In Shanghai ist es Morgen

und wahrscheinlich schläft er noch. Bald wird er aufstehen, einen Toast essen mit Tee oder Kaffee. Er wird sich auf einen Platz mit vielen Bäumen und grünem Rasen begeben, wo sich Chinesen zum Tai Chi treffen. Im Schatten eines Baumes stehend, bedächtig, fast ehrfürchtig, wird er die Bewegungen dieser Menschen verfolgen und es ihnen gleich tun.

Dann wird er zurück ins Hotel gehen, duschen und sich für einen langen Arbeitstag vorbereiten. Er wird viel reden, organisieren, Kopf nicken und lächeln. Seine Übersetzerin als ständiger Schatten und wichtige Begleiterin.

Abends wird er sich mit seiner alten Freundin, der Schriftstellerin, in den kleinen, versteckten Quartieren herumtreiben, essen und trinken. Vielleicht viel trinken. Bei ihr zuhause angelangt, werden sie das Döschen öffnen, das Pulver hervorholen und alle Sinne wecken und tanzen lassen.

Das Rot wird röter, das Blau noch tiefer und der Geschmack ihrer Scham, wird ihm wie Honig vorkommen. Gierig lecken, beissen, mit den Händen zupacken. Geniessen wie sie stöhnt, wie ihre Haut diesen leichten Film Schweiss bildet. Salz, Jasmin und Erde werden ihm in den Sinn kommen.

Riechen, staunen, schmecken. Er wird seiner Begierde freien Lauf lassen. Er gönnt sich der bewusste Verlust seiner Fassung. Und kontrolliert sie, indem er ihren zarten schlanken Hals mit seiner Hand umfasst, wohl wissend, wenn er zu drückte, sie sterben könnte. Er geniesst die Macht über sie. Und wird ob ihrer Hingabe so weich, zärtlich, fast verwundbar. Und seine Stösse in ihren Unterleib, werden sanfter, als wolle er sie von innen streicheln und sich selber nicht verletzen.

Morgens, oder wohl eher nachmittags, nach seinem Toast und Tee, wird er in den kleinen Laden gehen mit den Stoffen und Kleidern. Und den vielen Gerüchen. Er wird mir ein rotes Kleidchen kaufen, das mit dem Maokragen und sich vorstellen, wie hübsch ich darin aussehen werde. Während er den Stoff fühlt, wird er sich meinen Körper darunter vorstellen. Und das erregt ihn, obwohl er immer noch satt von den Erlebnissen ist, die er die letzte Nacht geniessen durfte. Dinge, die er tat, die ich nie tun würde, oder doch?

Und er wird glauben, dass ich seine Dämonen fürchte. Doch er weiss nicht um meine.

by canela

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11 Gedanken zu “In Shanghai ist es Morgen

  1. eigentlich muss ich es dir gar nicht sagen, aber ich tu’s trotzdem: in meinen Augen ein weiterer brillanter Text, der Gefühle Und Fragen auslöst! 🙂

    1. oh du! DAS musst du immer wieder sagen, wenn es so für dich ist. denn dann weiss ich, dass ich etwas auslöse. und nicht nur bei mir!

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