Ich habe einen Machiavellisten in der Familie

Mein Kleiner und ich diskutieren ab und zu über das, was in der Welt geschieht. Und ich habe herausgefunden, dass er im Moment ein machiavellistisches Weltbild besitzt. Also das Handeln wird nur auf die Nützlichkeit reduziert oder der Zweck heiligt die Mittel.

Neulich fragte er mich, ob man nun Gaddafi endlich getötet habe. Mich störte das Verb sehr, das er brauchte. Ich antwortete, es genüge, wenn man ihn endlich fassen würde. Man müsse keine Menschen töten, damit es anderen gut ginge.

Da konterte er: «Aber Mama, als sie „Osama Billada“ töteten, ging es der Welt auch besser. Das haben sie in den Nachrichten gesagt!»

Ich erwiderte: «Man hätte ihn auch einsperren können, das hätte genügt! Und was in den Nachrichten gesagt wird, ist manchmal wie in der Werbung. Sie wollen dir etwas weismachen, was nicht unbedingt wahr ist. Erinnerst du dich an das Spielzeug, dass du unbedingt wolltest und sich dann als „Schissdräck“ entpuppte?» Ich setzte ein triumphierendes Lächeln auf.

Er schwieg und überlegte. Da meinte er: «Ja, aber Spanien geht es auch besser seit Franco tot ist!» (Mist, ich hätte ihm nichts über die spanische Geschichte erzählen sollen….). Mein Lächeln erstarrte.

Ich etwas entnervt: «Aber Franco ist von selber gestorben, er wurde nicht getötet!!!!»

Er: «Wenn sie ihn vorher getötet hätten, wäre es Spanien schon früher besser gegangen, nicht?»

Ich protestierend: «Aber es ist nicht richtig Menschen zu töten. Aus mit der Diskussion!!!! » („Aus mit der Diskussion“ brauche ich gerne, wenn ich keine Argumente mehr noch eine plausible Antwort habe.)

Ich glaube, ich muss an meiner Argumentation feilen und vor allem einen Kurs in Rhetorik belegen.

by canela

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9 Gedanken zu “Ich habe einen Machiavellisten in der Familie

  1. Es ist doch gut das er über die Dinge nachdekt und sie nicht als selbstverständlich hinnimmt. Ich sehe dies als Zeichen das er sich Später gut durch zu setzen weiss 🙂

  2. letztlich ist seine meinungsbildung ja zum glück nicht nur von deiner meinung allein abhängig. so aufgeweckt wie er ist und so intensiv, wie ihr zusammen diskutiert, ist doch eigentlich kein grund zur sorge. er braucht diese reibung … 🙂
    und du auch 😉

  3. Suuuuuper!

    Canelito soll bitte in 10-15 Jahren noch so denken und sein Herz (und sein Müüli) auch noch so öffnen dürfen.

    Er isch halt en Schatz, gäll.

  4. @swissalpindaniel: uff fit? das ist die hölle! immer die welt erklären müssen, die man selber nicht versteht.
    @fraufrogg: genau und muttern solls dann wissen pfffft 😉
    @raziael: durchsetzen mit worten, nicht brachial…
    @sofasophia: ich brauche ein kind, das nach meiner pfeife tanzt, gnihihi…
    @cybermami: er darf denken und sagen was er möchte, aber es wird nicht getötet! aus mit der diskussion 😀

  5. …jemanden zu töten macht andere Menschen wieder wütend und traurig. Das kann dann dazu führen, daß sie wiederum andere, eventuell gute & unschuldige Menschen töten.

    Das wär doch ein Argument gewesen.

  6. Klasse! Das ist das tolle an Kindern. Sie sprechen aus, was sie denken und sie sind noch nicht ideologisch verblendet! Na, lass Dich herausfordern! Das hält fit! 🙂

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