Das Mädchen mit dem Brombeerauge

Bei uns gibt es ein Mädchen, dass durch Ihre Körpergrösse ziemlich auffällt. Ich glaube, es ist mindestens 1.80. Wobei aus meiner Warte aus, fast alle 1.80 sind. Doch dieses Mädchen ragt richtig heraus aus der Masse.

Sie ist kräftig gebaut und wenn sie geht, wirkt sie sogar ein bisschen burschikos. Sie trägt Hip Hop-Kleider. Die Hosen hängen irgendwo unsichtbar am Hintern befestigt herum.

Sie ist hübsch, aber ich glaube, sie weiss es noch nicht. Sie ist in der Pubertät. In dieser Zeit verliert man sich und findet sich wieder. Dann verliert man sich und findet sich wieder. Bis man denkt, man habe sich gefunden.

Vor ein paar Tagen sah ich sie; sie ist ja nicht zu übersehen. Ihr Gesicht war violett und blau. Als ob man auf sie eingedroschen hätte. Ein Auge sah aus wie eine dicke Brombeere, die bald platzen wird.  Ich erschrak. Mein erster Gedanke war: Wer legt sich mit so einem grossen Mädchen nur an? Also ich hätte mich nie getraut. Und vorallem, wer hat soviel Kraft, sie so zu verhauen?

Als ich einen Berater fragte, ob er wisse, was mit diesem Mädchen passiert sei, meinte er, dieses Gesicht hätte man ihr wohl zuhause verpasst. Auf die Idee, dass jemand von der Familie das Mädchen so zugerichtet haben könnte, wäre ich nicht gekommen.

by canela

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5 Gedanken zu “Das Mädchen mit dem Brombeerauge

  1. ich habe einmal gesehen, wie eine kleine Frau mit einem Telefonbuch auf einen Mann, breit wie ein Schrank, eingedroschen hat.

    Schwäche ist kein Privileg der Kleinen.
    Macht ist kein Zeichen von Stärke.
    Gewalt ist ein Zeichen für Hilflosigkeit.

  2. wirst du etwas unternehmen?

    wann müssen wir handeln, wann dürfen wir uns nicht einmischen und wann müssen wir es sogar? ich habe einmal erlebt, wo unterlassene einmischung zu einem tragischen drama mit todesfolgen geführt hat… von daher, lieber einmal zu früh als nicht…

    gewalt ist ein zeichen für hilflosigkeit, genau!

  3. was ich bei der Arbeit auch feststelle: Es ist schwer, sich abzugrenzen, ohne selber hart zu werden. Es ist aber genau so schwer, helfen zu wollen und feststellen zu müssen, dass man selber ohnmächtig ist.

    Liebe Grüsse

  4. @nedganzbachert: deine drei letzten sätze könnte man sich eintätowieren…

    @hierundjetzt: vielleicht dachte ich nicht daran, weil es mir selber nie in den sinn kommen würde, meinen sohn zu verprügeln.

    @wirbel: morgen gibt es eine sitzung mit allen mitarbeitenden: was ist unsere haltung gegenüber solchen fällen, wie reagiert man oder eben nicht.

    ich persönlich kenne mich ja mit solchen vorfällen überhaupt nicht aus. aber ich arbeite ja fast nur mit sozialpädagogen und sonstigen soz oder agogen. bin also gespannt, was morgen herauskommt.

    @pipollina: meine kollegen tragen es mit ziemlicher fassung, im bewusstsein, nicht allen helfen zu können.

    ich frage mich nur, wie kann ein vater, eine mutter, ein bruder oder eine schwester sowas dem eigenen fleisch und blut antun? das ist, was mich beschäftigt..

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