Fiktiv, aber doch möglich

Zwei Frauen in den 50igern oder eher bald 60igern sassen unter den Linden und tranken ihren gespritzten Weisswein. Stolz wiedermal alleine unterwegs zu sein, hatten sie sich piekfein aufgebrezelt und genossen ihren Abend. Bis wir zwei auftauchten und Champagner bestellten. Da brach ihre Welt zusammen.

Die eine starrte mich an. Es war Entrüstung und Verachtung in ihrem Blick. Eine Prise Neid brachte ihr Gesicht kurz zum Flackern. Genau dieses Aufflackern machte ihre Freundin aufmerksam und sie wendete den Kopf zu uns. Ihre Augenbrauen stiegen in die Höhe und ihre Stirne runzelte sich erheblich. Eine ehrliche Stirn, würde ich meinen. Eine mit Runzeln.

Er schaute mich an, ich ihn und er meinte gelassen: „Starren uns Fremde wieder an?“ Ich lächelte und nickte. „Stört es dich?“ Ich schüttelte den Kopf, nahm seine Hand und legte meine Wange in seine Handinnenfläche. Die Wärme seiner Hand liess mich kurz die Augen schliessen und ich atmete tief ein. Als ich sie öffnete, strahlte mich der Himmel aus seinen Augen an. Blitze kamen aber aus den Augen der Frauen.

Sie tuschelten und starrten uns unverhohlen an. Von oben bis unten wurde ich einem Scan unterzogen. Wie konnte ich nur? Ich jünger als er und so schamlos glücklich. Es musste das Geld sein. Etwas anderes konnte es nicht sein, ging es beiden durch den Kopf. Und sie waren noch entrüsteter als zu Beginn und ein grosser Schluck aus ihren Gläsern – gleichzeitig – liess ihren Ärger herunterspülen.  Gespritzter Weisser, Chamapgner käme ihnen nicht in den Sinn.

Ich grinste ihn an. Und er sah in meinen Augen den Schalk, der sich wie Quecksilber ausbreitete. Da legte ich seine Hand auf den Tisch und stand auf. Ich begab mich zu dem Tisch der Frauen. Mit grossen Augen starten sie mich und dann sich gegenseitig an. Bei der einen öffnete sich der Mund, der sich auch nicht schloss, als ich mich neben ihr setzte.

„Hallo ich bin Canela. Sie interessieren sich sehr für mich oder soll ich sagen für uns?“ Der offene Mund schnappte nach Luft. Die andere starrte mich erschrocken an. Ich flüsterte: „Wissen sie, ich habe einen Vaterkomplex! Darum bin ich mit ihm zusammen. Dass er viel Geld versteht sich von selbst.“ Grinsend zwinkerte ich beiden zu und stand wieder auf.

Er hatte soeben bezahlt und wartete im Stehen auf mich. „Du hast einen Vaterkomplex und ich bin reich?“ fragte er. Ich strahlte ihn an. „Sehr gut gemacht.“ lobte er mich und küsste mich auf den Mund. „Weisst du, dass ich dich liebe?“ Ich nickte und antwortete: „Ich dich!“.

by canela

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17 Gedanken zu “Fiktiv, aber doch möglich

  1. Pingback: Fiktives « Sympathischer Soziopath

  2. @mme lila: 🙂 das ist doch nur eine geschichte. bis jetzt….

