Wenn der Pawlowsche Hund einen Gang zurückschalten muss

elefanten.jpgIch bin ein Pawlowscher Hund. Kaum wurde geklingelt, senkte ich den Kopf und arbeitete zielstrebig und schnell, gelangweilt von der Materie und der Routine. Ich machte Marketing für vier Länder dazu kreierte, korrigierte und redigierte ich deutsche Texte.

Meine Arbeitstage wurde nicht mal vom Mittagessen unterbrochen. Ich ass und arbeitete weiter. Da ich während der Woche nicht mehr rauche, gab es nicht mal mehr eine Zigarettenpause. Abends fuhr ich nachhause, holte den Kleinen ab. Nachtessen kochen, essen und dann spielen. Zähneputzen und Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Dann Licht löschen und nochmals eine erfundene Geschichte zusammen erzählen. Feierabend. Das alles jeden Tag, fünf Tage die Woche.

Und jetzt?

Am neuen Arbeitsort freuen sich alle, dass ich dort bin. Eine solche Situation hatte ich noch nie. Das verunsichert mich, ungemein. Ich bin es nicht gewohnt, dass man mir konstant sagt, wie sehr man sich freue, dass ich nun da sei. Ich lächle sie unsicher an.

Stundenlange Einführungen. Alles wird mir bis ins Detail erklärt. Merke wie anders diese Menschen sind, als die, welche ich die letzten 15 Jahre kannte. Sozialpädagogen, Sozialdiakone, Primarlehrer…Mein Knie zittert vor Ungeduld. Ich will endlich arbeiten! Dann alleine. Also starte ich mit der Arbeit. Ich schreibe und schreibe, redigiere, mache neue Texte, Flyer, Webseiten organisiere Graphiker und Techniker.

Sitzung mit meinem Chef. Er meint, ich sei so fleissig, ich solle mich nicht übernehmen. Schluck! Was ist mit mir los? Ich und fleissig? Übernehmen??? Fleissig sein, klingt für mich wie, Biene Maja sammelt Honig. Sie kann nicht anders, schliesslich ist sie eine Biene.

Und plötzlich halte ich inne. Ich bin am Rasen und merke gar nicht, dass es kein Rennen ist. Ich habe Zeit und weiss nicht, wie ich mit der wiedergewonnenen Bedachtsamkeit umgehen soll.

Und nach drei Tagen in der Woche ist es aus mit Arbeiten! Ich habe Wochenende, dabei bin ich kopfmässig völlig im Schreiben drin, will nicht raus. Muss aber, Mist die Arbeitswoche ist vorbei.

Dann ist noch er da, der kleine Mann mit den dunklen Kirschaugen. Die Zeit, die ich mir immer so gewünscht habe, ist nun da. Aber ich weiss sie noch nicht zu nutzen. Ich bin auch hier überfordert. Ich lese und schreibe gerne und liebe Musik. Das war meine Freizeit, mehr nicht. Und nun das! Was fange ich mit diesen Tagen nur an?

Was soll ich mit ihm unternehmen? Was sollen wir all diese Tage zusammen tun? Was macht man mit einem fast dreijährigen Kind, das man zwar selber geboren hat, aber eigentlich nur im Urlaub längers sah? Was ist eine Mutter? Wie sind Mütter, die so wie ich waren oder sind? Nun bin ich bald drei Jahre Mutter und ich weiss immer noch nicht, wie eine Mama zu sein hat. Seltsam nicht?

Work-Life-Balance war mein Ziel. In Balance bin ich zwischen Arbeiten und privatem Leben noch nicht. Hier muss ich in einen langsameren Gang zurückschalten. Denn ich war nie eine Raserin, aber ich mochte es schon immer zügig.

by canela

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4 Gedanken zu “Wenn der Pawlowsche Hund einen Gang zurückschalten muss

  1. nimm ihn an die hand und zeig ihm die sterne, das wasser das land und er wird wissen dies all ist ein herz

  2. Esel-Hunds-Biene. Sie sind eine zoologische Sensation, Frau Zimt!

    Sie wird sich sicher einschaukeln, die Balance. Ich stelle mir eine Balkenwaage vor, bei der in der einen Schale viel mehr Gewicht war als in der anderen. Von dem Gewicht wurde nun ein grosser Teil entfernt. Jetzt schletzt diese Seite des Balkens natürlich nach oben. Und dann wieder nach unten. Dabei wird einem natürlich trümmlig. Und es braucht eine Weile. Dann werden die Ausschläge kleinern und die Waage pendelt sich ein. Im Gleichgewicht. Hoffentlich. So stelle ich mir das vor…

  3. Die Kunst der Langsamkeit ist genau deshalb eine Kunst, weil sie sich nicht schnell erlernen lässt 🙂 Ich habe heute schon Angst davor wie es mir gehen wird, wenn ich hier fertig bin. Dann habe ich Zeit en masse und MUSS diese irgendwie füllen. Ich kann sehr langsam sein wenn ich genug Zeit hatte mich zur Langsamkeit hinzutasten. Ist diese nicht da, dann bevorzuge ich es durchzumachen. Wir sind alle einfach krank LOL

  4. @gokui: ich bin jeden tag draussen mit ihm. wir wohnen an bächen und flüssen. bei den sternen hatter er auch schon behauptet, dass seien doch alles kleine möndchen 😉

    @acqua: lass mich einbalsamieren, wenn ich mal tot bin und stelle mich aus 🙂

    deine vorstellung ist meine vorstellung. ich dachte nur, dass ich den übergang spielender schaffe und wusste gar nicht, welches tempo ich eigentlich drauf habe.

    @leonope: manchmal geht es, langsam zu sein. aber du hast recht, einfach ist es nicht. was deine zeit betrifft, sag ich nur „wuff wuff“ 😆

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