Sei nicht traurig mein Kleiner, das bin ich schon.

Als er in mir gesäht wurde, bekam er zur Hälfte meine Eigenschaften mit. Auch solche, die ich nicht so mag, obwohl ich persönlich mit ihnen fast Frieden geschlossen habe. Wie zum Beispiel meine Traurigkeit.

Meine Wehmut gehört zu mir wie meine Sturheit. Wie meine Lust mich zu betäuben und meine Kraft alles unter Kontrolle zu halten. Wie oft hat man bei mir eines gemocht und das andere nicht akzeptiert! Aber wie niemand aus seiner Haut kann, kann jeder an sich selber arbeiten. Es gibt keine Entschuldigungen. Nur verpasste Gelegenheiten, etwas ändern zu wollen oder etwas noch nicht erkannt zu haben.

Und doch hat man manchmal das Gefühl, man ertrinke in Leid. Weil all das salzige Nass nicht aufhört zu fliessen.

Wenn wir zwei kleinen Menschen sanfte Musik hören, kann es sein, dass er wegen dem Stück weint. Ich dann auch. Und so umarmen wir uns und warten bis die Traurigkeit vergeht.

text by canela
music by cinematic orchestra

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8 Gedanken zu “Sei nicht traurig mein Kleiner, das bin ich schon.

  1. Oh. ;-). Der Song erinnert mich an letzten Samstag, an eine Flasche Wein. Da war, trotz Sehnsuchtsfaktor in der Melodie, keine Wehmut.

    Es trifft den Nerv, wenns passt.
    Auch bei einer chronischen Rocklady wie mir.

  2. @rogerrabit: das finde ich per se auch nicht. nur wünscht man dem eigenen kleinen scheisser nicht als erstes traurigkeit im leben.

    @mme lila: ich habe zu diesem lied schon geliebt. es passt zu allem oder es holt das heraus was gerade ist.

    @leonope: herrlich dieser typ! da höre ich ihn ab und zu in meinem lieblingsradio und fand nie seinen namen heraus. danke 🙂

    @Tobias: ich glaube daran, dass man als kind seine gefühle ausleben muss und dass die eltern das fördern sollen. also ernst nehmen und nicht sofort trösten sondern dort sein, wo das kind gerade ist. denn nur so merkt man als erwachsener, dass das was man selber spürt, auch richtig ist. wiegeln erwachsene die gefühle des kindes ab, wird man als erwachsener die eigenen gefühle auch nicht ernst nehmen.

    @hierundjetzt: ventil gefällt mir. und es stimmt. dampfablassen tut gut.

  3. Habs alles brav gelesen, der Reihe nach, und am Ende also auch vom mitgebrachten Lied konsumiert.

    Now I got some holy shit in my stomach, coming up: Es macht sich in mir breit ein abgrundtiefes Tal aus tausend Plagen, die meine gar nicht sind. Schwermut steigt auf. Sieh nur, schon würgt sie mich; brodelt, zupft an mir und kneift bedrohlich. Dann ein erster Stich, im Tiefpunkt, Du weißt ja wo. Und ein dumpfer Schnitt. Wie konnte denn das nun wieder passieren? Mit einem Mal werde ich zerbrechlich. Der Geschmack von gesalztem Elend kriecht die hilflose Zunge hinauf. Noch ein Stich. Und mein Kopf, diese olle Wassermelone aus viel zu vielen Tränen, sitzt prallgefüllt aufm Hals und will platzen. Um das Blutbad in mir noch zu verschlimmern, vor lauter Traurigkeit…

    Ich brauche Trost und Rettung, gehe hinüber zur Entgleisten. Sie sitzt nicht mehr am Klavier, ich finde sie im Garten. Sie hat zuviel Schminke aufgetragen, sieht drum aus als sei sie aufs Gesicht gefallen und hätte bitterlich geweint. Auf der Wiese vor ihr spielt ein gutartiges Kind und lacht. Wir schauen ihm zu. Auch wenn uns dabei eine Unmenge an Gedanken durch die Köpfe geht, sprechen wir kein Wort. Bis die Sonne scheint.

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