Wieso ich nie lernte richtig Klavier zu spielen…

Pizza, Pasta, Punkrock!
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Eins ist klar, mit Druck geht bei mir gar nichts. Ich habe unter Druck nicht Klavier spielen gelernt, ich kann nicht unter Druck schreiben und auf Druckknopf lieben schon gar nicht. Ich muss selber wollen und da ich oft nicht weiss, was ich will, dauert es länger, bis ich weiss, was ich will. So viel Zeit brauch ich.

Als ich sieben Jahre alt war, wollte ich Opernsängerin werden. Ein paar Jahre später stand Harfe spielen auf Rang 1 und danach wollte ich Klavier spielen lernen. Auf letzteres gingen schliesslich meine Eltern ein. Da war ich 16 Jahre alt und ich bekam ein Klavier und die Stunden dazu.

Das erste Jahr war so, wie die Anfangszeit halt ist. Viel üben, Akkorde klimpern, fühlen was „adaggio ma non troppo“ bedeutet und dazu die Pedale einsetzen. Es war spannend, der Klavierlehrer nett und ich mit mir zufrieden. Ich hatte Spass und übte fleissig.

Der Anfang des Endes
Dann kam das Gymnasium. Da ich Musik als kreatives Fach gewählt hatte, musste man ein Instrument spielen nebst dem Singen. Ich lernte meine Klavierlehrerin kennen. Der Anfang des Endes begann. Sie macht aus dem meinem Wollen, mein Müssen, danach ihr Druck aufsetzen und zuletzt unser Biegen und Brechen. Vier Jahre lang schwieg ich und kämpfte mich durch unzählige frustrierende Klavierstunden.

Sie bestand auf Tschaikowsky, ich wollte lieber Chopin spielen. Während ich Stücke spielen musste, die ich nicht wollte, summte sie immer die Melodie mit, was ich auch nicht wollte. Und traf ich mal den Ton nicht, sang sie mir ihn vor.
– Pling!
– Nein, laaahhhhh!
– Pling?
– Hergottnochmal, laahhhh….. das ist ein E!

Sie mäkelte an meinen Nägeln herum und erklärte mir jedes Mal nach der Stunde, wieso ich nie richtig Klavier spielen werde. Dass sie alles für mich tue und ich nichts für sie. Dass sie Zeit investiere und meine Eltern Geld. Dass sie mich möge und ich solle mir doch endlich Mühe geben, ihr etwas zurückzugeben. In meinen Träumen steckte ich ihr herausgerissene Klaviertasten in die Nase und in den Mund und liess sie dabei jämmerlich ersticken.

Kampf zwischen Kopf und Bauch
Mein Kopf befahl:
– Canela, das musst du jetzt durchziehen. Sonst wird sie traurig und deine Eltern böse, dass du es nicht geschafft hast.

Mein Bauch schrie:
-He ich bin unglücklich. Ich will nicht mehr Klavier spielen. Ich darf nicht mal spielen, was ich möchte. Ich will nicht, es macht mich krank!

Mein Körper rebellierte, ich bekam meist Kopfschmerzen vor den Klavierstunden oder gar Durchfall. Meine Eltern sagten, ich müsse da durch. Ich habe schliesslich dieses Instrument ausgewählt. Dass man auf einem falschen Weg hätte innehalten und sich einen anderen hätte auswählen können, kam mir nicht in den Sinn. Du musst, also machst du, obwohl du nicht willst. Ich war gefangen im Spinnennetzt des Müssens.

Nach meiner Matura habe ich nie mehr ein Klavier angefasst.

Heute steht mein altes Klavier in Malaga und dient als Unterlage für Fotos meiner verstorbenen Grosseltern und für eine Büste von Beethoven, dessen Stücke ich auch nicht besonders mag.

Aber ich liebe immer noch Chopin.

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3 Gedanken zu “Wieso ich nie lernte richtig Klavier zu spielen…

  1. eine schade tragische Geschichte, wie sie aber leider sehr oft im Leben vorkommt. Der Spaß am lernen wird nicht von Schüler vermittelt, sondern es ist die Aufgabe, oder noch besser die Begabung des Lehrmeisters, diesen Spaß zu vermitteln.

    Denke an Deinen Sohn der jetzt in die Schule gekommen ist. Beobachte ihn und schaue mit welchem Spaß er jetzt noch in die Schule geht. Beoachte ihn in ein paar Jahr erneut und Du wirst sehen, mit welchem Spaß das Lehrpersonal seiner Tätigkeit nachkommt.

  2. ich habe mir immer klavierspielen zu können gewünscht, doch hätte ich wohl die ausdauer nicht gehabt. vielleicht wäre es bei mir genau wie bei dir herausgekommen?
    lernen auf knopfdruck geht nicht wirklich, nicht langfristig, nicht anhaltend.
    zum glück hast du deine freude an musik nicht verloren!
    herzlich, soso

  3. @gokui: 🙂 guter kommentar!
    @soso: nein, echte liebe für etwas geht auch mit druck nicht weg. mit druck kann man jedoch auch keine echte liebe erzeugen.

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