Zärtlichkeit eines Frühlingsregens

Es gibt für mich fast nichts Zärtlicheres als ein leichter Frühlingsregen im Wald. Die unschuldigen Liebkosungen auf meinem Gesicht eines jungen Frühlings, der noch nicht erwachsen ist.

Die Tropfen benetzen meine Lippen wie ein flüchtiger Kuss eines Liebhabers, der sich am Morgen verabschiedet. Behutsame Berührungen von Regentropfen, die meine Wimpern streifen und die Wolken schenken mir all die Tränen, die ich nicht weinen konnte. Wer nicht weinen kann, kann auch nichts sehen.

Obwohl ich den Kopfhörer trage und Dustin O’Hallorans Klavierspiel lausche, höre ich auch das Rieseln des Regens auf den Ästen und Knospen, die sich tanzend im Takt dazu bewegen. Der Wald, ein Ballsaal der aufkeimenden Hoffnung. Zartes Grün, das sich nichts sehnlicheres wünscht, als endlich spriesen zu dürfen.

Ein Mäusebussard stösst einen hohen Schrei aus und die Amsel schreckt zwitschernd auf als ich an ihr vorbeilaufe. Der Eisvogel hat mittlerweile eine Gefährtin gefunden. Und die nasse Pusteblume steht am Weg und hält die Stellung.

Früher wollte ich lieber in einen Baum fahren als ins Büro. Ich hätte diesen Frühlingsregen verpasst.

pic and text by canela

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2 Gedanken zu “Zärtlichkeit eines Frühlingsregens

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