Starkart Zürich

Gestern war ich in der Starkart in Zürich. Ich mag diese Galerie sehr und bin ab und zu dort. Sie zeigt Werke von Künstlern, die man, wenn man Glück hat, irgendwo auf einer Wand in einer Stadt dieser Welt sieht.  Hach, wenn ich nur genügend Geld hätte…..

Das besondere an der letzten Ausstellung war, dass man seine eigenen T-Shirt streetartmässig besprayen durfte. Nun haben mein Kleiner und ich unsere eigenen Banksy-T-Shirts.

 

 

 

 

Basler Fasnacht 2014 – Morgestraich – vorwärts Marsch!

Ich war das erste Mal mittendrin, als nur dabei. Ich durfte in einer Pfeifer- und Tambourenclique mitmarschieren. Die Clique bestand aus einem wilden, anarchischen, freundlichen Haufen von Fasnachtsliebhabern – Damen wie Herren – (bis über 80-jährige!).

Um 4 Uhr morgens ging es dann los. Morgestraich – vorwärts Marsch! Da die Morgestraichler keine einheitlichen Kostüme tragen, wird es auch Charivari genannt (Scharivari, jä jä)! Ich trug ein typisches Kostüm: Plätzli Pajass. Dieser Ausdruck hatte ich bisher noch nie gehört.

Korrupptus interruptus

Die, wo in de Chefetage sitze
sinn vom Ysbärg nume d’Spitze

Als Vortrab (auch diese Bezeichnung war mir gänzlich unbekannt) also Menschen, die weder Piccolo spielen noch trommeln, hätte ich den Weg frei machen sollen für die wirklich wichtigen Personen. Doch ich war durch die Larve (Maske) und dem entsprechend eingeengten Blickfeld so desorientiert, dass ich mich Händchen haltend an einer anderen Vortraberin anschliessen musste. Dann kam der Laternenträger und anschliessend die Musizierenden.

Und immer wieder wurde in den Beizen eingekehrt.  Es gab Mehlsuppe und Waggis (Schweppes mit Weisswein) und Fastenwähe ein bretzelartiges Hefegebäck mit Kümmel bestreut. Mhhh schlabbermampfi!

text and pics by canela.

Der ehrliche Popel

Was für ein künstlicher Aufruhr! Während er fast ein bisschen hysterisch aber bestimmt, mir durchs Telefon mitteilt, ich solle sofort das E-Mail zurückziehen, ich könne doch nicht den obersten Chef ins “CC.” stecken, bohre ich genüsslich in der Nase. Der Popel ist grün. Es ist ein ehrlicher Popel. Er behauptet nicht, etwas anderes zu sein.

Ich wünschte, ich würde mehr mit ehrlichen, grünen Popeln zusammen arbeiten. Aufrechte, pummelige, gummige Popel, die authentisch sind. Popel, die nicht sagen, sie seien Ohrenschmalz oder ein Bauchnabelflusel. Oder die sich  zu Haarschuppen ernennen. Man stelle sich vor, ein Popel als Haarschuppe?! “Hallo, ich bin auch eine Haarschuppe und ab jetzt bin ich euer Chef!” Und die weissen Haarschuppen würden sich wortlos anschauen und denken: “Was will dieser fette, grüne Popel? Will er uns verarschen?”

Ich antworte dem hysterischen Anrufer, der oberste Chef sei im “CC.” weil es  darum ginge, dass er informiert sei und nicht weil er der direkte Empfänger der Nachricht sei. Da kontert er konsterniert: “Du weisst doch, dass der Chef sich schnell beleidigt fühlt, wenn er nicht seiner Position entsprechend gewürdigt wird?!” Ein “CC.” rüttelt an der Macht eines Chefs?

