Gugus Gurte – Cypress Hill auf dem Gurtenfestival

Gestern fiel die Bergbahn aus, die auf den Gurten fuhr. Also keuchten wir den Berg im Schneckentempo hinauf, während die Jungen an uns wie Zicklein vorbei hüpften. Schottische Hochlandrinder schüttelten verständnislos ihren Kopf, als sie uns, die Gurtenfestival-Pilgerer, sahen.

Dann dieses fucking geile Hammerkonzert der Cypress Hill! Wir wurden sogleich “insane in the brain”. OH MEIN GOTT! (Darf man überhaupt Gott erwähnen, wenn man viele Fluchwörter gehört und lauthals “fuck you” mitgebrüllt hat?)

Sogar der Rapper von House of Pain war da und liess uns jumpen. Und einer der Cypress Hill Rapper (der mit der näselnden Stimme) rauchte eine Sportzigi auf der Bühne (Uiuiuiui dörf de daaas?)

Fazit: Muskelkater und mindestens um gefühlte zehn Jahre gealtert! Schiss druf!
Prädikat: Saugeilischsgsi!

text and pics by canela
song by cypress hill ft. house of pain

Ich danke dir.

Ich danke dir für all das, was du mich gelehrt hast.

Für jedes beleidigende und verletzende Wort mir gegenüber. Für jede furchtbare Unterstellung. Für jede Grenzüberschreitung. Für jeden Manipulationsversuch und jeden emotionalen Erpressungsversuch. Ich danke dir, für jede einzelne wütende und bösartige Nachricht, die du mir geschrieben hast, die nur deine eigene Befindlichkeit widerspiegelt. Für jedes NEIN, das ich gegenüber dir zum Ausdruck geben musste.

Dank dir meditierte ich. Dank dir, finde ich immer mehr zu meinem Inneren. Verstehe ich andere Menschen besser. Fühle ich genauer, was ich will oder eben nicht. Dank dir weiss ich, dass Angst oft im Kopf entsteht. Dass Groll, nur dich selber vergiftet. Dass sich nicht wehren zu müssen, innerer Frieden schafft. Dank dir, lebe ich mehr im Jetzt und weniger in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Denn dank dir, erkenne ich mich selber. Es gefällt mir, was ich sehe. Ich danke dir für jeden einzelnen Pfeil, den du aus dem Köcher genommen und auf mich geschossen hast. Danke!

text by canela
music by alt j

Müssen wir uns wirklich dem System unterwerfen?

Am Wochenende feierten wir in der Kita meines Sohnes die Sommersonnenwende. Ich sass neben einer zugezogenen Genferin, deren Tochter oft zusammen mit meinem Sohn spielt. Wir besitzen nicht nur diese Gemeinsamkeit, sondern waren die einzigen Mütter – die einzigen Erwachsenen überhaupt – die rauchten und Wein tranken. Pseudorebellinnen zu spielen, macht kindischen Spass.

Die Kita meines Sohnes, die auch einen Kindergarten beinhaltet, wird nach der Philosophie von Maria Montessori geführt. Die Genferin und ich waren uns einig; unsere Kids hatten viel Spass und Freude, als sie den Kindergarten besuchten. Ihre Neugierde wurde gestillt, ihre Talente und Begabungen gefördert. Dann kam die 1. Klasse im normalen Schulsystem. Seither klagen unsere Kinder oft über Langeweile und Frust. Sie erzählte mir: “Meine Tochter wurde so trotzig, dass sie Dinge plötzlich nicht mehr konnte, die sie schon lange wusste.”

An dieser Feier sprach ich auch mit einem Vater, dessen 6-jähriger Sohn ein süsses, vorwitziges und kluges Kerlchen ist. Als ich diesen Mann fragte, wie es wohl seinem Kleinen ergehen werde, wenn er in den Regelunterricht käme, meinte er nur, sein Sohn müsse ja irgendwann “auf die Welt kommen”. Er müsse lernen, sich anzupassen.

