Gedanken zum bevorstehenden Wiegenfest

Neulich sagte mir ein Kollege, man könne sein Leben bestimmen und lenken. Bis zu einem gewissen Punkt stimmte ich dieser Meinung zu.

Doch ich wollte auch mit 27 Jahren ins Theater fahren, dabei prallte ein entgegenkommendes Auto in uns hinein. Totalschaden!  Statt im Theater, landete ich im Spital und das Theater begann. Nur anders als ich  es mir vorgestellt hatte und schon gar nicht mit mir als Hauptdarstellerin. Dass ich vier Tage darauf eine Prüfung absolvierte und diese auch bestand, grenzte an ein Wunder. Ich sah nämlich aus, als ob ich mit voller Wucht in die Frontscheibe geflogen war. Was ja auch stimmte. Canela als Aborigine. Mitleidige Blicke im Prüfungssaal waren mir sicher. Noch Monate danach drückte ich kleine Glassplitter aus meinem Kopf heraus wie Pickel.

Mir bedeuten Dinge nichts, worauf andere Wert legen. Imagepflege ist mir zu beschwerlich oder ich bin zu faul. Wenn man mich mag, gut. Wenn nicht, scheiss drauf! Umgekehrt schaue ich auf Kleinigkeiten, die andere als nicht nennenswert erachten. In gewissen Dingen sind meine Ängste geschrumpft in Anderen ist meine Vorsicht gestiegen.

Früher hätte ich gewissen Leuten ein Schimpfwort nach dem anderen an den Kopf geschleudert und gekündigt, weil sie sich nicht richtig gegenüber mir und anderen verhalten. Heute bin ich bedachter. Wenn man ein Kind hat, ist Rebellin sein, nicht so einfach. Man denkt für mindestens zwei. Oder bin ich einfach ein Feigling geworden?

Ich erinnere mich gerne an eine Zeit in einer Werbeagentur, deren Chef ein richtiger Despot war. Eines Tages platzte mir der Kragen und ich geigte ihm meine Meinung. Bis am Abend hatte ich einen Fristlosen kassiert, musste mein Pult räumen und war meinen Job los. Was war mir das scheissegal! Tempi passati oder der Katze haben sie die Krallen gestutzt!

Morgen werde ich 44 und ich finde diese Zahl absurd. Weil sie nichts mit mir nichts zu tun hat. So rede ich mir das zumindest gerne ein. Ich bin doch wie früher, versuche ich mich selber zu überzeugen. Doch das stimmt nicht!  Meine Impulsivität hat sich gemässigt und Rambazamba überlebe ich nur, wenn ich Tage danach eine ruhige Kugel schiebe. Sonst suhle ich mich in einer Müdigkeitsdepro.

Nichtsdestrotrotz, ( ich liebe das Wort, habe ich das schon mal erwähnt?) habe ich ein gutes Leben. Immer wieder überrascht es mich im positiven Sinne. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich gelernt habe negative Dinge auszublenden oder mich in traurigen Momenten so darin wälzen, bis der Schlamm getrocknet ist und ich die Kruste einfach abkratzen kann. Weg ist es.

Ich kann zumindest meinen 44igsten Geburtstag feiern. Ganz wenige, die ich kannte, haben das Zeitige schon gesegnet. Und da ich nicht weiss, wie es ist, tot zu sein, finde ich zu leben ganz toll. Vorallem wenn man in grosse Piemontkirschen-Äuglein schauen darf, die noch so viel entdecken wollen und man selber nicht ganz unschuldig an diesem tollen Werk war.

Kürzlich meinte mein Mini-me: Mama es gibt keine Zufälle! Und ich fragte: Gibt es denn Schicksal? Und er antwortete mit fester Stimme: Ja! Und er stürzte sich mit Löwengebrüll und mit seinen orangen Flügeli ins Kinderbecken.

Was will ich noch mehr?

by canela
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2 Gedanken zu “Gedanken zum bevorstehenden Wiegenfest

  1. Was sind schon Zahlen? Meinen 44sten hab ich vor zwei Monaten gefeiert … muss sagen, es fühlt sich gut an …

    Gratulieren sollte frau ja nicht im Voraus … doch meine besten Wünsche sind dir gewiss …

    lg, d.

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