Fragt ein buddhistischer Mönch den Anderen

In Samsara schreibt ein alter Mönch bevor er stirbt einem jungen, ehemaligen Mönch: „Was ist besser? Sich 1000 Wünsche zu erfüllen oder auf einen einzigen zu verzichten?“

Muddha Canela sagt:“ Verzichte auf einen und erfülle dir 999!“

Und wenn man sich während dieses Filmes liebt, dann fühlt sich der Akt heilig an. Manchmal ist Erleuchtung zu finden einfacher, als gedacht. Namaste.

text: by canela
clip: samsara

Ich wünsche dir eine weisse Nacht

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine dieser Nächte, in denen alles leuchtet, obwohl die Sonne schon lange schläft.

Bekleidet nur mit einem Lächeln und mit meiner Angst stehe ich vor dir. Staunend streichelt dein Blick all meine Rundungen. Meandrieren, Wellen schlagen, in der Gischt ertrinken.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht.
Eine dieser Nächte, in denen man alles siehst, obwohl die Augen geschlossen sind.

Verbunden durch Blume und Stab, als würden wir nur durch unseren Schoss atmen. Deine Hand fest an meinem Nacken. Sie gibt meinen fliehenden Gedanken einen Halt.

Ich wünsche dir eine weisse Nacht. Denn die Dunkle kennst du schon.

text by canela
song by torun eriksen

Von Tango und Macht und Vertrauen

Ich habe ein Herz für sieben Franken gekauft!

Ist das teuer?

Ich weiss es nicht………………ich weiss es wirklich nicht.

Willst du mit mir Tango tanzen?

Du weisst, dass ich nicht Tango tanzen kann.

Du könntest es lernen, wenn du wolltest.

Ich lasse mich nicht gerne führen!

Wieso?

Weil ich mich dann fallen lassen müsste, jemand bestimmt über meinen Körper, meine Schritte, meine Kopfbewegungen. Mein Fühlen?

Was ist schlecht daran ? Wovor fürchtetest du dich?

Dass mich niemand auffängt! Und… dass ich mich selber verliere.

Wenn ich dich führe beim Tanzen, fange ich dich auf. Ich geleite deine Schritte, damit du dich nicht verlierst.

Wenn du mich führst, fühle ich mich ohnmächtig. Ohne Macht.

Ohne Macht sein ……Ist das nicht schön …………. für einmal?  Ich lenke deinen Körper und deine Schritte. Wir bilden eine Einheit.  Nur für diesen Moment.Nicht das Leben lang! Nur für einen kurzen Moment herrsche ich über dich. Und du weisst, dass ich mich um dich kümmere.  Dass deine Schritte im Einklang mit meinen sind. Lass uns mit Nähe und Distanz spielen. Ich führe dich, aber ich erdrücke dich nicht. Das nennt sich Vertrauen.

Schreib mir Geschichten.

wasser-tropfen„Ich schreibe nicht so schöne Dinge wie du“ flüsterte er ihr ins Ohr, dabei strich er mit der Hand über ihren nackten Rücken. „Das macht doch nichts.“wisperte sie und räkelte sich wie eine Katze. „Nimm mich als leeres Blatt und schreibe auf mir!“

Und mit seinen Fingern und Zunge als Schreibfeder begann er Geschichten zu schreiben. Auf ihren Rücken, ihren Schenkel, in ihren Schoss, auf ihre Brüste und in ihrem Mund.

Von Fischen, die er angelte und sie nach dem Fangen wieder zurück in die See liess. Von Booten, die nach der Ebbe nicht mehr ins Meer zurück konnten, bis sie die Flut wieder ins Meer riss. Vom eckigen Stein, der von den Wellen aufgefressen wurde, um geschliffen und rund an den Strand gespuckt zu werden. Vom Wassertropfen, der einsam war und sich ins Wasser warf  und sich auflöste.

Einen Tintenklecks hinterliess er in ihrem Herzen als er ging. Wenn man genau hinschaut, sieht man noch den kleinen Flecken.

text by canela
pic by farblos

Come closer.

Tanz mit mir! Komm näher! forderte er sie auf. Und seine Hände legten sich auf ihren Hintern.

Ihr Gesicht ruhte in seiner Halsbeuge. Ihr Atem drang durch die Haut in seinen Hals, hinunter zum Magen. Dann hielt er kurz inne und schwebte dann in sein Herz. Es pochte schneller.

Am Morgen betrachtete sie sich nackt im Spiegel und sah, dass er ihr seinen Blick hinterlassen hatte.  So sah er sie also. Sie war schön.

text by canela
music by hird – come closer

Lass uns fliehen.

„Komm, lass uns fliehen!“ sagt er. „Ich will nach Venedig! Ich war noch nie in dieser Stadt“.

„Es ist schön dort,“ sagt sie und purzelt in das Grün seiner Augen.

Er fängt sie auf, wiegt sie wie ein kleines Kind. Leise hin und her.  Darauf drückt er sein Gesicht sachte an ihre Wange.  Seine Lippen berühren ihr Ohr und er flüstert: „Wir sitzen in den Zug und reisen durch die Nacht.“

Und der Satz sickert durch ihre Haut.

Ein Schauer.

Sie schliesst die Augen.

Mit seinen Fingerkuppen ertastet er ihre Antwort.

Er lächelt.

text by canela
music by sophie hunger, walzer für niemand

Nicht aufwachen!