Müssen sich unsere Kinder an das System anpassen? Was ist das für ein verkacktes Schulsystem, die aus unseren neugierigen, lauten und glücklichen Kindern, gelangweilte, angepasste, frustrierte Faust-im-Sack-Macher produziert? Sollte nicht das System UNS dienen und nicht umgekehrt? (Das ist keine rhetorische Frage.)

Als ich zu Beginn ins Gymnasium ging, war ich voller freudiger, naiver Erwartung. Ich hatte den Typus Neusprachen gewählt, weil ich Sprachen und Literatur über alles liebte. Ich glaubte tatsächlich, ich würde in Wörtern, Sätzen und vielen, vielen Bücher eintauchen und die Welt um mich vergessen. Ein fataler Trugschluss. Ein halbes Jahre später war die blauäugige Hoffnung tot und dunkler Frust machte sich breit wie ein Krebsgeschwür.

Jahrelang kämpfte ich mit Ungeheuern und  Monstern bestehend aus Formeln und Zahlen: Mathematik, Physik und Chemie. Ich war grottenschlecht in diesen Fächern, weil sie mich nicht interessierten. Darum musste ich viel Zeit investieren in Dinge, die mir am Arsch vorbei gingen. Das, was ich liebte - Sprachen – liefen nebenher und verlor an Bedeutung.

So erfuhr ich, dass das, was mich glücklich macht, keine Priorität haben darf. Und dass das, was man tun muss oder von einem erwartet wird, Vorrang hat. Ich fügte mich in das grosse Uhrwerk des Schulsystems und später passte ich mich an die Anforderungen der Arbeitswelt an. Das grosse Unbehagen wuchs und meine Abneigung gegen “etwas-was-sich-nicht-richtig-anfühlt” wuchs. Ich wusste aber nie, wohin mit diesem Gefühl.

Mit diesem Unbehagen lebe ich heute noch. Jahrelange Muster zu verändern, ist ein zäher Prozess. Ich ertappe mich immer wieder beim Dinge tun, die mich unglücklich machen. Danach bin ich zu müde, um mir Gutes zu tun.

Nun stellt sich mir die Frage: Soll mein Sohn mein Unbehagen erben? (Das ist eine rhetorische Frage, weil ich alles tun werde, um DAS zu verhindern).

text by canela

 

 

Warst du schon am Mondsuchtfestival?

Fast hätten wir ihn verpasst, den Mond, aber gegen Mitternacht lichteten sich die Wolken und er winkte uns zu.

Das Mondsuchtfestival findet auf einer kleinen Ebene mitten im Wald in Bubendorf /BL statt . Das besondere ist, dass dort kein Strom eingesetzt wird. So spazierten wir durch den Platz erleuchtet durch Fackeln, Finnenkerzen und Feuerstellen. Auf den verschiedenen Bühnen und in den Zelten gaben Petrollampen oder Kerzenkronleuchter das nötige Licht.

Wunderbare Jazzer, Gipsy Singers, Südamerikaner und sonstige Musiker mit Sitars, Bongos, Djembes, Didgeridoos gaben sich ein Stelldichein. Ein Trio bestehend aus einem Alphorn und zwei tibetische Hörnern (Dungchen) liessen uns staunen.

Ich sah: Junge Väter mit sabbernden Kleinkindern, die glückselig an einem Löffel kauten. Mütter mit Babys in Tragetüchern, ganze Familien am Zelten. Es gab: Mondbier, Kaffee mit Kurkuma, Crepes und indisches Essen. Wir waren im Hippie-Himmel!

Mir hat dieses Festival der anderen und vor allem der ruhigen Art sehr gefallen. Mondsuchtfestival, ich komme nächstes Jahr wieder.

text and pics by canela

 

 

Ist dein Spiegelbild deine Realität?

Ich hatte drei Monate lang keine Möglichkeit, mich ganz im Spiegel zu sehen. Ihr wisst schon: Dieser harte, unbarmherzige Blick auf den eigenen Körper. Der Scanner-Blick, der jede vermeintliche Unvollkommenheit erfasst.

