Mach mal mehr Kinder, bevor du mitreden kannst!

Wenn man „nur“ ein Kind hat, ist es, als ob man fast keins hätte. So nehmen es zumindest einige Menschen wahr, die sich mehrmals fortgepflanzt haben.

„Was du hast nur ein Kind? Das ist doch easy!“ so der Tenor. Für Nichtkinderhabende ist schon ein Kind sowas wie die Entdeckung einer neuen Milchstrasse: Unendliche Weiten mit so vielen Sternen. Wie kann man nur alles erfassen?

Hat man aber mal den Lebenszustand von ohne zu mit Kid gewechselt, gibt es neue Hyerarchien, die mir früher als Nichtmutter völlig verschlossen waren. Hat man mehrere, also nicht nur zwei, sondern drei oder gar mehr Nachkommen, steigt das Ansehen. Zumindest bei denen, die schon welche haben.

Das interessante ist, dass man Menschen, die viele Kids haben automatisch mehr soziale Kompetenz zuspricht. Was auch möglich sein kann, aber nicht per se sein muss. So meine Erfahrung.

Erziehung hat nicht nur damit zu tun, dass man den den Kids etwas beibringt oder vorlebt, sondern wie man sich selber wahrnimmt oder wie man selbst mit Situationen umgeht. Ich ertappe mich immer wieder mit der Frage: „Stimmt das für mich selber, was ich meinem Kleinen sage oder beibringen will? Oder tue ich es einfach, weil „man“ es tut oder weil es mir meine Eltern so beibrachten, aber es mit mir als Person oder Einstellung gar nichts zu tun hat?“

Ich finde Erziehen etwas wahnsinnig Schwieriges. Ob man nun eins oder mehrere Kinder hat. Ich weiss, wie schnell man etwas Falsches tun kann, obwohl man im guten Glauben ist. Darum ist es anmassend von Eltern, die mehr als ein Kind haben, zu glauben, sie wüssten mehr über Erziehung als jemand, der nur ein Kind hat.

„Was nur EIN Kind? Pffft, das macht man doch mit links“ sagen sie Kuchen fressend mit ihren glänzenden Schweinsäuglein jeglicher Couleur. „Damit man davon etwas versteht, muss man mindestens zwei haben, noch besser drei. Sonst kann man über Erziehung gar nicht mitreden.“ Und ein weiteres Kuchenstück stirbt eines jämmerlichen Todes.

Das behaupten sie, die kurzhaarigen Blauwale mit dem Sex-Apeal eines Faultiers, dass sie etwas von Kindergrossziehen verstehen, weil sie mehrere Bälger um sich rennen lassen. Manchmal brüllen sie laut: Ruhe! Dann hört das Kindergeschrei für zwei Sekunden auf, um dann mit der gleichen Lautstärke fortzufahren. Wenn es dann unerträglich wird, kauft man einen Hamburger bei Mök Dino oder ein Computerspiel. Dann wird es leiser und man hat endlich seine wohlverdiente Ruhe. Denn Essen und Jammern bedarf hoher Konzentration. Die kann nicht durch quengelnde Kinder gestört werden.

So schiebe ich eine ruhige Kugel als Einkindmutter und weiss gar nicht, wie hart das Leben sein kann.

by canela

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11 Gedanken zu “Mach mal mehr Kinder, bevor du mitreden kannst!

  1. Jetzt stell dir erst mal vor, wie es ist, wenn man gar keine Kinder hat… Ein gesellschaftliches Nichts ist man da (zumindest was die Berechtigung in der Erziehungsfrage anbelangt – vernünftig denken lernt man ja bekanntermassen erst nach dem zweiten Kind).

  2. Lieber eine „faule“ Mutter mit „nur“ einem wohl geratenen und erzogenem Kind als eine dämliche Gebärmaschine, die sich ausschliessliche über ihre „Wurfquote“ definieren kann. Und nicht einmal das Mutterkreuz dafür bekommen :mrgreen:

  3. ich geniesse keifende frauen ;-).
    die buckelwale können mir mal den buckel runter rutschen. schlimmer find ich bloss noch; wenn mann/frau gerne kinder hätten, aber keines bekommen kann und dabei permanent von buckelwalen mit sätzen wie: „jetzt wäre es für euch dann aber mal zeit für ein kind“, bequatscht werden

  4. Hmmm. Ich konnte schon nach einem Kind mitreden.
    Dass ich am Ende mit drei Kids dastehe, lag an der Tatsache, dass das machen von ihnen so schön ist.

    😛

  5. Ich als Kinderloser glaub ja mal ins Blaue hinein, dass sich das schon ausgleichen wird. Mit einem Kind macht man sich mehr nen Kopp um das eine, mit zwei fluppt das mehr aus dem Rückenmark usw. Interessant nur, in wie vielen doch recht privaten Bereichen Hierarchien gebildet werden wollen. Auf Augenhöhe zu sein, ist wohl nicht so einfach, dann könnte man sich selbst ja in den Augen des Gegenübers sehen..

  6. @schildnoeck: hallo, lange nicht mehr gelesen! wenn man kein kind und vorstellungen hat wie man erziehen möchte, ist das normal. also die vorstellungen. aber eins weiss ich -ich war ja 40 jahre ohne kind – einige meiner vorstellungen über erziehung konnte ich komplett über bord werfen. weil ich wirklich keinen blassen schimmer hatte, was auf mich zukommen würde. auch wenn ich andere mit gofen sah oder erlebte.

    @katzenelson: für was bravo?

    @plasmaoxyd: ich mag es halt etwas übertrieben und bildlich.

    @ngb: ja wir armen unwissenden mit nur einem kind. 🙂

    @zores: ja wenn man etwas unkeusches tut, soll man kinder kriegen. ich lebe aber nicht unkeusch. leider 😦

    @leonope: he he bissig bissig, so wie ich es mag 🙂

    @roger:menschen, die für andere zeitpunkte für irgendetwas bestimmen, sind mir auch äusserst suspekt. sie scheinen keine eigenen perspektiven zu haben….

    @mme lila: 🙂

    @katzenelson: blauwale sind nur die, die meinen sie seien etwas besonderes weil sie mehr als zwei kinder haben. lila hingegen ist völlig in ordnung.

    @cupitronic: dein letzter satz ist schlichtwegs genial und trifft auf soviele menschen in den unterschiedlichsten situationen zu. super!

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