Ich wusste nicht wie ich es ihm hätte offenbaren können. Ich hatte es verlernt, das zu sagen, was ich wollte. Doch er verstand meine Augen. Und schon schlug mein Rücken an die Wand auf. Wirbel um Wirbel klebte an der rauhen Mauer und die Haut brannte. Atemzug um Atemzug. Ich ertrank und er gab mir den Stoss. Ich ergab mich…

….und wachte auf.

by canela

Nimm Sie, verschling Sie!

„Nimm sie, nimm sie, verschling‘ sie! Und vor allen Dingen, lass dich von ihr verschlingen!“ das war die Vorstellung, die mich beherrschte, als ich sie das erste Mal sah. Darum bestellte ich unaufgefordert einen Whiskey für beide. Dass sie mich nicht wahrnahm, stellte ich erst fest, als sie mich verwundert ansah.

Ihr Blick glänzte, nicht nur vom Alkohol. Was für ein braun! Ihre Augen waren wie Erde, auf die es frisch geregnet hatte. Wie gerne hätte ich ihr diesen saftigen Ackerboden aus den Augen geholt und es zwischen meinen Händen verrieben. “Danke für den Whiskey! Das soll aber nicht wieder vorkommen!” war ihre Antwort. Sie hatte recht und ich erwiderte: “Wird es auch nicht. Ich bin hier um Frauen zu vergessen und nicht, um Neue kennen zu lernen.” Auch ich hatte Recht. Als ich ihr Feuer gab und sie an der Zigarette zog, sah ich ihre Augen im Schein schimmern. Ich entdeckte ein bisschen Honig auf ihrem Boden. Sie hatte braungoldige Augen.

Ab diesem Zeitpunkt war ich zuerst jeden Tag dort. Danach fand ich heraus, dass sie nur alle zwei Tage dort war. Ich wollte eigentlich vergessen, wohl wie sie. Aber sie war eine Art Erinnerung. Der Nachgeschmack, den ich habe, wenn ich gut esse oder wenn ich eine Frau glücklich gemacht hatte.

Seit dem ersten Gespräch fiel kein Wort mehr zwischen uns und das gefiel mir. Einfach ruhig sitzen, Musik hören und trinken. Bis auf diesen Abend. „Ich habe meiner Tochter nie eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt“ sagte ich zu ihr plötzlich. Sie starrte mich wieder an, wie sie es am ersten Abend getan hatte.

„Das soll vorkommen bei Männern.“ meinte sie trocken. „Ja, aber mir tut es leid!“ erwiderte ich trotzig. „Ja auch Reue soll bei gewissen Männern eintreten.“ war ihre eisige Antwort. „Dafür habe ich habe ich sie gestern angerufen und habe ihr über das Telefon eine Gute-Nacht-Geschichte vom Häschen erzählt, dass nicht alleine schlafen wollte.“ Ihre Augen blitzten kurz auf. „Ein ganzes Märchen übers Telefon? Da wird sie sich sicher gefreut haben, ihre Tochter.“ meinte sie. Ich nickte.

Sie drehte sich zu mir, so dass sie mir gegenüber sass. „Wie alt ist ihre Tochter?“ fragte sie plötzlich sanft. „38 Jahre!“ antwortete ich. Sie riss ihre Augen auf und lachte schallend heraus.  Ich grinste. „Und wissen sie was das Beste ist?“ Sie schüttelte den Kopf immer noch lachend. „Sie war gar nicht zuhause also habe ich ihr den ganzen Anrufbeantworter voll geredet. “ Ihr Kopf schnellte kurz nach hinten und sie fuhr sich durch ihre braunen Locken. Ihr Busen zitterte, wie ein leichtes Erdbeben. Sie lachte schön.

Ich glaube, sie mochte mich ein bisschen.

by canela

Griechischer Yoghurt

Ich habe meine erste und letzte Zigarette von heute in einen leeren Yoghurtbecher gleiten lassen und zischend hat sich ihr Geist in Rauch aufgelöst. Dazu singt José James mit seiner tiefen, samtigen Stimme. Er ist wie Honig dieser José, zumindest seine Stimme.

Wenn man griechischen Yoghurt mit Honig und Rahm geniesst, dann ist es das gleiche, wie man Herrn James zuhören würde. Man presst die Zunge langsam an den Gaumen und denkt: Oh Gott ist das köstlich! So einen Yoghurt muss man bedächtig essen. Nur so entfaltet er seinen ganzen Geschmack.

Das ist wie Liebesworte ins Ohr flüstern, bei denen man merkt, wie der andere nicht nur wegen den Worten sich an dich schmiegt sondern wegen dem zarten Hauch am Ohr. Mein Sohn nennt flüstern „das Ohrloch spüren“.

by canela

Nightmares on Wax

In ein paar unachtsamen Minuten verliere ich meine Beherrschung. Alpträume in Wachs. Weich und formbar.

Ich weine wie ein Schlosshund vor C. Alle meine Kraft verlässt mein Körper, er wird schlaff und sackt zusammen. Ich bin müde, ich kann nicht alles auf meinen Schultern tragen. Und dann kommt sie, umarmt mich und sagt mir Wörter, die ich schon vergessen habe. Aber sie waren voller Zuversicht und Wärme.

Dann atme ich tief durch. Und ich rieche sie. Wir kennen uns seit ich 17 bin. In ein paar Jahren sind es 30 Jahre. Und dann kommt dieses Stück. Und alles wird leicht. Noch ein Glas Wein, noch eine Zigarette, noch ein paar Seufzer für die Liebe, die so einfach ist und von so vielen Dingen im Leben torpetiert wird.

Immer ist jetzt, die Ewigkeit ist heute.

Ich wünschte, er wäre hier.

by canela