    @leonope: SIE und BÖSARTIG? *entsetztgucke* habe ich jemals bösartige frauenzimmer in meinen geschichten? NIE 😆

    @hierundjetzt: ich auch nicht. oder vielleicht doch. kommt immer darauf an, ob ich den supergirl-modus angeschaltet habe oder nicht 😉

    @barbara: bienvenida! starren ist gut, zunge rausstrecken wäre aber besser 😉

  3. also ob der altersunterschied, vaterkomplex oder das männliche pendante mutterkomplex , so etwas besonderes wär.

    kinder erhalten immer eine prägung aus dem elternhaus. man(n) ( oder frau ) kann es dann negativ ( mit neidischen augen ) sehen oder positiv.

    außerdem früher – zu derer zeiten – wurden oft blutjunge mädchen von älteren männern geheiratet. vielleicht gibt es auch etwas was ältere männer haben, was jüngere fehlt ?

    zu zunge- rausstrecken: in etwa so wie der gute einstein was !?

    aber schöne geschichte ich kann den himmel in seinen augen förmlich sehen.

  4. ich habe ja nichts gegen ein nettes offene und spontanes gespräch, aber so @diefrogg sehe ich kaum eien grundlage für selbiges.

    wie soll man sich mit menschen unterhalten die sich schon vorher ein urteil bilden ohne auch nur das geringste über den oder die gegenüber zu wissen ?

    ein kontakt nach meiner erfahrung findet immer auf der basis eines gemeinsamer interessen statt oder auf der basis von offenheit – und nicht voreingenommenheit.

    man würde quasi seine eigene zeit, die ja bekanntlich sehr begrenzt ist, verpulvern um seine standpunkte und denkensweisen menschen nahe zu bringen, die ja eh schon „alles wissen“.

    somit sinnlose zeitvergeudung, sorry.

  5. @leonope: nein das ist doch die pure wahrheit. also das, was sie sagte…

    @gokui: ach weisst du, menschen reden immer und haben meist eine meinung, ob sie fundiert ist oder nicht. ich bin da nicht viel anders 😉

    @diefrogg: das wäre mal eine andere taktik. ich glaube, diese art konfrontation gäbe für beide seiten neue perspektiven.

  6. interessante geschichte aus der perspektive der jüngeren frau. ich hoffe nur, dass keine der älteren damen von ihrem älteren mann stehen gelassen wurde für eine 40 jährige blutjunge frau und nun mit 60, nachdem sie geholfen hat ein geschäft aufzubauen, die buchhaltung erledigt haben, die kinder durchs studium und den mann durch schlechte zeiten begleitet haben, nun mit der einzigen verbleibenden (ebenfalls verlassenen) freundin weisswein trinken muss. champagner liegt nicht drin, weil sie ja gütertrennung hatten und alles , vor allem die firma und das haus dem ex gehören, aber vielleicht in fünf jahren, mit der ahv liegt einmal im monat ein prosecco drin.
    liebe mädels in 20 jahren sind wir über 60 und die älteren männer, die ihre frauen für uns „jungen“ verlassen haben evt. tod. dann gibt es keine männer mehr für uns, denn die älteren männer bevorzugen june 40 jährige……

    nur eine andere optik der gleichen geschichte

  7. @soerli: diese seite der medaille gibt es immer und wir wissen beide: es können uns beide treffen!

    aber mir hat eine frau am 1.1.08 mein horoskop gelesen, als meine häuser und planeten und weiss ich was noch alles. dort stand – was ich schon immer vermutete – ich werde mein leben lang begleitet sein. ob mit mann oder sonst irgendjemand. ich mache mir keine sorgen wegen meiner zukunft….

  8. also wenn man sich auf das horoskop verlassen will ?

    man(n) oder frau sollte besser selbst schaue das ein pass- stück an der seite ist.

  9. @gokui: ich werde das seltsame gefühl nicht los, dass du den ironischen unterton in meiner schreibe nicht ganz verstehst 😉

    oder ich verstehe deinen nicht?!

  10. @canela: doch ich verstehe ihn schon, deshalb bin ich ja hier – ironie ist doch was feines.

    sie lässt soviele spielarten zu

    es sei denn ein anderer fall trifft zu: frau-deutsch/ deutsch-frau. also das typische „nicht verstehen“ zwischen mann und frau. aber um ehrlich zu sein glaube ich jetzt nicht dran.

    schönen abend noch

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