Hey Herr Tod!

gartenhag.jpgSehr geehrter Herr Tod oder soll ich lieber Herr Tod schreiben? Lassen wir die Formalitäten, die mag ich nicht. Denn wir kennen uns, nicht wahr Herr Tod? Wir sind uns nicht unbekannt.

Also sage ich: Hey Herr Tod! Lass deine verdammten Drecksfinger von ihm und such dir jemanden anders!

Seit ich ihn kenne, mischt du dich ein. Schlägst immer wieder zu und lachst dir ins Fäustchen. Du bist das fünfte Rad. Ist dir das nicht peinlich? Immer kreuzt du unsere Pläne und unsere Freude findet ein jähes Ende. Findest du das witzig?

Ich habe Veränderungen nie sehr gemocht und mittlerweile hasse ich Warten. Also lass ihn in Ruhe für ein paar Jahre oder gib uns unsere Zeit. Er wird zu dir kommen, wie wir alle. Aber jetzt noch nicht.

Advertisements

9 Gedanken zu “Hey Herr Tod!

  1. Sh…! Du kommst nicht zur Ruhe, was ?
    Ich erspare dir hier Floskeln: Wir sehen uns und ertränken la mort (warum hier in weiblicher Form ?!) in hochprozent.

  2. lass doch den armen herrn tod in ruhe. der macht nur seinen job, und das ist kein honiglecken. vor einiger zeit war er bei mir, und ich hab ihm seine arbeit auch nicht leicht gemacht. zum schluss musste er einen doppelten grappa trinken und unverrichteter dinge abziehen.
    ausserdem, ist das festhalten am leben überaus weit verbreitet, so das der arme kerl nirgends gerne gesehen wird.. 🙂

  3. Müde

    Ständig hatte sie gefroren. Auch noch wenn wir sie in dicke Decken gehüllt und ihr die Mütze übergezogen hatten; und obwohl ihre Stirn wie ein lichter Ofen glühte. Doch nie hat sie gejammert oder sich beschwert. Zitternd saß sie da, bis sie kraftlos auf ihrem Stuhl in den Schlaf überkippte, das kleine Kinn auf die vermummte Brust gesenkt. Ein Haufen Elend. Dabei muss sie im Schlaf zufriedener gewesen sein, fern der Schwäche und all ihrer Kälte. Niemand hätte es gewagt, sie nun zu wecken und ins viel bequemere Bett zu verbringen. Also schlief sie meist bei uns im Salon auf dem Stuhl. Man sah sie ja kaum unter all den Decken und der riesengroßen Wollmütze, auch im schönsten Sommer nicht. Sie hat uns nie gestört. Ach, hätte sie doch nur. Kein Arzt wusste Rat. Und eines Morgens dann hatte die Kälte vollends von ihr Besitz genommen. Der Hund jaulte, die Katze suchte das Weite, Mutter schrie und Vater schluchzte. Die Oma schlug den Köter und fing das Beten an. Die vom Bestattungsunternehmen haben bloß mal mit den Schultern gezuckt, sie langsam aus den Decken geschält und auch die Mütze abgenommen. So haben wir sie also nochmal gesehen. Mein Gott, wie schön sie war. Lisa ist nur fünf Jahre alt geworden, da war ich bereits sieben. Ein Engel war sie, ein Engel soll sie ewig sein. Ihr Stuhl steht jetzt in meinem Zimmer; ich hocke drauf. Mir ist kalt. Ich sollte besser das Fenster zusperren. Hätte ich nur die Kraft. Dieser blöde Juliwind macht mich ziemlich kirre, und ich friere. Nur gut, dass Lisas Mütze noch passt, sitzt mir tief bis in die Stirn gezogen. Ich zupfe die Decken zurecht. Und warte auf den Schlaf. Und Lisa. Vielleicht wartet sie ja auch auf mich.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s