Ich beschwichtige ihn und erkläre, ich werde es ausbaden, falls sich der Chef angegriffen fühlt. Und drücke den Popel in ein Taschentuch. Die letzte würdige Stätte eines ehrlichen, grünen, fetten Popel.

by canela

Der Schwan

Seit ich Mädchen war,  liebe ich Schwäne: Diese Eleganz und Ruhe, die sie ausstrahlen, wenn sie auf der Wasseroberfläche gleiten. Und die Angst, die sie einem einjagen, wenn sie fauchen und zischen.

Der Schwan ist Kontemplation. Man kann seine Schönheit nicht mit der Hand fassen (kann man schon, wenn man mutig genug ist). Er ist Futter fürs Auge mit seiner Haltung. Er ist eine Symbiose zwischen Schönheit und Respekt.

text and pics by canela

Wir sind alle Nomaden

Cat_Canela“Du riechst, wie du aussiehst,” meint Figaro nuschelnd und legt mir eine tote Maus hin. “Wie rieche ich?” frage ich den Kater und betrachte traurig die Maus. “Nach einem Punkt,” erwidert er und gähnt.

“Die Beziehung war ein endloser Satz. Ohne Interpunktionen. Wenn man keine Punkte setzen kann, nicht mal Kommas zum Luft holen, wird man von der Lawine der Worte überrollt. Satzzeichen setzen, heisst auch Grenzen setzen.” erkläre ich ihm aufgebracht, während er mit regloser Miene zuhört.

Figaro hebt mit dem Maul elegant den leblosen Körper der Maus hoch und wirft ihn in die Luft. Sogleich schlägt er mit der Tatze auf den Rumpf während des Falls. Die Maus prallt an die Wand und plumpst auf den Boden. Er stürzt sich auf ihren Kopf und beginnt ihn genüsslich zu fressen: “Knurps, knurps!” ertönt es aus seinem Maul.

“Wir sind alle Nomaden, ” sagt Figaro kauend, “und der einzige Ort, die einzige Heimat, die wir haben, ist in uns. Begreife das endlich! Du bist nicht verpflichtet mehr zu geben, als du kannst.” Lustvoll beisst er in den Bauch der Maus. “Weise Menschen, die deine Grenzen nicht respektieren, in die Schranken. Gehe auf Distanz, wenn diese unbelehrbar sind. Mache es so wie ich! Ich lasse mich nicht immer streicheln, wenn du es möchtest. ” Er leckt genüsslich das Blut am Boden ab und ich betrachte die kleinen Eingeweiden, die er noch nicht verspiesen hat.

Schmatzend fährt er fort: ” Du kannst dich nicht abgrenzen. Oft steht Angst vor Liebesverlust deiner Abgrenzung entgegen. Mach dir klar, ob es sich lohnt, deine Eigenstständigkeit zu verlieren. Mach dir klar, was du gewinnen kannst, wenn du ein klares “Nein” sagst und dabei auch bleibst! Das sollte doch nicht so schwer sein als Mensch. ” Knurps und letzten Körperteile sind weg. Dann setzt er sich vor mich hin und schaut mir in die Augen. “Übereile nichts, warte ab, lass Zeit verstreichen. Sage den anderen Zweibeinern: Hey, das ging mir zu schnell! Ich habe es mir nochmals richtig überlegt, und ich will das und das nicht!”.

Ich sehe ihm zu, wie er mit breiter Zunge seine Pfoten leckt. Bedächtig und langsam. Er nimmt sich Zeit für seine Körperpflege. Ich verstehe, dass ich mit mir geduldig sein muss. Ich habe sie schliesslich auch mit Figaro. Und ich erkenne, dass Abgrenzung mit persönlicher Wertschätzung, Erkenntnis und Akzeptanz des eigenen Wesens zu tun hat.

“Kannst du nicht dir selbst vertrauen und dir selbst treu sein?” fragt er bevor er mit einem Sprung auf dem Tisch landet.

Eine Stunde später wischte ich die gekotzten Überreste der Maus weg.

pic and text by canela