Eine Liebesgeschichte in zwei Akten

1. Akt

Er wollte seine Wut loswerden in dem er die Faust in meinem Gesicht vergrub. Er schlug fest und bestimmt zu. Als ich zu Boden sank, flog seine Hilflosigkeit über mich hinweg. Vorher spiegelte sich sein Gesicht in meinen aufgerissenen Augen. Jetzt waren sie geschlossen. Er musste sich selber nicht mehr sehen.

Als ich später mein blutiges Antlitz mit blau, violetten Flecken im Spiegel betrachtete, dachte ich:“So sieht also das Gesicht einer Frau aus, die geliebt wird!“

2. Akt

Er riss an meinen langen Haaren, in denen er vorher liebevoll gewühlt hatte. Der darauf folgende Schlag liess mich schneller als sonst zu Boden sinken und einen Haarbüschel verlieren. Ich war so müde. Doch dieses Mal – am Boden liegend – sah ich ihn an. Er ertrug meinen Blick nicht und stiess mir mit den Fuss in den Bauch. Ich krümmte mich, japste nach Leben, dabei griff ich in meine Jackentasche. Es waren drei Schüsse, mehr Kugeln hatte ich nicht gekauft.

Als ich dann sein blutiges Gesicht neben mir auf dem Boden liegen sah, betrachtete ich ihn liebevoll: „So sieht also das Gesicht eines Mannes aus, der geliebt wird!“

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12 Gedanken zu “Eine Liebesgeschichte in zwei Akten

  1. @Susa: wucht? ja die gibt es, wenn er tot umfällt.

    @P: nein habe ich nicht. er schlägt, sie bringt ihn um. umgekehrt wäre es eine zombiegeschichte.

  2. mich schockt die Geschichte, weil sie so echt wirkt… Und irgendwo frage ich mich, ob sie auch einfach so hätte davon laufen können… ohne eine Katastrophe meine ich.

  3. wucht trifft’s auf den punkt. kürzer könnte die story nicht erzählt werden. knapp, brutal, autentisch, tragisch. hut ab vor der schreiberin

  4. @andi: gottchen… ich und brutal? ich bin doch fürs schnulzige da….

    @theya: sie war echt – in meinem kopf.

    ich glaube sie lief nicht davon, weil sie, wie viele opfer -sei das nun mann oder frau – nicht davon laufen können. sie lieben, sagen sie. und das tun sie wohl auf ihre weise, die sie selber nicht verstehen und die anderen schon gar nicht.

    @roger: merci für den hut!

  5. sie war echt – in meinem kopf

    😯 Ich finde die Geschichte schon bedenklich aber diese Antwort ist noch besser. Respekt für deine Offenheit, ganz ohne Ironie!

    Gruß Jörg

  6. Pingback: Selbstdarstellung und Blogroll | Jokkels Thailandblog

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