Mutter

Heute in 5 Tagen bin ich seit 13 Jahren Mutter. Hätte man mir das gesagt, als ich 35 war, hätte ich nur laut gelacht und dieser Person den Vogel gezeigt.

Ich wollte nicht Mutter werden. Zu schwer war mir die Verantwortung und zu einschneidend schien mir diese Rolle. Bis ich mit fast 40 Jahren Mutter wurde.

Die Geburt war ein Blind Date, welches für mich mit Liebe auf den ersten Blick anfing. Da hatte ich nun ein kleines Wesen, das nach Vanille und Honig roch und von mir total abhängig war. Was für eine verdammt grosse und furchterregende Aufgabe!

Das war kein Projekt, das man sorgfältig planen und nach getaner Arbeit abgeben konnte. Nein! Da war ein Teil von mir im Aussen, das so verletzlich und zart war. Da war plötzlich so viel Liebe, in der man versinken konnte. Da war das Loslassen und keine Kontrolle haben. Und da war das Wechselbad der Gefühle zwischen Zweifel und Sicherheit, das Richtige getan oder entschieden zu haben.

Ich habe meinen Sohn ins Kino geschmuggelt als er 4 war und behauptet er sei 6. War das richtig? Statt meinem Sohn das Hören von Bushido oder Kollegah zu verbieten, habe ich mit ihm unzählige Male über die Inhalte der Texte heftig diskutiert. Ich besuchte mit ihm sogar Kollegahs Konzert als er 9 war. War das richtig? Ich habe gelernt Grenzen zu setzen. Nicht. Und ich habe versucht, auf seinen Berufswunsch Einfluss zu nehmen, weil ICH mir nicht vorstellen konnte, dass man Polizist werden möchte (heute will er das auch nicht mehr, puhh….).

Jetzt ist er in der Pubertät. Wir kriegen beide Haare im Gesicht:  Er oberhalb der Lippen und ich am Kinn. Wir hören laut Musik im Auto. Er gibt mir immer noch spontan die Hand oder umarmt mich in der Öffentlichkeit. Oder er sagt mir: „Mama, du bist so peinlich. Hör auf zu nerven!“

Inmitten von diesem Meer aus Liebe, Zweifel und viel Lachen stehe ich vor der Herausforderung mich selber zu bleiben, eigene Glaubenssätze und externe Erwartungen zu prüfen. Was ist eine gute Mutter? Wie erziehe ich meinen Sohn zu einem „guten“ Menschen? Wer bestimmt überhaupt, was gut ist? Nach all diesen Jahren bin ich zum Schluss gekommen, dass nur mein Kind darüber urteilen darf.

Mutter zu sein ist schwierig und toll, weil ich ein wunderbares und genau das richtige Kind dafür habe.

by canela

 

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2 Gedanken zu “Mutter

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