Aktiver Einsatz von Tom Waits gegen den Berufswunsch Kriminalpolizist zu werden

Als Mutter gibt man sich gerne Träumereien hin, was das eigene Kind werden könnte. Da gehört Kriminalpolizist definitiv nicht dazu. Einen Rockstar oder Sänger nehme ich gerne oder wenn schon einen Nietzsche rezitierenden Müllmann.

Ich sehe meinen Sohn: Mit ausgestrecktem, muskulösem Arm und braungebranntem Gesicht steht er auf der Rampe des Lastwagens der Müllabfuhr. Sein Blick verliert sich am Horizont. Der Tag wacht gerade auf und die Sonne streckt ihre Fühler aus. Canelitos volles Haar weht im Frühlingswind. Seine sonore und kräftige Stimme übertönt das Brummen des Lastwagens und fliegt in die offenen Fenster der noch schlafenden Menschen:

Mein Herz ist wie ein See so weit…

Mein Herz ist wie ein See so weit,
Drin lacht dein Sonnenlicht
In tiefer süßer Einsamkeit,
Wo leise Well an Well sich bricht.

Ist´s Nacht, ist´s Tag?
Ich weiß es nicht,
Lacht doch auf mich so lieb und lind
Dein sonnenlichtes Augenlicht
Und selig bin ich wie ein Kind.

Friedrich Nietzsche

Hach….

Wie eingangs erwähnt, könnte Sänger durchaus eine ebenbürtige Alternative zu Müllmann sein. Um diesen Berufswunsch zu stimulieren, wird fleissig Musik gehört. Da fahre ich auch mit härterem Geschütz auf. Wie neulich mit Tom Waits.

Wir sassen im Auto und mein Sohn schaute aus dem Fenster. Ausnahmsweise war er ruhig und schaute sich die an uns vorbeiziehende Landschaft an. Ich witterte die Gelegenheit.

Schnell schob ich die neueste CD von Tom Waits in meinen CD-Player und drückte auf Play.  Ich hielt den Atem an. Tom Waits brüllte den Song Chicago:

Im Rückspiegel beobachtete ich die Reaktion meines Kleinen. Er schaute zuerst verdutzt nach vorne. Dann riss er seine Augen weit auf. Verzückt rief er: „Mama! Wow! Was ist das denn für eine Stimme?“ und sein Kopf nickte zum Takt.

„Das ist Tom Waits“ schrie ich zurück, weil ich mittlerweile die Lautstärke aufgedreht hatte. Nickend wie zwei Wackel-Dackel hörten wir der Musik zu.

Ich habe ihn danach nicht gefragt, ob er nicht doch lieber Rockstar werden möchte. Denn als ich ihn vor nicht all zu langer Zeit bat, seinen Berufswunsch zu überdenken, konterte er genervt: „Mama! Hör mal zu! Das ist mein Leben und ich will werden, was ich möchte!“ Mist! Er hatte ja Recht.

Aber ich gebe nicht auf.

Und sollte er doch Kriminalpolizist werden, wird er sicher unter seinen Berufskollegen wegen seinem breiten Musikgeschmack geschätzt werden. Immerhin, ein schwacher Trost.

by canela

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4 Gedanken zu “Aktiver Einsatz von Tom Waits gegen den Berufswunsch Kriminalpolizist zu werden

  1. …tröste Di canela, mein Sohn will auch zur Kripo. Sie haben noch keine Ahnung was dann im Leben auf sie zukommt.
    Meine Hoffnung ist, vielleicht gehören sie dann zu den guten Bullen und die Welt wird beser.

  2. herrlich. habe grad heute an canelito gedacht … witzig. und dann finde ich deinen tollen artikel. wie wäre es wenn er krimiautor würde? vielleicht hat er ja dein schreibtalent im blut?
    andererseits braucht es auch bei der kripo gute leute.
    🙂
    ja, es ist sein leben, recht hat er!

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