Mein Erstes

Die Idee habe ich von ihm geklaut.

Ich habe mich lange gegen das Autofahren gewehrt. Bis ich mit 22 den Ausweis machte. Mein Auto war unspektakulär wie meine Fahrweise. Viel zu langsam wie C. immer meinte. „Fahr schneller!“ sagte sie meistens, wenn wir irgendwohin fuhren.

Es war ein neuer Toyota Starlet und es war weiss. Ich hatte mein ganzes Erspartes auf den Tisch gelegt und es gekauft. Ich hatte ihn billiger bekommen, weil er weiss war.  Ein weisses Auto war schon damals völlig verpönt. Mir war das wurscht, Hauptsache ich konnte damit fahren. Dass ich nie Fotos gemacht habe von meinem Ersten versteht sich von selbst. Ich weiss nicht, wieso ich es überhaupt hätte fotografieren sollen. Ein Auto ist ein Auto ist ein Auto.

Ich habe keine Typen mit meinem Auto abgeschleppt und meine Soundanlage war mehr schlecht als recht. Zum Aufreissen war dieses Auto völlig ungeeignet. Auch wenn es Starlet hiess.

Es lebte einige Jahre und ich hatte sogar Sex in diesem Auto. Ich glaube es war kein besonderer, weil ich kann mich nicht daran erinneren mit wem oder wie oft es war.

Mein Auto starb an einem Samstag. Ich wollte damals mit meinem ersten Mann – der noch nicht mein erster Mann war und gerade 3 Wochen meine Bekanntschaft gemacht hatte – in ein Theater. Er fuhr und ich sass daneben. Seltsamerweise trug ich gerade an diesem Tag nicht den Sicherheitsgurt. Gerade ich, die alle wahnsinnig damit machte.

Und so geschah es, dass wir einen frontalen Aufprall hatten und ich mit meinem Kopf die Frontscheibe zertrümmerte. Mein Auto starb sofort und ich hatte ein Gesicht wie ein australischer Ureinwohner.

Das Auto landete auf dem Autofriedhof und ich im Spital. Sein Tod kam schnell und unverhofft. Ich hingegen musste mich noch ein paar Jahren mit einigen Wehwehchen herumschlagen. Von Gleichgewichtsstörungen, dem berühmten Schleudertrauma bis nicht mehr rechnen können. Wobei das konnte ich schon vor dem Unfall nicht wirklich.

So wurde mein erstes Auto ganze fünf Jahre alt. R.I.P.

by canela

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10 Gedanken zu “Mein Erstes

  1. Witzig. Ich habe immer auf meine „persönliche Freiheit“ gepocht und dadurch den selbstverständlich auch den Gurt verweigert. Just an diesem Abend, an dem ich frontal in einem Telegrafenmast landete, war ich jedoch angegurtet – frag mich nicht warum. Wäre ich nicht angegurtet gewesen, hätte ich mich durch die Windschutzscheibe verabschiedet. So landete ich „nur“ im Spital, wo man mir mit ein paar Stichen meine Schädeldecke wieder zusammennähte. Vielleicht erklärt das ja auch einiges 😉

  2. @andi: lach! so ein geiles auto! meiner war halt nur ein japaner. aber deiner… wow!

    @ray: time did heal a lot of wounds.. heute bin ich beschwerdenfrei. auch wenn andere etwas anderes behaupten. aber sie wissen nicht,dass ich schon vor meinem autounfall so war, hehe !

    @leonope: stiche auf der schädeldecke?hey so cool! mist so was geiles kann ich nicht vorzeigen.

    meine nase war zwar zersplittert aber nur der länge nach, ist alles zusammengewachsen. sogar die glasscherben in meiner stirne sind rausgewachsen.

    ich kann mich nur blöd daneben benehmen und alle denken DAS sei normal….

  3. Wenn sie dir die Haare da vorne abrasieren ist das nicht mehr so cool 🙂 Aber das mit der „Verhaltensstörung“ ist ab und zu eindeutig ein Vorteil LOL

  4. @leonope: lach!

    das erinnert mich, als ein arzt mit der schere kam und ich schrie hysterisch: wehe sie schneiden mir ein haar, ich verklage sie!

    er hat sie tatsächlich nicht geschnitten…

  5. ou gopf – was für ein start in die welt der strassen. zum glück hast du keine folgeschäden mehr. das tönt na nicht gerade nach kleinem unfall… die idee vom ray, etwas über das erste auto zu schreiben finde ich auch toll und ich werde mal schauen, ob ich noch irgendwo ein foto finde…

  6. uff, glück im unglück hast du da gehabt.

    über das erste auto zu schreiben finde ich eine schöne idee. werde ich wohl auch in meinen blog aufnehmen das thema.

  7. @falki: das war doch erst 5 jahre später. mein start auf den strassen war langsam und bedächtigt. wie bei den schnecken 😉

    @hierundjetzt: ähm ja ich hatte sogar sehr viel glück, weil nach dem spitalaufenthalt – dessen ende ich früher veranlasste – ging ich an eine dreitägige eidgenössische prüfung. und bestand sie (ich musste nicht rechnen 😉 )

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