Sind berufstätige Frauen immer noch dekorative Vasen?

Es gibt Dinge im Leben, da denkt frau, man sei endlich immun dagegen. Abgehärtet, weil man  jahrelang im Arbeitsleben steckt und schon einiges erlebt hat. Aber das ist ein Trugschluss! Gönnerhafte Bemerkungen im Arbeitsalltag, bei dem frau nur auf das Aussehen reduziert wird, regen mich immer noch total auf.

Ich möchte Videos drehen, um Menschen zu zeigen, die dank ihrer Ausbildung  an unserem Institut, einen beruflichen Karriereschritt erreicht haben. Der Fokus liegt ganz klar auf der Person (in diesem Fall ist es ein Mann), die über unsere Qualität spricht, auch mit kritischen Äusserungen. Denn die Authentizität einer Aussage ruht unter anderem auch darauf, dass Verbesserungsvorschläge angebracht werden dürfen. Wenn nur alles schöngeredet wird, weiss jeder aufgeklärte Konsument, da stimmt was nicht!

Nun möchte mein Vorgesetzter, dass dieser Mann nur in den höchsten Tönen  lobt, was wir anbieten. Ich habe meinen Chef versucht zu überzeugen, dass man Glaubwürdigkeit nicht durch Superlative erreicht. Erfolglos! Zusätzlich möchte er, dass man mich oder seine hübsche Assistentin im Video sieht, da „sympathische Frauen“ gut ankommen, meint er. Hallo?! Ja klar, Chef, und bitte mit tiefem Ausschnitt und dick geschminkten Lippen.

Ich mag Komplimente, wegen meinem Aussehen, so ist es nicht. Ich mag berufliche Anerkennung. Und wenn man beides mixt und mir diesen Cocktail serviert, schlürfe ich gerne daran.

Doch am Liebsten, mag ich es, wenn ich im Job gelobt werde, eine erfolgreiches Projekt durchgeführt zu haben: Sprich höhere Zugriffszahlen auf die Website und den Verkauf der Produkte gefördert zu haben. Das ist mein Job und für das werde ich bezahlt. Meine Arbeit besteht nicht darin, als dekorative Vase da zu stehen, wie die Girls am Autosalon in Genf. Und da ich kein Modell bin, muss ich auch nichts mit meinem Aussehen verkaufen.

Kennt ihr das, Frauen? Ihr plant monatelang eine Aktivität, ihr bringt sie erfolgreich zum Schluss, ihr organisiert ein Apéro und das einzige was man zu hören kriegt, das Buffet sei super gewesen? Wäre ich eine Gastronomin, würde mich dieses Kompliment erfreuen. Aber ich mache Marketing. Ich will hören, dass  ich die Ziele erfolgreich umgesetzt habe, die wir gemeinsam zu Beginn des Projektes aufgestellt hatten. Eine Apéroplatte bei der Migros zu bestellen, ist weiss Gott nicht DIE Herausforderung in meinem Beruf.

Ich kann die Einstellung von Menschen, im speziellen von gewissen Männern, nicht ändern. Das weiss ich. Aber schlucken und nett lächeln, finde ich auch scheisse. Und wenn ein Video gedreht werden soll, auf dem man mich sieht, dann bin ICH der Star und nicht der nette Einschub.

by canela

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Ein Gedanke zu “Sind berufstätige Frauen immer noch dekorative Vasen?

  1. mir ist es gleich, welche mischung herrscht. und mir ist es gleich, wie jemand aussieht bei der arbeit. ich erwarte fachwissen, freundlichkeit und kreativität von meinen mitarbeitern.

    ich arbeite mit der schulleitung, die ist ausschliesslich männlich. sie sind auch lehrpersonen. ich erwarte von menschen, die anderen menschen etwas beibringen, dass sie frauen in der arbeitswelt als das sehen, was sie sind. personen, die eine arbeit leisten.

    ich weiss, meine erwartungen werden nicht erfüllt 😉

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