Expedition beendet

Ich wollte einen Begleiter und Liebhaber, er einen Spielgefährten. Dass ich aber die Verantwortung trage, wer da kommt und schlussendlich wieder geht, war mir nicht so richtig bewusst. Wie immer war mir meine Naivität ein Dorn im Auge und liess mich nicht weit blicken.

Ich bin noch ungeübt in solchen Dingen. Alleinerziehend, zumindest teilweise, und Männer. Das ist eine Expedition in fremden Gefilden, da bin ich überfordert. Und vorallem hatte ich nicht die richtige Ausrüstung;  ich hatte nämlich gar keine dabei. So geht das nicht!

Nach den ersten Wochen Euphorie, die glaskare Einsicht: Das will ich nicht, das stimmt nicht für mich! Doch dieses Mal geht es nicht nur um mich, es geht auch um den Kleinen. Ich habe es ge-wusst, aber es war mir nicht wirklich be-wusst. Wenn man zwischen den Beinen denkt, ist das fürn Arsch!

Ich habe keine Ahnung, was ich erzählen werde, wenn mein Sohn nach ihm fragt. Er wurde von Marsmenschen entführt, er wurde von einem Löwen gefressen oder er ist in einen Vulkan gefallen. Alles Dinge, die sich ein kleines Kind vorstellen kann. Oder einfach: Er und ich passten nicht zusammen. Was für eine phantasielose Variante…

Laut dem Massstab in der Kinderabteilung von H&M bin ich mit meiner Körpergrösse ein 15-jähriges Mädchen und könnte dies zu meiner Entschuldigung hervorholen. Bin ich aber nicht. Die Expedition ist gescheitert, für mich ist das gut. Aber für meinen Kleinen?

Vielleicht sollte ich lernen, dass meine Körpergrösse keine Entschuldigung mehr ist  für kindliches Verhalten. Erwachsenwerden ist gar nicht so einfach!

by canela

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15 Gedanken zu “Expedition beendet

  1. Ich will gar nicht rausfinden, wie sich eine Expedition anfühlt, denn ich wäre definitiv überfordert.
    Die Kleinen kommen vermutlich besser damit klar als wir Erwachsenen und haben keinen Erklärungsnotstand.

  2. @diekreide: ja es bleibt mir nichts anderes übrig, als die wahrheit zu sagen. ist einfach und am bequemsten, aber am langweiligsten. vom löwe gefressen klingt doch viel abenteuerlicher…

    @rogerrabbit: du bist halt expeditionsunerfahren. aber das macht nichts. 😉

    @acqua: danke, du als wissenschaftlerin hast mich gerettet 😉

  3. Ich denke auch, dem Kleinen die Wahrheit zu sagen bringt weitaus mehr als irgendwelche Geschichten zu erfinden. Irgendwann kommt dann Tag X wo eine solche lüge zusammenbricht… garantiert… und dann?

    Kinder sind weitaus auffassungsbegabter als man denkt.
    Alles Gute für euch zwei.

  4. ich find „zwischen den beinen denken“ is gar nicht so übel, aber es bringt eben nur spass und keinen inhalt oder sicherheit…

    alleine glücklich sein und dann erst den anderen was davon abgeben 🙂

    sei umarmt

  5. Also, erst von Marsmenschen entführt, beim Abflug dann in einen Vulkan gefallen, beim Ausstieg dann von einem Löwen gefressen, ja genau – so musst Du es ihm erzählen, in dieser Reihenfolge. Das Wichtigste bei allem aber ist das Lügen. Lügen solltest Du auf jeden Fall. Denn daran soll er früh genug gewöhnt werden, dass er sein Leben lang angelogen werden wird, aus unterschiedlichsten Gründen und auch mal ganz ohne. Gaukel dem Nachwuchs bloß nicht vor, Du hättest ihn in eine heile Welt geboren, wo alle ihm die Wahrheit sagen, zu seinem Wohlerhalten, blabla – sonst haben selbst kleine Fische später ein leichtes Spiel mit ihm… don´t you think?!

    😉
    Katzenelson,
    es ist besser, Sie glauben mir kein Wort,
    wenn Sie die Wahrheit nicht vertragen…

  6. entscheide intuitiv, schau was dein kleiner wann macht und finde den augenblick deines wortes. manchmal warte man besser ab, bis sie fragen, manchmal ergibt sich eine schöne gelegenheit – beim kuscheln – wo man sagen: ach bin ich froh das ich dich ( noch ) habe, denn „er“ ist nicht mehr da ( oder so ähnlich ).

  7. @alle: ich sage es ihm, wenn er mich fragt. so wie bei den aufklärungsfragen. erst erklären, wenn man gefragt wird und nicht vorgreifen. oder so.. nehme ich an…

  8. Offtopic: Hey, mein Blog ist ja in Deiner BlogRoll! Lalalaaa… 🙂
    Darauf bist Du sicherlich sehr stolz.

    Katzenelson,
    mine is the internet, said the clown…

  9. Liebe Canela – nicht oft komm ich hier her – manchmal und lese mich dann fest – lange – das ich nun heut – wiedereinmal – zu diesem Text komme … ja und ja und ja
    Gedankengruess usem Gartehuus
    i gang es Blüemli für eu sueche

  10. @Tobias: ach das ist real life 😉

    @d’Frou G.: willkommen! ich mag blumen sehr! aber nur im „gartehuus“ oder auf dem feld. nicht geschnitten als blumenstrauss. 😉

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