Das Unbehagen der Geschlechter

Wenn Sonntag morgens andere Menschen schlafen, bügle ich. Um mir das Bügeln zu erleichtern, schaue ich Sternstunde Philosophie. Nicht dass es das langweilige Bügeln aufwerten würde. Oder man solle ja nicht denken, ich verstehe alles, was dort gesagt wird. Aber beides zusammen bringt mich in eine Stimmung, in der Bügeln und Denken erträglich wird.

Eines Tage sah ich eine Reportage über Judith Butler. Eine energische, intelligente und humorvolle Frau. Eine Philosophin mit klaren Worten. Alles was sie erzählte, leuchtete mir ein oder liess Fragen aufwerfen, die ich mir so noch nie gestellt hatte. Ich musste ihre Buch “ Das Unbehagen der Geschlechter“ haben.

Gestern im Zug schlug ich mich vollem Elan ihr Buch auf und las: Zitat „Während die Individuen scheinbar über eine unmittelbare Wahrnehmung des Geschlechts als einer objektiven Gegebenheit der Erfahrung verfügen, legt Wittig dar, dass das Objekt gewaltsam zu dieser Gegebenheit geformt wurde und dass die Geschichte und die Mechanismen dieser gewaltsamen Formung nicht mehr an dem Objekt in Erscheinung treten“

Nach ein paar Seiten im gleichen Stil, muste ich passen. Ich verstand nicht, was sie schrieb. Man muss seine Grenzen kennen und ich habe sie mit diesem Buch eindeutig erreicht. Und so kann ich jetzt nicht herausfinden, ob ich mich jetzt wohl fühle in meinem Geschlecht oder mit meinem Geschlecht, oder nicht.

Liebe Frau Butler, ich fand sie toll in der Reportage. Aber lassen sie sich etwas sagen: Sätze mit über 25 Wörtern sind fast nicht mehr zu verstehen. Bei 14 Wörtern sind die meisten Menschen dabei. Das ist das, was ich ihnen weitergeben möchte.

Ich hätte wirklich gerne gewusst, was das Unbehagen der Geschlechter gewesen wäre…

by canela

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6 Gedanken zu “Das Unbehagen der Geschlechter

  1. mann sollte seine sprache kennen *smile* eine der klarsten sprachen auf höchstem niveau hatte jeanne hersch (1910-2000), die genfer philosophin. sie schrieb folgende, auch für legastehnische männer absolut verstandliche sätze wie: „Eine Kuh glotzt, aber der Mensch kann der Welt staunend und fragend begegnen, weil er eine Vernunft hat und weil er die Freiheit hat, sich zu entscheiden. Vielleicht entscheidet er nicht, aber er könnte entscheiden. In der Folge ist er auch dafür verantwortlich, wie er entscheidet.“
    ich hatte sie irgendwie vergessen, aber dein post macht mir wieder appetit auf sie. sie war eine unabhängige frau, die sich von niemandem vorschreiben liess, was und wie sie zu denken hatte. wenn du lust auf ihre werke bekommst, hier ist wenigstens der wiki-link: http://de.wikipedia.org/wiki/Jeanne_Hersch

  2. Warum ausgerechnet viele (nicht alle) Geisteswissenschaftler krampfhaft Sätze klöppeln müssen, die kein Ende nehmen wollen, anstatt einfach das zu sagen, was sie sagen wollen, will mir auch nicht einleuchten. Fürchten sie, am Ende merken die Leser, dass der Verfasser doch nicht soviel schlauer ist als sie selbst?

  3. Ich bin mir auch nicht sicher, ob du hier deine Grenze erreicht hast oder die von Judith Butler. Es gehören ja auch beim sich verstehen immer zwei dazu.
    Aber die Fernsehreportage war super. Ich habe sie damals ja sogar der Sendung mit der Maus vorgezogen.

  4. Klarer Fall von daneben geschossen.
    Zur effizienten Schilderung komplexer Zusammenhänge ist ein gewisses Fachvokabular hilfreich, aber man muss sich dabei keinen Knoten in die Tastatur tippen.
    Man kann diesen Satz verstehen, aber er lässt sich verständlicher formulieren ohne an Information einzubüßen. Sie konnte oder wollte es nicht. Wieder eine Leserin weniger …

  5. Puuh! Das erinnert mich an die Zeit meines Studiums, als ich mich mit postmoderner Literaturtheorie auseinandersetzte. Meistens bekam man dafür ein 400 Seiten starkes Buch in die Hand. Eines, das man schon nach der Lektüre des dritten Satzes am liebsten wütend an eine Wand geknallt hätte. Ehrlich gesagt: Meine Auseinandersetzung mit der postmodernen Literaturtheorie war kurz und schlagkräftig, fruchtbar aber nie.

  6. @zores: he, das was du zitiert hast, gefällt mir. ich werde mir ein buch von ihr kaufen! oder kennst du eins?

    @buchstaeblich: deine these gefällt mir!

    gerade musste ich mir ein buch in den kopf regelrecht hineinpressen „strategie und techniken der werbung“, deren autoren auch nicht gerade leicht zu verstehen waren. fachlichkeit grenzt ein aber auch ab.

    @acqua: ja ich weiss noch deinen post. und ich fröhlich verkündete, ich habe das buch gekauft. und glaube mir, ich kann damit leben, nicht alles zu verstehen 😉

    @ngb: fachvokabular ist nötig. das it so. aber man kann es auch übertreiben. bei ihr erstaunte mich ihre „volksnahe“ art wie sie unterrichtete und dann ihr buch. eine grosse diskrepanz.

    @die frogg: eben genau das! ist es nicht sinn des lernens, dass es fruchtet? das war zumindest immer meine annahme.

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