Seltsames Leben

Seltsam und zugleich herausfordernd ist, wenn sich zwei verschiedene Lebensansichten oder -vorstellungen sich in einander verlieben. Schlimmer noch, sie lieben sich sogar.

Von dem pragmatischen, teils zentristischmaterialischtem Leben, das zwar viele Träume hat, sie aber nur als Antriebsmotor für das Schwelgen im Kopf nimmt, und sie nicht zulässt, weil es eben nur Träume sind; zu dem Leben, dass sich nicht mehr für Ruhm und Geld interessiert, wenn es die Lebenszeit beeinträchtigt und für die Liebe auch finanzielle Einbussen nimmt, wenn es nicht extrem wird und man dadurch hungernd unter der Brücke sitzt. Und sich so, durch seine Naivität auch in Engpässe begibt, die beeinträchtigend sind und unglücklich machen.

Da fühlt man sich als Opfer und ist dabei Verursacher. Getrieben durch das Gefühl, Dinge besitzen zu müssen, die einem den Mangel an Lebenszeit ausgleichen. Der Drang sich als ernährende Person zu sehen, die, ohne es zu merken, an den eigenen teilweise selbst geschaffenen Verpflichtungen erstickt.

Die andere Seite, welche sich auch als Opfer sieht, weil sie nicht versteht, was an einem Leben mit Luxus schön sein soll, wenn man immer müde und sogar krank wird, als Preis dafür. Die andere Seite, die in eine Lebensromantik flieht und das den Austausch von Liebe in allen Formen, als höchstes Gut betrachtet, aber davon nicht leben kann. Weil Geld regiert die Welt. Und darum genauso Verursacher ist, seines gefühlten Opferdasein.

Beide Seiten behaupten sich gegenseitig zu lieben. Aber Beide scheinen etwas anderes darunter zu verstehen.

Wer ist nun besser, oder anders gefragt, wer hat recht? Niemand? Beide? Kann man in schwarz und weiss denken? Wenn nicht, wie ist dieses gefühlte Grau?

Wie nun weiter? Wie zwei Lebensvisionen verbinden oder deren Grenzen aufweichen lassen, so dass sie zueinander fliessen können, um etwas Neues entstehen zu lassen? Was ist der Antriebsmotor, Konsens zu finden, einen Konsens, der beide Seiten gleichermassen überzeugt und der für beide Seiten lebbar ist?

Ich weiss es nicht.

by canela

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5 Gedanken zu “Seltsames Leben

  1. ich weiss es auch nicht. aber ich weiss, dass mich dieser text total berührt und sich mit meiner eigenen ambivalenz deckt und dass ich ganz genau weiss, wovon du sprichst…

    welche macht geben wir dem geld, dem vorhandenen ebenso wie dem nicht vorhandenen?

    danke für deine inputs!

  2. Der Mensch ist ein Ambivalentes Wesen. Die Vereigung scheinbar widersprüchlicher Charaktereigenschaften beschäftigt uns wohl schon seit Jahrtausenden und ist vielleicht sogar ein „alchemistischer“ Prozess. 😉

  3. @Wirbel: es geht hier auch um sichtweisen. nicht nur die eigene ambivalenz. bei der eigenen kann man sich entscheiden, wenn man möchte.

    aber die sichtweise eines anderen zu beeinflussen ist schwierig. wie man sich nicht gerne in die eigene wahrheit dreinreden lassen will.

    wenn man sich nicht ab und zu von draussen betrachtet und so sich abstand verschafft, kann es zu richtigen grabenkämpfen kommen zwischen beiden partnern.

    @der toby: ein alchemistischer prozess… gefällt mir als bezeichnung. es braucht methodik und durchhaltevermögen. trotzdem hatte es in der alchemie viele elemente, die nicht unbedingt den heutigen wissenschaftlichen standarden entsprechen. also etwas zauberei 🙂

    wobei liebe – richtige arbeit ist – das ist nicht ein geschenk, dass sich mit der zeit verbraucht.

    @Susa: erkennen heisst nicht umsetzen! so meine erfahrungen. beim erkennen muss immer wieder soviel leid – neutral gesagt ein wiederkehrender prozess – dazu kommen, dass man dann gezwungen wird, umzusetzen. aber das ist meine persönliche theorie…..

  4. erkennen, heisst ja, immer wieder von neuem dir zu begegnen. leid ermöglicht oder zwingt dich, dich weiter zu entwickeln. mit der zeit kommt die gelassenheit, mit der zeit kommt das wissen, was dir entspricht, mit der zeit, lebst du das, was dir gut tut, so wie du ein- und ausatmest, mit der zeit gibt es keine grabenkämpfe mehr, denn dein vis-a-vis wird im selben rythmus atmen, sonst wird es nicht dein vis-a-vis sein. mit der zeit….. aber vergiss nicht, deine gedanken, deine gefühle, deine bedürnisse sind nicht frei für einen einzigen partner. du denkst und fühlst für dich und canelito. aber mit der zeit…..

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