Ich hatte keine Waage. Kein gesenkter, prüfender Blick auf eine Zahl, die mir meinen Tagesstart hätte vermiesen können. Meine Hosen waren die einzigen Gradmesser für mein Gewicht. Sie passten und ich fühlte mich wohl in mir selber.

Ich fand meinen Körper gut wie er ist. Es gab ja keine Prüfinstanz “Augen-Verstand-Urteil”. Dieser labbernde Kopf gefüllt mit Bildern, der meine Wahrnehmung in Bezug auf meinen Körper beeinflusst.

Was ist Realität? Eine Frage, die mich wieder seit Monaten beschäftigt.

Ich meditiere seit einiger Zeit. Die Meditation hat begonnen, meinen Blick auf die Welt zu verändern. Nur noch nicht auf mein Äusseres. Denn ich falle immer wieder auf das rein, was ich sehe, welches mit mir, meinem tiefsten Inneren, mit meinem ursprünglichen Wesen, überhaupt nichts zu tun hat.

Ich hatte vor vielen Jahren eine schöne Erfahrung. Ich verbrachte eine Nacht mit einem tollen Menschen. Am Morgen danach betrachtete ich mich im Spiegel und ich fand mich wunderschön. Ich fühlte mich pudelwohl in mir. Alles war weg, was mich an mir  selber einen Tag zuvor störte. Seither fühle ich (ich schreibe bewusst “fühle” und nicht “weiss”), dass das Spiegelbild nicht die absolute Wahrheit ist.

Manchmal verliere ich dieser wohlwollende Blick auf mich. Mein Verstand kreiert ein Problem, das keines ist. Mein Verstand schafft eine Realität, die nicht existiert – zumindest für meiner Seele nicht. Dieses Missverhältnis zwischen Verstand und Seele macht mich wütend.

Heute Morgen habe ich dieses Video gesehen. Ein Versuch, der Männern und Frauen zeigt, dass sie viel schöner sind, als sie sich selber wahrnehmen. Doch wie viel von dieser wunderbaren Einsicht werden sie in ihren Alltag mitnehmen?

text by canela

“Immer wenn ich traurig bin,

verändere ich meine Sicht auf die Welt und mache mir sie schöner, ” antwortete ich, als er fragte, wieso ich meine Bilder bearbeiten würde.

Sie entsprächen nicht der Realität, behauptete er. “Wessen Realität meinst du? Meine Augen sehen die Landschaft so, wie auf diesem Bild.” erwiderte ich erstaunt. Was ist schon Realität und wieso wissen andere Menschen, was ich sehe und empfinde, wenn ich etwas betrachte?

Kontemplation ist, wenn man die Natur betrachtet, ohne sie mit dem Kopf erklären zu wollen. Meine Umgebung ist da und ich bin ein Teil davon. Sie nimmt mich in die Arme und tröstet mich. Das sind Momente, in denen sich die Melancholie zum Schlafen niederlegt, zusammengerollt wie eine Katze.

Von weitem hört man den Wasserfall rauschen und die Grillen scheinen ein Orchester gebildet zu haben. Dazwischen der helle Klang der Kuhglocken der weidenden Kühe. Schlüsselblumen wiegen ihren Kopf zum Takt des Windes.

Am Seeufer versuchen gleichzeitig drei Froschmännchen verzweifelt, auf den Rücken eines Weibchens zu gelangen, während winzige Fische aus dem Wasser springen und sich Mücken schnappen. Der eine stirbt, die anderen wollen Leben zeugen.

Schroffe Felswände mit tiefen Kerben sehen wie die Haut eines alten Menschen aus. Das Wetter ist für den Felsen, was für Menschen ihre Lebensgeschichte ist. Sie hinterlässt Spuren.

Schnee klammert sich noch vereinzelt an den Hängen. Doch das Grün wird siegen, zumindest bis zum nächsten Schneefall.

Die Wolken scheinen kurz stehen zu bleiben, zerfliessen dann zu weissem Dunst, der sich wieder zu einer Wolke aufbaut. Ich bin ergriffen vor Ehrfurcht, ob soviel Schönheit, dass ich weine.

