Der Duft der anderen Welt

ancanelasfluss.jpgMeine Arbeitskolleginnen, Frauen über 50, riechen gut oder nach nichts. Obwohl sie behaupten, sie schwitzten oft und es sei ihnen unangenehm.

Ihre Parfums sind dezent und unaufdringlich. Und ihre Gesichter sind für mich ungewohnt vom Leben gezeichnet. Kein Wunder, schaute ich vorher in meist jüngere oder gleich alte Antlitze.

Dann aber schwebt ein süsses, eher billiges Parfumgemisch in den Gängen oder Toiletten herum. Es besteht aus Essenzen junger Frauen, die sich geruchlich noch finden müssen oder einfach kein Geld haben, gutes Parfum zu kaufen.

Sie sind bei uns, weil sie herausfinden wollen, was sie zukünftig machen werden. Oder sie arbeiten, um einen geregelten Tagesablauf zu kriegen. Die jungen Männer riechen entweder nach Schweiss oder gutem Parfum, ganz wenige nach nichts. Sie laufen herum, posen breitbeinig und schauen arrogant. Dabei rieche ich von weitem ihre Angst, zu versagen oder es nicht zu schaffen.

Gegen Mittag riecht es nach Essen. Junge Menschen, die eine Attest-Ausbildung als Küchenangestellte machen, kochen und richten die Teller an. Das Essen ist gut für eine Kantine.

Im Nähatelier riecht es nach Gegensätze. Edelkrawatten werden genäht von Menschen, die aus dem sozialen Netz herausgefallen sind. Sie kommen von den Gemeinden und ergreifen die Chance, eine Tagesstruktur zu erhalten plus ein bisschen mehr Geld als vom Sozialdienst. Gebraucht zu werden und aufgehoben zu sein in einer Gruppe duftet gut.

Mein neuer Job riecht anders. Mir gefällt dieser Regenbogen an Gerüche. Er ist so anders, als das, was ich schnuppern durfte in meinem Berufsleben. Ich könnte mir vorstellen, dass mir diese Arbeit nicht so schnell stinken wird.

by canela

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7 Gedanken zu “Der Duft der anderen Welt

  1. Endlich wieder was zu lesen bei dir :-).

    Mich überrascht dein Text nicht, gar nicht. Ich wusste, dass du dich an deinem neuen Ort sehr gut (ein-) fühlen wirst.
    Bin gespannt auf deine Storys .

    LG. !

  2. Es riecht?

    Es riecht nach Edelkrawatten?

    Schön strukturierte Seide mit zweifachem Futter unterlegt, damit der halbe Windsor Knoten auch in einem weiten Kent Kragen eine volle, symmetrische Form erhält?

    Hei, das riecht aber gut 😉

  3. @acqua: es riecht mehr nach eseln, als nach schweinen 😉

    @Susa: na ja mir ist der neue ort geruchlich sehr sympathisch.

    @mme lila: irgendwie hatte ich keine lust. da ich beim arbeiten schon seit tagen am flyer texten und jahrebericht schreiben bin. aber jetzt kommt es langsam wieder.

    @nichts: nein es riecht nicht nach edelkrawatten, aber er riecht nach dem gegensatz zwischen arm und reich – im übertragenen sinn. wobei ich müsste mal an einer krawatte schnüffeln…

    aber es stimmt. sie haben ein zweifaches futter. und die anleitung für den windsor knoten, war einer meiner visuellen ideen für die gestaltung des jahresberichts. wer weiss, wie er sein wird.

  4. @toby: nein, ich heisse nicht jean-baptiste grenouille. ich habe – im gegensatz zu ihm – einen eigengeruch. laut aussagen dritter, sogar ein feiner 😉

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