Lass uns fliehen.

„Komm, lass uns fliehen!“ sagt er. „Ich will nach Venedig! Ich war noch nie in dieser Stadt“.

„Es ist schön dort,“ sagt sie und purzelt in das Grün seiner Augen.

Er fängt sie auf, wiegt sie wie ein kleines Kind. Leise hin und her.  Darauf drückt er sein Gesicht sachte an ihre Wange.  Seine Lippen berühren ihr Ohr und er flüstert: „Wir sitzen in den Zug und reisen durch die Nacht.“

Und der Satz sickert durch ihre Haut.

Ein Schauer.

Sie schliesst die Augen.

Mit seinen Fingerkuppen ertastet er ihre Antwort.

Er lächelt.

text by canela
music by sophie hunger, walzer für niemand

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4 Gedanken zu “Lass uns fliehen.

  1. Was ist schon ein Katzenjammer gegen ein Lachen…

    Wir erinnern uns: An dem Tag als Bertis Mutter starb, da hat er gelacht; hat gelacht, als seine Mutter starb, an dem Tag. Es war ein Lachen aus vollem Halse wie damals schon ach so lange nicht mehr; ein Lachen wie es in Bertis kleiner Heimatstadt noch nie dergleichen zu hören gewesen war – so ein Lachen war das und ganz befreiend gar. Immer lauter und lauter brach es aus ihm und war von seiner Bude bald auf den Stiegen zu vernehmen. Und Berti lachte und lachte, es war ihm ganz egal… an jenem Tag als seine Mutter plötzlich starb… derart schallend und hell, dass man es bald klar in den Etagen unten auch vernahm und wenig später auf der Straße sogar. Die Leute glotzten nach oben und einander an, und begannen dann angesteckt selbst das Lachen, um kurzerhand den Nächstbesten damit zu infizieren. Und also machte Bertis Lachen die Runde. Ohne, dass ihm irgendwer durch die Lappen ging. Bis an die Bushaltestelle beim Marktplatz fand Bertis Lachen sich ungehindert schnell ein, von einem auf den anderen übertragen. Und es stieg ein in die Linie Fünf, mit der es mancher mit nach Hause nahm, oder auf die Arbeit und zu Freund und Feind. Einige aber, und das war das Allerschlimmste wohl, trugen Bertis Lachen raus aus dem Kaff in den Bahnhof der entfernten Metropole. Dort hielt es Einzug auf den großen Straßen, in den Kinos, den Kneipen und auch in piekfeinen Restaurants, bewegte sich fort zu den Banken der Nation und ins Parlament und nicht zuletzt in den riesigen Flughafen auch. Dass ein Flieger nach Japan schon längst Verspätung hatte, war dem Lachen die Sache wert, und es stieg ein. Auch ein Flugzeug nach Amerika konnte gerade noch befallen werden, und in der Abflughalle für innereuropäisch Reisende machte es sich ebenso breit, jenes Lachen vom Berti, das an dem Tag ausbrach, als seine Mutter starb, ohne dass es irgendwer erklären konnte. Und so ging es um die Welt, unaufhaltsam und in Windeseile bald, immer weiter und heiter, von Mensch zu Mensch – über alle Grenzen und Ozeane hinweg. Nur beim Berti selber hatte es sich demnächst ausgelacht, als ihn nämlich seine Frau, die keinen Sinn hatte, wegen allem verließ. Da ist der Berti ganz traurig und kleinlaut geworden, genauso wie er es damals immer war, bevor jenem Tag als seine Mutter endlich starb. Er verschloss seine Fenster, ließ die Rolläden herunter und schmollte seiner Traurigkeit entgegen. Doch oh Wunder, da geschah es, dass einer vom staatlichen Untersuchungsausschuss aus der Stadt den Berti abholte und ins Gefängnis erstmal warf, wo just am selben Tag eine Chinesische Mafiatruppe auch landete, die nicht nur wegen ihres irren Lachens am Airport aufgefallen war. Und Berti erkannte auf Anhieb sein Lachen wieder, das ihm die Tage erst im Halse stecken geblieben war, und sofort fing er das Lachen wieder an. Vergnügt und heiter und lebensfroh, geradeso wie er es angefangen hatte an jenem Tag, als seine Mutter starb. „Mein Frau“, rief er ausgelassen mit Tränen des Lachens in beiden Augen den verdutzten Wärtern zu, „mein Frau hat mich verlassen, kurz nachdem meine Mutter starb!“ Und bald fingen genauso die Wärter das Lachen an, nahmen es angesteckt mit zu den anderen Zellen und in die Gerichtssäle auch, zu den Staatsanwälten, den Richtern und allen Leuten der Stadt und von denen weiter zu jenen, die gerade nach außerhalb reisten… und alles fing wieder von vorne an, wahrscheinlich bloß, um zu schauen, wo denn unsere liebe Canela nun eigentlich geblieben war…

    Hm? 😉

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