“Was weisst du schon von meiner Realität! Ich habe einer Wolke noch nie gesagt, ihre Form sei nicht richtig”.

IMG_0855text and pic by canela

 

 

 

 

 

 

 

9 ist das neue 18

“Weisst du Mama, 9  ist das neue 18″, hast du gestern behauptet, während wir gemeinsam versuchten dein Fahrrad aus meinem Auto zu holen. Ich lachte laut. Ich liebe deine Unverdorbenheit und ich liebe dich, seit du aus meinem Bauch geschlüpft bist.

Eine Geburt ist ein Blind Date, das mit Liebe auf den ersten Blick anfängt. O.k. manchmal auf den zweiten. Denn oft müssen sich zu Beginn die kleinen  Schrumpelmäuse entfalten, bevor sie zu prallen Vanilleeiskugeln werden, in die man am liebsten hineinbeissen möchte. Du warst ein Mischung aus beidem; ich hätte die fressen können!

Nun ist dein Daumen so gross wie meiner und es fehlen zwei Schuhgrössen, dann kannst du meine Turnschuhe tragen (die Silbernen, die dir so gefallen). Letzteres bereitet mir Unbehagen. Ich will meine Schuhe nicht teilen, würde aber gerne deine T-Shirts tragen. Was du wiederum nicht cool finden würdest.

Wir streiten über Politik: Du warst gegen die 1:12 Initiative (ich war dafür),  aber für den Mindestlohn (wie ich). Du warst für den Gripen ich dagegen (was uns unzählige Diskussionen bescherte), aber du bist immer noch gegen Strom aus Atomkraftwerken. Und trotz deiner Vorliebe für Horrorfilme, bist du weiterhin der warme Kuschelbär, der am liebsten mit Water – der Waschbär – oder Rudolf – die  Schildkröte – und mir in meinem Bett schläft.

Im Moment stehst du auf Gangsterrap und schaust dir am liebsten Videos an, die mit Untertitel versehen sind, damit du mitrappen kannst.  Deine Liebe für Wörter ist ungebrochen. So wie dein Redeschwall, der mich manchmal zum Wahnsinn treibt. Deine Reims, die du auf meinem Computer schreibst, finde ich zu martialisch. Wiederum machst du Fotos von mir und dekorierst sie mit Herzchen und Liebessschwüren. Natürlich mit Hashtag versehen vor “ENDLESSLOVE”. Du bist halt ein digitaler Eingeborener.

Du findest es blöd, wenn dich deine Mutter vor deinen Freunden knuddelt.

Er: Mama, ich bitte dich, nicht auf jugendlich zu machen, wenn heute mein Kollege kommt. 
Ich: Waaas “auf jugendlich machen”? (Mein Sohn spinnt doch, ich bin doch noch jung, keine 50!). 
Er: Und knutsch mich ja nicht ab vor ihm!
Ich: Und wenn ich ihn mitabknutsche? (höhöhö)
Er: MAMAAAA!!!!!”*ç%&/()

Und dein Interesse für Krieg, Kämpfen und Waffen geht mir auch auf den Sack. Ein Jungensdings, das ich nicht verstehe.

Er: Mama, wann begann der 2. Weltkrieg? 1942?
Ich: Nein, ich glaube es war 1939…Aber Krieg ist Scheisse!
Er: Er hatte was Gutes, man hat Autobahnen gebaut.
Ich: Krieg ist Scheisse!
Er: Und dank dem Krieg hat man die Entwicklung von Flugzeugen vorangetrieben.
Ich: Krieg ist Scheisse!
Er: Wieso darfst du so oft Scheisse sagen und ich muss mir überlegen, wann ich dieses Wort sagen kann?
Ich: Weil Krieg Scheisse ist?

Mittlerweile willst du Staatsanwalt und Bienenzüchter werden. Polizist zu sein, ist für dich keine Option mehr. Vielleicht hat Tom Waits doch etwas bewirkt.

Ich freue mich auf weitere 90 Jahre mit dir, mein Kleinergrosser. Jetzt würdest du sagen: “Mama, du wirst sicher 100 Jahre alt, aber übertreibe nicht!”

by canela