Frederik, der Milchzahn

Frederik ist der erste kleine Geselle, der den Mund meines Sohnes verlassen hat. Er hing seit ein paar Wochen schon in den Seilen und war schwach auf der Brust. Er war etwa 4 Jahre der ständige Begleiter meines Kleinen und hat so manches Essen wie auch Getränk gesehen. Doch gestern gab er den Geist auf nach einem Biss in den Apfel. Er krallte sich zwar noch fest ins Fruchtfleisch, verbissen nicht aufzugeben. Doch der Widerstand war zwecklos. Canelito pickte ihn erstaunt heraus.

Abends vor dem Schlafengehen wollten wir Frederik in Alufolie verpackt an die Zahnfee übergeben. Da sassen wir also zu dritt auf dem Bett und sprachen über diese Fee, die noch niemand gesehen hatte, aber immer genau wusste, wo ein Kind einen Zahn unters Kissen steckte. Frederik lag klein und ganz bleich in der Hand meines Sohnes. Und da geschah etwas Unerwartetes für mich. Canelito brach in Tränen aus.

„Ach mein kleiner lieber Zahn, ich werde dich so vermissen, “ schluchzte er. „Weisst du noch, als wir in Malaga waren am Strand? Wir hatten es so gut zusammen und nun muss ich mich von dir verabschieden, “ fuhr er fort. Ich war so überrascht über seine Reaktion, dass ich aufpassen musste, nicht auch in Tränen auszubrechen. Mit belegter Stimme fragte ich ihn:“ Ist der Abschied von Frederik so schwer? Ich weiss, dass wenn man etwas verliert, man sich zuerst an den neuen Umstand gewöhnen muss“. Canelito antwortete mir mit grossen, dunklen Tränenaugen: “ Mama, das ist so schlimm wie damals, als ich mich vom alten Kindergarten verabschieden musste. Ich habe doch Frederik geliebt!“ Und wieder weinte er bitterlich.

Ich schloss meinen Kleinen fest in die Arme und weinte leise mit, mich erinnernd an die vielen Abschiede meines Lebens.

„Willst du ihn noch etwas behalten? Du kannst entscheiden, wann du ihn ihr überlassen willst. Wir verstecken ihn vor der Zahnfee. Und sollte sie doch vorbeikommen, verpass ich ihr einen Kinnhaken!“ sagte ich schniefend. Ich stand auf, tat so, als ob ich mir selber einen Kinnhaken geben würde, liess mich aufs Bett plumpsen und machte eine Grimasse. Canelito lachte laut auf und meinte: „Mama du spinnst! Aber das ist eine gute Idee, versteck Frederik gut und ich werde selber entscheiden, wann ich ihn gehen lassen möchte.“ Schnell wurde Frederik in der Alufolie  in einer Küchenschublade versteckt.

Frederik schlummert immer noch im Dunklen. Vielleicht wird er heute Abend weggeben oder auch noch nicht.

by canela

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6 Gedanken zu “Frederik, der Milchzahn

  1. ach ihr zwei beiden … da bin ich gespannt wenn ich nächstmal am Morgen die Kaffeekanne suche was mir da entgegenblitzen könnte oder vielleicht gar wie auf einer Erbse schlummernd Frederik unter der Madratze … 🙂

  2. das alphabet im mund 🙂
    wie schön ihr das gemacht habt und wie sensibel canelito ist! bin berührt.
    tolle mutter, du!

  3. Ich habe meinem Sohn zu seinem 30. Geburtstag den ersten verlorenen Zahn (zusammen mit seiner letzten goldenen Babyhaarlocke) in einem kleinen Samtetui präsentiert. Es war sogar noch ein wenig getrocknetes Blut dran.

    😉

  4. @d’Frou G.: keine angst. die zahnfee ist doch noch vorbeigekommen 😉

    @Lost: das wird wohl canelitos laune bestimmen.

    @frau frogg: und diese ist sogar wahr 😉

    @sofasophia: na ja, er hat den darauf folgenden tag ganz unsensibel sein o.k. für die zahnfee gegeben 🙂

    @Eva: ich hoffe doch sehr, dass das getrocknete blut nicht an der locke klebte 😉

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