Mein Gremlin, der interne Beeinflusser

Wer  irgendwann sich etwas Marketinggeplänkel anhören musste, kennt die internen Beeinflusser. Das sind Menschen, die zwar nicht die Kohle haben, aber die Menschen beeinflussen können, die ebendiese Kohle haben. In meinem Fall wäre das mein Sohn.

Nun gibt es bei einem der grossen Foodverteiler so kleine Töggel, die Gesichter haben. Und logischerweise wollen die meisten Kids diese überdimensionierten Bohnen. Ich holte meinen Sohn vom Kindergarten ab und er sagte: „Mama, ich will einen dieser Nanos. Komm wir gehen in die Migros einkaufen!“ Und ich dachte: „Verdammt, die Menschen aus meinem Berufsstand haben volle Arbeit geleistet und mich reingelegt.“

So fuhr ich zur nächsten Migros – ohne etwas zu brauchen – und kaufte Salat und Yoghurts ein. An der Kasse angelangt, stand nun mein Junior mit erwartungsvollen, leuchtenden Augen und schaute auf den kleinen, farbigen Karton, der vor der Kassiererin ruhte. Mein Sohn sah aus wie ein kleines, flauschiges Tierchen. Ein süsser Fratz, dem die Vorfreude im Gesicht steht. Ein niedlicher Gremlin.

„18.50“, sagt die blonde Kassierin. Ich zahlte und mein Kind hüpfte auf und ab und auf und ab. „Darf ich ein Nano haben?“ Die Kassierin schaute mich an und antwortete: „Den gibt es erst ab einem Warenwert von 20 Franken.“

Mein Sohn und ich: Schock! Tiefe Ungläubigkeit! Die Welt stand für ein paar Sekunden still! Absolute Verzweiflung! Der Atem stockte, die Spucke blieb weg!

Ich weiss nicht, was mich mehr entsetzte und in totale Panik versetzte: dass sie mir geantwortet hatte, statt ihm oder dass mein Sohnemann einen immens verzweifelten Ausdruck im Gesicht hatte. Und plötzlich sah ich die Verwandlung. Als hätte man dem süssen Gremlin Wasser über den Kopf geschüttet. Das Gesicht meine Sohnes wandelte sich in eine entsetzliche Fratze. So viel Wut in so einem kleinen Menschen. Und ich spürte sie, ich spürte sie so sehr, dass ich es mich fast zerriss.

Ich schrie verzweifelt: „Das können sie mir nicht antun, er hat sich den ganzen Tag gefreut!“ Sie schaut mich ruhig an und erschrickt aber ab dem Ausdruck im Gesicht meines Kindes. „Lassen Sie mich einen BH holen, ich komme sofort wieder!“ sagte ich laut und bestimmt. Die Leute schauten uns neugierig und erwartungsvoll an.

Mein Sohn hatte die Enttäuschung und die Wut nicht ausgehalten und war  davon gerannt. Ich war hin und her gerissen: Sohn suchen oder BH holen und dafür einen Nano erhalten. Ich muss wohl ziemlich verzweifelt ausgesehen haben, denn die blonde Kassierin schob mir unauffällig ein kleines Säckchen in die Hand. Sie hatte den Ernst der Lage erkannt und flüsterte: „Ok, ich will ja nicht, dass der Kleine so enttäuscht ist.“ Ich bedankte mich und rannte los, bis ich meinen Sohn in einer Ecke traf, wo er mit leerem Blick auf den Boden starrte.

Als wir ins Auto stiegen, war mein Kind wieder der süsse kleine pelzige Gremlin. Und ich war die Mutter, die auf ihren Berufsstand Voodoo-Verfluchungen murmelte. Scheissmarketingfuzzis!

by canela

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7 Gedanken zu “Mein Gremlin, der interne Beeinflusser

  1. weiss nicht, was süsser ist. der kleine hyper-nano, nano-mami oder dein schreibstil. hat mich alles gleichzeitig berührt

  2. Hallöchen,

    ja so ist das mit den Werbefuzzis. Wobei man sagen kann, daß es mit diesen Kleinigkeiten ja noch recht angenehm ist. Schwieriger wird es, wenn es sich um Maßgeblicher Dinge handeln soll, die wir tatsächlich brauchen oder uns nur eingeredet werden sie zu brauchen, wir aber mit weitaus weniger zurecht kommen würden.

    Ich glaube ich wäre kein guter Werbefuzzi, mein Werteverständnis und Gewissen machen da nicht so mit.
    Schön zu lesen war es aber trotzdem, ma(n)n halt richtige Bilder im Kopf, vor allen Dingen wenn man selbst Kinderchen hat.

  3. mich hätte ja zwar schon noch interessiert, wie lange du gebraucht hättest um einen bh auszusuchen, und wie gross am ende die warteschlange gewesen wäre…

  4. hier in den Niederlanden gibt es auch diese kleinen Extras, damit Mama oder Papa mehr Einkauft um die Begeerhten Murmeln und Cartoon figuren zu erhalten, Einige Verkäuferinen sind nicht so nett und bestehen auf den festgelegten Einkaufs wert. Aber dan sind Nette, Kinderlose, Metzger wie ich die , diese Extra beigaben an die Mutter hinter mir weitergeben und sich an dem Leuchten in den Gesichtern der Erfreuen

  5. @myspirit: mich berührt vorallem, dass ich nun vermehrt in die migros muss. 😉
    @gokui: werbung und marketing ist nicht gleichzusetzen. werbung ist nur ein teil des ganzen. aber das suggerieren von bedürfnissen oder konsequenzen macht auch die kirche. 😉
    @falki: 2 minuten! mehr nicht. ich probiere nicht, kenne ja meine grösse 🙂
    @raziael: manchmal muss man nicht immer dienst nach vorschrift machen, nicht wahr? 😉

  6. das war ja fast ein werbespot 🙂
    hoffentlich lesen die vom orangen m das nicht, sonst gibts vielleicht ein aufrunden-verbot! oder gar das gegenteil?
    hach, jaaa, suggestion von bedürfnissen. that’s the point.
    hm … bedürfnisse, von denen wir nicht einmal wussten, dass es sie gibt.

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