Meine Reise als Psychonautin

Heute habe ich mich an dich erinnert, meine Seelenpflegerin. Als ich diesen Song hörte.

Weisst du noch, als wir zwei auf der einsamen Insel waren? Völlig verloren und abgeschnitten, so fühlte ich mich. Ich war durch Schmerz ausgehöhlt und im Bauch spürte ich ein Loch.

Ich fror und fühlte mich mehr tot als lebendig. Mein Körper war ein beschriebenes Blatt Papier, das man unerwartet zerrissen hatte. Wo war nur das Ende der Geschichte geblieben? Du wolltest mir meine Wörter und Sätze zurückgeben, du wolltest mich wieder ganz machen. Nur eine Frau, kann eine Frau wieder ganz machen.

Erinnerst du dich, als du mir sagtest, geh zurück in diesen Zustand? Und ich zog meine Körperhülle aus, wie es sich für eine Psychonautin gehört, und warf mich in den Sog der Fassungslosigkeit.

Was für ein trauriger Anblick! Innen war alles trostlos und dunkel. Ich begann zu frieren. Mein Körper zitterte wie Espenlaub, tiefe kalte Leere erfüllte mich. Zugleich explodierte ich fast vor Angst. Doch ich konnte sie nicht mehr mit dem Kopf beherrschen. Die Substanz war stärker. Der Herzöffner arbeitete fleissig und liess alle Gefühle raus, die ich sorgsam gefaltet und tief in den Schrank des Verdrängens hinein gelegt hatte. All meine gestauten Emotionen brachen den Damm.

Und als ich dachte, ich würde vor Angst und Leid erstarren und dann sterben, hast du dich auf mich gelegt und mir mit sanfter Stimme befohlen: Atme mit mir, ich gebe dir Kraft. Atme mit mir zusammen! Ich will, dass du lebst!

Und meine Brust schmerzte vor Leere und meine Lungen blähten sich auf und schnappten nach Luft. Ich war eine Ertrinkende. Mein Körper bäumte sich unter deinem auf. Da lag ich, mit aufgerissenen, dunklen Augen und starrte dich an. Dein Blick füllte sich mit Tränen und du hast mit mir geatmet. Du hast geweint, weil du meine Trauer fühltest. Man konnte sie riechen, wie ein modriger Duft, der den ganzen Raum erfüllte.

Ich spürte deine Brust, wie sie ein- und ausatmete. Sie gab mir Zuversicht, wie die Brust meiner Mutter als ich Kind war. Dann hast du mich an den Händen gepackt und ich spürte deine Kraft. Wir atmeten beide ein und aus. Zusammen gingen wir von der einsamen Insel weg, durch das kalte Meer zur Wüste bis zum Wald und ich fühlte mich wieder warm.

Wie ein Kind, das zum ersten Mal auf den Beinen stand, kam der Wille zum Weitermachen zurück. Dein Unterkörper füllte Meinen mit Leben. Deine Tränen waren Leim und fügten mein Körper Stückchen für Stückchen zusammen. Zuversicht, weiter leben zu können und vor allem zu wollen, erfüllte mich.

Manchmal vermisse ich dein zerknittertes Gesicht, deinen strengen Blick und deine Güte im Herzen.

by canela

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5 Gedanken zu “Meine Reise als Psychonautin

  1. das ist ein reisebericht der andern art. klingt zum einen unglaublich achmerzhaft, doch zum glück heilsam und befreiend!

    beeindruckende beschreibung eines prozesses, der kaum beschreibbar ist.

    alles liebe und herzliche grüsse, soso

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