Der Affe ist los

canelaaffe.jpgAls ich gestern Abend in Zürich ankam, wusste ich nicht, dass man einen genmanipulierten Affen aus einem geheimen Forschungslabor losgelassen hatte. Obwohl er menschliche Gestalt besass, weigere ich mich heute noch standhaft, ihn als Mann anzuerkennen.

Gestern also, in der Bar meines Vertrauens, sass ich am Tresen in der Nähe meines Bruders, der auflegte. Im kleinen Räumchen nebenan – unter Hirschgeweih und dem allumfassenden Blick der Mariastatue – feierte ein Menschenknäuel Geburtstag irgendeiner Frau.

Da ich alleine dort war, stellte ich mir den Abend so vor: Ich trinke einen Gin Tonic, nicke mit dem Kopf zum Takt der Musik und rauche. Nachdem dem zweiten Gin Tonic würde ich noch leicht meinen Oberkörper dazu bewegen und weiterrauchen. Mehr nicht. Doch es kam alles anders.

Es begann so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Ich bestellte einen Gin Tonic, zündete mir eine Zigarette an und nickte zum Takt der Musik. Wenn ich Musik höre, die mir gefällt, muss ich lächeln. Ich kann nicht anders. Also sass ich da, glückselig wirkend und auch seiend, und beobachtete die Menschen um mich.

Plötzlich setze sich ein Mann neben mir. Ich nickt ihn kurz an und gab mich dann wieder meinen Beobachtungen hin. Manchmal schaute ich in den Mac meines Bruders, um herauszufinden, wie das Stück hiess, das gerade lief. Aber ich merkte, dass mich dieser Mann unverfroren anstarrte, drehte ich mich um und fragte:“Was starrst du mich so an?“ Er antwortete: “ Darf ich nicht? Du wirkst glücklich.“ Ich meinte: „Ich bin es auch jetzt gerade. “ Er: „Wieso?“ Ich: Wieso nicht?“ Und so ging unser Gespräch weiter.

Er versuchte mir, während unseres Gespräches, weis zu machen, wie schwierig und kompliziert er sei. Ein Zeichen, sich interessant machen zu wollen, so meine Erfahrungen. Denn wer einfach ist, ist doch langweilig? So zumindest meinen einige Menschen.

Er erzählte ein bisschen, was er so im Leben machte und ich erzählte ihm von meinem Leben. Das Lustige ist, dass er mich völlig ungläubig ansah. Er meinte ich sei ihm am Geschichten erzählen. Aber da ich faul bin, lüge ich nicht. Was er nicht begriff. Echtsein kann ganz schön trügerisch wirken. Der Abend schien nicht wirklich interessant zu werden, da er immer versuchte, sich spannender zu machen als er tatsächlich auf mich wirkte. Vielleicht täuschte ich mich auch, aber das hätte nichts gemacht. Zumindest war ich ein bisschen am Plaudern. Als plötzlich ER kam!

Mit grauen Haaren, eher kleiner, machte er sich lautstark neben meinem Tresenmitstreiter breit. Wie ein Silberrücken Gorilla markierte er sein Territorium. Ich drehte ihm den Rücken zu, doch es half nichts. Ich musste mir sein Gelaber anhören. Brünftig röhrte er den anderen an, er werde eine von diesen Schlampen im Hinterräumchen abschleppen und vögeln. Weiter meinte er, diese Zürchertussen hier hätten keine Brüste, die sähen alle wie Männer aus.

Mit einem erstaunten Blick musste ich mich dann doch noch umdrehen und diesen Mutanten anschauen. Weil ein Mann konnte dieses Etwas nicht sein. Heimlich schaute ich kurz herum, ob nicht eine versteckte Kamera war. Doch dieses Ding, das wie ein Mann aussah, öffnete weiter und ohne Unterbrechnung seinen Mund und liess eine Banalität, ein Klischee und eine Dummheit nach der anderen heraus.

Wie in einer Zeitmaschine ins Paläolithikum zurückversetzt, sah ich mir diesen Primaten an. Von wo kam dieses Wesen nur? Gab es in Zürich ein geheimes Forschungslabor, dass Versuche am Mann machte und solche Monster erschuf?

