Wir alle sind aus Sternenstaub….

Ich merke oft, wie sich ein Mensch fühlt, obwohl er nicht darüber spricht. Manchmal versetze ich mich in ihn hinein, und ich nehme seine innere Haltung wahr. Seine Haltung gegenüber sich selber und wie er andere Personen sieht.

Ich empfinde mich als porös. Ich bin ein unbeflecktes, weisses Löschpapier, das die blaue Tinte aus der Feder gierig aufsaugt. Der kleine Punkt aus der Federspitze, der wächst und wächst, bis das Löschpapier dunkel und schwer vor Tinte wird. Bei der geringsten Berührung würde das Papier nachgeben und reissen. Dann ist totaler Rückzug angesagt.

Ich spüre mich nicht mehr, wenn ich zu viele Einflüsse von aussen hatte. Mein Kopf füllt sich mit lauten und mächtigen Gedanken. In meinem Schädel schleudern Buchstaben, Worte und Sätze herum, wie Billiardkugeln, die in alle Richtungen auseinander stieben, um mit lautem Knall wieder aufeinander zu prallen. Dieses Gewirr, diese Unruhe macht mich nervös, mürrisch, wütend. Ich werde unkonzentriert, sogar fahrig mit meinen Bewegungen, und ich werde so müde.

Vor etwa einem Monat begann ich zu meditieren. Zu Beginn lachte mich mein Kopf aus und sagte zu mir: „Canela, spinnst du jetzt? Auf die alten Tage wirst du noch eine esoterische Tante? Was kommt als nächstes? Du färbst dir die Haare rot und gehst ins Tantra? Trägst wallende Kleider und riesige Ringe aus Stein? Muahahaha…!“ Doch mein Bauch antwortete knallhart: „Halt die Schnauze! Du Egosau!“ Ihr müsst wissen: Mein Kopf und mein Bauch sind nicht freundlich, wenn sie sich miteinander unterhalten.

Ich meditierte täglich eine halbe Stunde und mein Kopf wehrte sich mit aller Kraft. Meine Gedanken machten Kapriolen und riefen zur Revolution aus. Aber ich gab nicht auf. Denn plötzlich, nach ein paar Wochen Kampf, wurde mein Verstand immer wie ruhiger und friedvoller. Die kleine warme Flamme im Bauch, die schon immer da war, dich ich gefliessentlich zu übersehen pflegte, dehnte sich weiter aus vom Bauch zum Kopf und zurück bis zu meinen Zehenspitzen. Ein Gefühl von Ruhe stellte sich ein.

Ich mag es, wenn das, was ich spüre, bestätigt wird. Darum bin ich so gerne im Wald oder am Fluss. Denn dort fühle ich mich mit dem verbunden, was mich umringt.

Als Kind wollte ich immer ins All, zurück zu den Sternen. Und als ich heute diesen Clip sah, verstand ich wieso.

by canela

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4 Gedanken zu “Wir alle sind aus Sternenstaub….

  1. dieses innehalten (bei mir ist es am morgen zwanzig minuten yoga) finde ich immens wichtig. wenn ich es mal eine weile auslasse, fühle ich mich schneller gereizt und am limit.
    was du schreibst, besonders das mit dem löschpapier, das porös ist und schnell mal reisst, kenn ich soo gut von mir selbst. du sprichst mir da aus der seele.
    gut zu uns selbst zu schauen, dünkt mich bisweilen etwas vom herausforderndsten. für andere können wir das oft tausendmal besser.
    meditieren hat für mich nichts mit esoterik zu tun. es ist nichts anderes als sich ausbalancieren, einmitten …
    schön, dass du es wagst …

    herzlich, soso

    • zu uns selbst schauen, ist wirklich schwieriger, als es für die anderen zu tun. dabei kann man für die anderen noch viel besser schauen, wenn man zu sich selbst schaut 😉

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