Mit Kochschüssel, Charme und ohne Melone

Auf der Toilette darf man keine Frau heiraten. (Toilette Friedas Büxe)
Auf der Toilette darf man keine Frau heiraten. (Toilette Friedas Büxe)

Letzten Freitag besuchte ich ein Bloggertreffen, aber nur weil Bluetime mich gerettet hatte. Danke blonder Engel!

Mit WhatsApp und GoogleMaps (ich war der blaue Punkt, sie war der rote) fand sie mich schliesslich an einer Strasse und wir fuhren ins Restaurant um Fondue zu essen. Ich war in Sicherheit. Wahrscheinlich wäre ich sonst in der Nähe der ETH am Hönggerberg vor lauter Herumirren zusammengebrochen und elendlich zugrunde gegangen. Übrigens, danke SBB für deine präzisen Angaben im Internet! Ab Stadion „Sondundso“ nur 15 Gehminuten bis zur eingegebenen Adresse? Ich bin über eine Stunde herumgewandert!! Wie sagen die Jungen so schön: „DINI MUETER!“

Nach dem Fondue begab ich mich an den Zürcher Hauptbahnhof, um mich mit meinem Mitbewohner zu treffen. Wir wollten gemeinsam in Friedas Büxe tanzen gehen, weil mein Bruder auflegte. Also stand ich am Meeting-Point und wartete. Ich hatte keine Angst, dort zu stehen. Sonst wird’s mir meist etwas mulmig. Die Gestalten, die um diese Uhrzeit herumirren, sind mir nicht geheuer. Doch ich hatte eine Kochschüssel meines Bruders dabei, die endlich zurück zu ihrem Besitzer wollte. Die Schüssel gab mir Sicherheit. Es gibt schlimmere Begleiterinnen, nicht?

Endlich tauchte mein Mitbewohner auf mit einer jungen Frau im Schlepptau. Er hatte sie gerade kennengelernt und beschlossen, sie in unseren illustren Kreis bestehend aus der Kochschüssel, ihm und mir, aufzunehmen.

Gabriela war Argentinierin, die in Bolivien lebte und jetzt ein Stipendium für ein Jahr an der Uni in Lion bekommen hatte. Nach einer Woche Lion, erzählte sie mir auf spanisch, habe sie spontan beschlossen ihre Tante in Zürich zu besuchen. Also setzte sie sich in den Zug, um Stunden später am Bahnhof festzustellen, dass weder ihre Tante zuhause war noch Anrufe entgegennahm. Gabriela sah müde und verängstigt aus.

Also adoptieren mein Mitbewohner und ich die junge Frau und nahmen sie in unsere Gewahrsam. Der Plan war, dass sie mit uns tanzen und später bei uns übernachten würde. Glücklicherweise wohnte ihre Tante in der Nähe des Clubs, und um Mitternacht war ihre Tante endlich zuhause. Eine innige Umarmung von Gabriela war der Dank und schon verschwand sie im Treppenhaus.

Ab diesen Zeitpunkt hätte ich nachhause gehen können, weil mittlerweile das Fondue Rock’n Roll in meinem Magen tanzte. Doch ich wollte nicht vernünftig sein und die Kochschüssel wollte endlich zu ihrem Vater zurück.

In der Büxe angelangt, setzte ich mich in den Raucherraum, der einem Wohnzimmer glich. Kurz davor hatte mir mein Mitbewohner einen Jägermeister spendiert, der meinen rebellierenden Magen zur Ruhe brachte. Frisch gestärkt übergab ich feierlich die Schüssel meinem Bruder, der im Raucherwohnzimmer Musik auflegte. Im Gegenzug wurde mir E. vorgestellt: „Das ist E., mit ihr habe ich gearbeitet und das ist meine Schwester Canela. So, redet miteinander!“ Ay, ay Captain Risikogruppe!

Ich glaube, E. und ich plauderten zusammen über vier Stunden. Oft standen wir begeistert auf und fragten meinen Bruder, wie der Song hiesse, den er gerade abspielte. Ich habe sogar zu EINEM Song getanzt! (früher hätte ich die Nacht durchgetanzt. Heute bin ich froh, wenn ich irgendwo gemütlich sitzen kann und mit einem Fuss den Takt mit wippen darf).

Ab und zu wehrte ich tolpatschige Anmachsprüche ab mit Charme und ohne Melone. „Mein Kumpel sagt, du seist Griechin. Ich sage, du bist Italienerin!“ Oder „Er meint du seist ca. 30. Ich glaube, du bist um die 32!“ Ahhhhh, was für ein Genuss, wenn ich mein Alter preisgeben konnte und ich ihre erstaunten Gesichter betrachten durfte. Ich gebe es zu, mein Ego liebt solche Gesichtsausdrücke. „WAAAS DU BIST SCHON 48????“ Ja! Auf sowas stehe ich total!

Um 7 Uhr morgens, bewaffnet mit Mini-Pics und einem Schoko-Gipfel, erreichte ich mein Zuhause. Jetzt war ich echt müde…..Was für ein Freitag…

by canela

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2 Gedanken zu “Mit Kochschüssel, Charme und ohne Melone

  1. oh mein Gott, ich wusste doch dass das fondue essen noch nicht alles gewesen war:-)) zum glück musstest du nicht noch in die schüssel….naja, lassen wir das!
    Ich würde dich immer und überall retten…nämmli:-)

    • haha doris, ich dachte echt, ich verschimmle irgendwo am waldrand. aber da du mich gerettet hast, haben wir dann die gabriela gerettet. sie rettet vielleicht später, wenn sie fertig studiert hat wale oder die welt. man weiss nie. und die schüssel musste nicht zweckentfremdet werden, puhh…

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