Wo ist dein Herz nur hin?

Während ich mich bewusst entschieden habe, meine Verwundbarkeit und Unzulänglichkeiten zu zeigen, hast du beschlossen, noch sarkastischer zu werden. Möglicherweise wirst du behaupten, das Leben habe dich so gemacht, dass du nicht anders könnest und es sowieso nicht besser werde. Nirgends! Weder in dir noch auf der Welt.

Du gibst nicht mehr so viel von dir Preis wie früher. Ich könnte es ja gegen dich verwenden. Woher diese Angst? Dein Motto ist Kontrolle behalten und darin erstarren. Dafür springst du auf jeden Satz, den ich preisgebe und verspottest mich, weil du meine Worte dumm findest. Ich und meine Naivität entlocken dir ein müdes, arrogantes Lächeln. Dass ich dich genau beobachte, wie du auf meine losgelassenen Worte reagierst, merkst du nicht. Unsere Verbindung ist gekappt.

Ich fand dich toll, ich habe dein Licht gesehen. Dein brillanter Verstand, dein ständiges Hinterfragen, dein vieles gescheites Reden hat mich immer wieder erstaunt. Doch ich spürte auch immer dein Herz. Wo ist es jetzt nur hin? Neuerdings wirkst du besserwisserisch, hart und wenn man genau hin fühlt wahnsinnig traurig. Als wärst du vom Alltag zerfressen, verdaut und dann ausgekotzt worden. Deine teuren Schuhe, die dir ohne Zweifel ausgezeichnet stehen, machen deinen Sarkasmus nicht wett. Glaub mir.

Während ich auf dem Bild zwei sich umarmende Bäume sehe, siehst du nur den Nebel und die vermeintliche Trostlosigkeit.

Somit entlasse ich dich in deine Welt, die abgebrüht und abgestumpft ist. Erträglich mit Alkohol und Drogen. Die du nur mit betrunkenen Frauen im deinem Bett aushältst. Ja nicht hinschauen, dort, wo es weh tut. Denn hinter dem Schmerz, da ist dein Ich. Dein Ich, das verletzlich und klein ist. Wie wohl alle unsere Ichs.

Und dann schaue ich dich an, wie du grosse Worte von dir gibst, aber nichts sagst. Und ich frage mich: Wo ist nur dein Herz hin?

by canela

 

 

 

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13 Gedanken zu “Wo ist dein Herz nur hin?

  1. Da sehe ich tatsächlich den einen und anderen vor mir, ja schade … aber es liegt an uns mit wem wir uns verbandeln und wo wir die Bänder wieder kappen, nicht wahr?!
    Ein feiner Text und ein, wie immer, schönes Bild
    herzlichst Ulli

  2. ich glaube das menschen so nicht werden, sondern das sie schon immer so waren. vorher haben sie es nur nicht gewusst und kehren dann ab einem zeitpunkt ihr wahres ich heraus. andersrum könnte man auch sagen, sie rennen nur wieder einen neuen daseintrend hinterher.
    grundsätzlich aber wissen die meisten gar nicht wer sie sind und was sie wollen. und so lernen wir sie kennen, schade.

  3. Pingback: a day in life 34. | gokui

  4. canela, das ist so, so schön geschrieben und der letzte satz trifft so tief, so schön und so wahr, dass ich soeben vor meinem pc saß und den hut vor dir zog. ich danke dir sehr…. liebe grüße in die schweiz.

  5. Wie gut, dass ich dich und deinen wunderbaren Text gerade jetzt finde. Vor allem der letzte Satz trifft! Liebe Grüße, Gaby

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