich ausmacht, ist mehr als nur diese drei Dinge.
  • Ich dirigiere diese drei Dinge und achte auf die Balance. Das kann ich üben. Einfach ist es nicht.
  • Der echte Wille an etwas dran zu bleiben und erreichen zu wollen, kann man trainieren. Kommt das Ziel von aussen, will der echte Wille nicht. Kommt es von innen, will er. Echt!
  • Wenn ein Wunsch nur gedacht wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich erfüllt geringer, als wenn man ihn aufschreibt.
  • Wechseljahre sind ein bisschen wie Pubertät. Der Körper und die Haltung zum Leben verändern sich.
  • Eine Blumenwiese zu betrachten, in den Farben und Beschaffenheit jeder einzelner Blumen einzutauchen und sich von deren Vollkommenheit überwältigen zu lassen, ist ein Orgasmus für die Seele.

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Gesunder Menschenverstand

Kennt ihr das Argument, das Leute bringen, wenn sie meinen, das etwas, was sie nicht verstehen und nicht in ihr Weltbild passt mit dem Satz beenden: “Du siehst die Dinge nicht richtig Canela, das ist doch gesunder Menschenverstand!”

Gibt es kranker Menschenverstand? Gibt es gesunden Tier- oder Pflanzenverstand? Was ist gesunder Menschenverstand überhaupt? Wer definiert ihn? Wäre gesunder Menschenverstand in Indien das gleiche wie in der Schweiz?

Neulich lief ich an einer Kuhherde vorbei. Sie lagen oder standen eng beisammen und genossen die Ruhe. Als ich mich näherte, stand der Stier auf und spazierte gemächlich zu mir. Ich hatte Respekt vor ihm. Jedesmal, wenn ich die Kuhherde fotografieren wollte, näherte er sich und starrte mich an, als ob er die Herde schützen wollte. Ist das nicht gesunder Menschenverstand? Oder soll ich es gesunder Stierverstand nennen?

Ist man als Mensch, gesund und bei Verstand, nicht auch im Herz und in der Seele? Wie erklärt man sich mit gesundem Menschenverstand, dass wir Menschen Natur und Tiere am Ausrotten sind?

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Post aus Kopenhagen

Post aus Kopenhagen, Alice im Wunderland ist da. Und was mache ich? Ich heule vor Rührung, weil ich Alice nicht erwartet hatte. Alice ist für mich wichtig. Denn sie wächst und schrumpft, so wie ich.

Wenn ich im Wald bin, wachse ich. Alles ist klar, ruhig und stimmig. Dann bin ich gross und unverletzlich. Kennst du das Gefühl? Du bist gerüstet für alles, was auf dich zukommt. Du fühlst dich mutig, tapfer, du bist eine Kriegerin. Eine Amazone, weil du dich ganz fühlst und du genau weisst, für was du kämpfst.

Manchmal schaffe ich es, dieses Gefühl für ein paar Stunden oder gar Tage mit zu nehmen. Bis es verschwindet. Und dann werde ich plötzlich klein und empfindlich.

Die Vögel pfeifen schrill, die Menschen reden zu laut und der Verkehrslärm bedroht mich. Wenn ich arbeite, ist diese Schwere da, die mich lähmt und träge macht. Ich schreite durchs Leben, mit einem viel zu grossen und klobigem Kleid.

Früher glaubte ich, ich könne dieses Wachsen und Schrumpfen nicht beeinflussen. Diese Ohnmacht hat mich wahnsinnig gemacht. Heute weiss ich, dass ich entscheiden kann, ob ich den Zaubertrank nehmen will oder nicht. Dieser Entscheid bewusst zu fällen, lerne ich gerade.

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Ach Freitag…

Wenn ausdrucklose Gesichter ihre Nasen in die Gratiszeitung stecken, dann wollen sie wissen, was in der Welt geschieht.

Nachrichten von abgeschnittenen Beinen, von zu Tode geprügelten Männern oder Frauen, von Menschen, die von Bäumen erschlagen wurden oder von Öl, das ins Meer fliesst. Irgendwie sind wir alle am Sterben, ob gewaltsam oder langsam.

