Absolute Entschlossenheit Grenzen zu setzen

Ich bin bekannt für meine rigorosen Erziehungsmethoden. Wenn ich „Nein!“ sage, dann meine ich „Nein!“ Meine Erziehungsmaxime beruht auf Strenge, Ordnung und Disziplin. Ich weiche nie vom Weg ab. Nie! Das weiss mein Sohn.

Ich bin sozusagen der Fels in der Brandung des „Ich-will-Mama“-Meers. Ich bin die barbusige  Jeanne d’Arc, die für eine Sache kämpft: dem Junior Grenzen zu setzen! Ich bin der Winkelried aller „Aber, Mamaaa!“-Speere, die heroisch in seiner Brust stecken.

Hier ein Beispiel, um meine Festung des Grenzensetzens zu beweisen:

In der Migros betrachtete ich die Auswahl an WC-Bürsten. Diese Auswahl erstaunt mich jedes Mal. Was für Formen und Farben! Habe ich mich für eine Bürste entschieden, beschleicht mich immer wieder das mulmige Gefühl, nicht richtig ausgewählt zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Kommen wir zum Kernthema dieses Posts: Absolute Entschlossenheit Grenzen zu setzen!

Nun, während ich in den Formen der Bürsten versunken war, fasste mich plötzlich sanft die kleine Hand meines Kindes an der Schulter. Ich drehte mich um und ein Tamagotchi in blauer Verpackung starrt mich direkt an.

Er (Gesicht versteckt hinter der Verpackung): „Darf ich es haben?“

Ich (stark, eisern, konsequent): „NEIN, NEIN!“

Er (Tamagotchi wird an die Brust gekrallt, die Schultern meines Sohnes senken sich in Zeitlupentempo,  dunkelbraune Augen weiten sich – perfekter Hundeblick mit Jöh-Effekt – und blicken mich treuherzig an.): „Aber Mamaaa, ich habe mir schon immer jemand gewünscht, für den ich Sorgen kann.“

Ich (mein Mutterherz sticht. Oh mein Gott, wie süss! Halt durch Canela, lass dich nicht einlullen. Argh… seine Augen glänzen, weint er? Bitte nicht! Bitte nicht! Ich bin hart!!!):  „NEIN!“

Er (weinerliche Stimme, heftige Umarmung seinerseits, sein Kopf liegt an meiner Brust, seine Augen schauen mich inbrünstig flehend an, als würde er mich anbeten): „Aber Mamaaa, du hattest auch eins, als du Kind warst.“

Ich: „NEIN?“

Er (lächelt, blinzelt mit den Augen, innige Umarmung, als ob er ertrinken würde): „Mama?“

Ich (in meinem Inneren rumpelt es gewaltig, das Bollwerk der absoluten Entschlossenheit fällt zusammen). „O.k……………“

Immerhin drei „Neins“.

by canela

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6 Gedanken zu “Absolute Entschlossenheit Grenzen zu setzen

  1. du? hattest eins? gabs die damals schon?
    herrlich geschrieben. dein auswahl-dilemma kenn ich bestens: hab ich erst gewählt, fangen die zweifel an: hätte ich nicht besser das andere genommen?
    🙂

  2. …jaja es ist verdammt schwer seinen Liebsten Grenzen zu setzten. Als Vater hat mab da es leichter – jedenfalls manchmal.
    Der Starre der Konsequenz zeigt aber auch den eigenen Grad des Erwachsenseins. Merkwürdig nicht wahr ?

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