Als er mich laut plärrend aus meinen Gedanken herausriss, meinte er, seine Freundin müsse sich die Titten operieren, er wolle keine schlaffe Säcke. Dann starrte er wohlwollen auf meine Brüste. Ich meinte: „Die sind echt! Aber nun zu dir, was das Silikon betrifft. Statt das Silikon für die Brüste deiner Freundin zu brauchen, sollte man dir eine gehörige Portion reinblasen. Du hast eindeutig zu viele Hohlräume in deinem Kopf!“ Er meinte dann: „Du bist eigentlich ganz hübsch für so eine Scheiss-Emanze! Wirst du genug gevögelt, dass du so redest?“ Ich: „Ja danke der Nachfrage, aber mit deinem Gesicht und dummen Maul, verhütest du sicher auf Nummer sicher und kriegst keine ab.“ Er lächelte: „Auf den Mund bist du ja nicht gefallen!“ Ich: „Nein, bin ich nicht. Aber du, wohl auf den Kopf nach der Geburt!“ und ich setzte mein süssestes Lächeln auf.

Aus der Menschenmenge tauchte eine braunhaarige Frau auf und sagte zum Tiranosaurusblöd: „Kommst du mit, ich will dich einer Freundin vorstellen?“ und weg war er. Wahnsinn, dachte ich mir, dass ich sowas noch erleben darf. Ein Mensch aus Vorzeiten, hier in dieser Bar und er konnte sogar reden!

Mein Sitznachbar meinte, er müsse jetzt noch eine Runde weiter. Er liess mich mit meinem zweiten Gin Tonic, meinen Oberkörper bewegend und rauchend zurück. Immer noch lächelnd, aber auch sehr in mich versunken, versuchte ich diese Zeitreise zu verarbeiten.

Ich hatte mit einem Neanderthaler gesprochen und diese eindrückliche Erfahrung konnte mir niemand nehmen.

by canela

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14 Gedanken zu “Der Affe ist los

  1. lach, und doch gibt es immer noch Menschen die eine Abstammung vom Affen leugnen 🙂
    Silikon als Hohlraumfüller finde ich gut!

  2. Neben Dich setze ich mich auch mal.
    Dein glückliches Nicken muss ich mir einfach mal schmunzelnd zu Gemüte führen.

  3. ich hatte mal einen am tisch, der ungefragt sofort in die unbekannte runde von seiner spermadichte zu erzählen begann. ehrlich gesagt, ich würde das auch gern für eine stunde ohne lachen zu müssen können. wir sind alle gefangene.

  4. seh schön zu lesen.
    obwohl ich mal wieder nicht so glaube kann das die story echt ist. zutrauen würde ich es dir aber trotzdem.

  5. @Ralfi: o.k. mir kam für steinzeitliches getier kein besserer ausdruck in den sinn. aber ich bin überzeugt, dass der tyrannosaurus mehr iq hatte als mein mutant 😉

    @andi: als forschungsobjekt wäre dieser mann sicher ein näherer blick wert. weil ich ehrlich gesagt, so einen typen, schon lange nicht mehr traf. ich dachte immer solche seien ausgestorben….

    @nichts: neben sitzen ok. drauf sitzen nähä!

    @plasmaoxyd: der gin tonic hat ihn erträglich gemacht…. hier wird nichts verschüttet!

    @cupitronic: spermadichte? gute idee, ich könnte mal mit so einer geschichte kontern, falls mich so ein mutant wieder anspricht. ich kann das auch in ganz ernstem gesicht erzählen.

    @gokui: hauptsache es war lustig zum lesen! und leider in sehr vielen teilen echt. aber max frisch sagte: „die beste und sicherste tarnung ist immer noch die blanke und nackte wahrheit. die glaubt niemand! „

  6. und das alles hinter meinem rücken?

    ich hatte am vorabend übrigens ein ähnliches erlebnis in einem club. aber flüchte mal durch einen überfüllten dancefloor…. mit krücken!! 😉

  7. @risikogruppe: tja! wenn du arbeitest, bekommst du nicht alles mit. ich glaube, das ist ganz gut so. à propos krücken, du hättest mir eine geben können als kampfinstrument 😉

    @skibowski: ja ganz tief drin seid ihr es! nur weigere ich mich zu glauben, dass du dich mit diesem mutanten solidarisierst. 🙂

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