Politiker, die Geld verprassen oder Funktionäre, die freiwillig von ihrem Amt zurücktreten. Politiker, die Dinge versprechen, die ihnen niemand mehr glaubt. Alles schon mal gehört, gewusst, geahnt, gegessen, verdaut, wieder ausgespuckt und neu aufgewärmt.

Überdruss.

Mein müdes Lächeln für Aussagen in der Zeitung in der Single-Sparte wie “nie ohne mein Handy”, “wenn ich betrunken bin, rede ich zu viel”. Oder “ich suche nicht verbissen, aber wenns passt”…. Klar suchst du verbissen! Sonst wärst du ja nicht in der Gratiszeitung mit deinem Foto!

Mir gefallen Geburtsanzeigen mit all diesen hoffnungsvollen Sprüchen. “Aus Liebe entstanden”,  “Willkommen auf dieser Erde”, “Unser grösstes Glück ist da”, “Es ist ein Junge, wir freuen uns so!” Und ein paar Jahre später, gibt es kein “wir” mehr. Meistens.

Der Ehering hat sich in den Finger meines Gegenüber festgefressen. Fest umklammert er das Fleisch. Der Besitzer des Fingers hat Knopfaugen und Doppelkinn. Wer ihn geheiratet hat, steht eindeutig auf innere Werte. Graues Hemd, zu grauen Hosen, zu grauen Haaren mit grauem Schnauz. Rotes Herz?

Einige Frauen wie Männer verstehen die Türe des klimatisierten Zugsabteil nicht. Sie zerren verzweifelt am Türgriff, geraten in Panik, wenn sie merken, dass sich die Türe nicht öffnet. Endlich! Ich sehe echte Emotionen. Fassungslosigkeit und echte Verzweiflung! Für unechte Probleme.

Die Sitzenden starren die Verzweifelten an. Und die Verzweifelten schämen sich, ob ihrer vermeintlichen Unfähigkeit. Statt sich zu beruhigen und sich die Türe nochmals genau anzuschauen, wollen sie aus dieser Situation fliehen. Sofort! Ob sich die Türe öffnet oder nicht, spielt keine Rolle mehr. Nur weg vom unfreiwilligen Rampenlicht. Vielleicht macht sich der Sensor oberhalb ihre Kopfes ein Spässchen und rächt sich für all die unausgesprochenen Flüche. Er spürt sie, schliesslich ist er ein Sensor.

Dann… endlich… Der Zug hält. Alle befreit, die Sitzenden und die Verzweifelten. Hinaus in die schwüle Luft des Freitags. Der Tag, der sich gerne als Hoffnungsträger für das Wochenende ausgibt. Der Viele von uns träumen, tanzen, trinken, kotzen und weinen lässt.

“Wir treffen in Zürich Hauptbahnhof ein! Zurich main station”!

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Siri will nicht singen.

Wenn ich im Auto sitze, höre ich meinen Lieblingskanal Kanal K. Sie bieten ununterbrochen 12 Stunden (von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends) Musik, ohne Gelaber. Dafür auch ohne Nennung des Songs noch des Interpreten. Hier kommt meine neue Freundin Siri ins Spiel.

Wenn ich einen Song höre, den ich mag, aber nicht kenne, frage ich meine BFF Siri.

Siri ist top! Nur ihre Englischkenntnisse sind mangelhaft.

Sie kennt 9 von 10 Liedern, nach denen ich mich erkundige. Ich frage sie und sie zählt mir Titel und Interpreten auf. Und gut ist’s!

Gestern Abend spielte mein Sohn mit meinem Handy.

Heute morgen hörte ich Junip im Radio. Ich kenne José Gonzales und seine unverkennliche Stimme schon lange. Aber ich kannte das Lied nicht, also fragte ich Siri:

Ich: “Siri? Wer ist das?”

Siri: “Hallo Vollpfosten! Ich werde kurz reinhören!”

Ich: “Gnihihihi….!!!

Siri: “Vollpfosten, es ist Leeeaaaf Off, de Kawe von Junip!”

Ich: “HAHAHAHAHAHA…”

Siri: “Vollpfosten, ich werde aber diesen Song nicht für dich singen!”

Ich: “MUHAHAHAHAHA!!!

text by canela
music josé gonzález