Da stehen wir nun, wir Töchter

Seht her, wie schön wir in Reih und Glied stehen! Sind wir nicht hübsch? tanzende-gorls.jpg

Wir Prinzessinnen mit den Krönchen! Verliehen von unseren Vätern und Müttern. Wir Showgirls auf der Bühne der Träume unserer Eltern.

Wir sehen uns ähnlich, wir Töchter von Spaniern und Italienern. Wir sind Gastarbeitertöchter, denen man eine grosse Familie prophezeite. Und eine bessere Zukunft.

Unsere spanischen und italienischen Eltern haben uns das gleiche Kleidchen zugedacht:

  • Sei hübsch, aber eine anständige Frau.
  • Habe möglichst wenige Männerbekanntschaften.
  • Gebäre Kinder und mach deinen Mann glücklich.
  • Arbeite regelmässig oder mach sogar ein bisschen Karriere!
  • Sei wählerisch, aber nicht zu sehr.
  • Mach uns stolz!
  • Sei eine liebe Tochter!

Wieso sind wir nicht das geworden, was sich unsere Eltern für uns vorstellten? Wie konnten wir es nur wagen, ihre Träume und Hoffnungen zu zerstören. Denn ihre Ehre haben sie wegen uns schon lange links liegen lassen.

Die meisten von uns sind kinderlos. Und wenn wir Kinder haben, waren sie nicht geplant. Vorallem kamen sie nicht in der richtigen Reihenfolge, nämlich nach der Heirat.

Viele von uns haben nie geheiratet. Und wenn wir es doch taten, war es spät oder wir sind schon wieder geschieden. Wieso halten wir nicht aus wie unsere Mütter? Wieso ziehen wir die Dinge nicht auf die harte Tour durch wie unsere Väter?

Eines Tages mit 30 oder sogar mit 40 stellst du dir die grosse Frage: Ist das mein Leben?

Du heiratest einen Mann, den du nicht begehrst, aber Sicherheit verspricht. Du feierst eine Hochzeit, die nicht deine ist. Und du kriegst ein Haus, indem du dich nicht wirklich wohl fühlst. Wie sie dich bewundern! Dieser Schein gefällt allen, sogar dir selber, solange du dich blenden lässt! Meine Tochter hat es geschafft, denken deine Eltern. Und ganz tief drinnen sind sie überzeugt, sie selber hätten es jetzt geschafft. Durch dich und wegen dir.

Eines morgens wachst du dann neben einem Mann auf, den du nie geliebt hast. Dein Mann ist dein Mann? Dein Bett ist dein Bett? Und dein Haus, ist dein Haus? Was heisst hier deines? Und du weisst, dass du ein Spiel gespielt hast, dessen Ende du schon kanntest, aber nicht wahrhaben wolltest.

Nachdem du Jahre deines Lebens, ein Traum deiner Mutter oder deines Vaters gelebt hast, wachst du eines Tages auf und willst dein eigenes Leben zurück. Und das schlimme ist, du kannst nicht deinen Eltern die Schuld für dein Nichtleben geben. Du bist ihre Tochter, aber nicht mehr ihr Kind. Du hast mitgemacht und tief im Innern gewusst, dass dieses Leben nicht für dich stimmt. Dann brichst du mit all ihren Wünschen und Vorstellungen. Und sie fragen: Wieso? Du warst doch immer so glücklich?

Und wenn du dich trennst, wieder deine eigene Wohnung und dein eigenes Bett hast, liegst du nachts schlaflos und bist traurig. Traurig für deine eigene Feigheit, traurig für die Ignoranz um deine Bedürfnis, traurig für das versäumte Leben. Und du weisst, du bist selber schuld.

Dann merkst du, dass du gar nicht weisst, was du wirklich möchtest oder wie du wirklich bist. Ist dein jetziger Beruf wirklich das, was du tun wolltest? Was für eine Beziehung möchtest du? Und während andere sich vielleicht schon gefunden oder sich mit ihrem Leben arrangiert haben, fängst du nochmals von vorne an. Und suchst dich.

Dabei wolltest du doch nur, dass dich deine Eltern lieben und stolz sind auf dich….

by canela

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13 Gedanken zu “Da stehen wir nun, wir Töchter

  1. beim aufwachen habe ich geschrien, geschrien….. mir die ganzen „kronen und perlen“ von der seele geschrien. die ganze scheiss fassade weggeputzt. hat das gut getan…..en el fondo, en el fondo del fondo, wissen sie, dass ich nur so glücklich werden kann. ich weiss es ganz genau. ich sehe es in ihren gütigen, müden, nicht mehr erwartungsvollen emigrantenaugen . gracias canela

  2. Mir scheint, der Unterschied zwischen den Töchtern der Gast-arbeiter und jene der anderen Töchtern, ist nur ein Hauch. Wenn überhaupt.

    Auch sie haben versucht ein Leben zu leben, eines, das nicht dem Traum der Eltern ähnelt. Sie erlitten Schiffbruch und sie rapelten sich wieder auf.
    Und wieder.

    Oder…hat das am Ende damit zu tun, dass Schreiberin ihre Wurzeln woanders hat ?

    Lg !

  3. Ich weiss auch nicht, warum Du die Herkunft der Eltern erwähnst. Die Umstellung war in der Schweiz weniger rasant als hier. Verrückt hier.

    Aber deine Eltern sind ja hier, hast Du gesagt, und die Distanz kommt ihnen nicht nur als eine Wegstrecke vor. Wenn Du einmal heimkommst, hierher, siehst Du nicht selbst für Deine hiesigen Nachbarn wie eine Touristin aus? Und vielleicht denken Deine Eltern (wie meine einmal) Du habest Dich eben distanziert.

  4. @andréschneider: gell hübsch sind sie die mädels. ist eine postkarte aus meiner sammlung.

    @ariadnaenlasnubes: ich habe mich besoffen 😆 nein aber im ernst, irgendwie waren unsere oldies vor 40 jahren, wie die ausländer aus den balkanstaaten, die wir jetzt in der schweiz haben.

    @mmelila: sehr unterschiedlich wird es wohl nicht gewesen sein. nur das ich z.b. mit 20 gegen 24.00 zuhause sein musste. und mit 16 fester überzeugung war jungfrau in die ehe zu gehen (wahnsinn!) und als ich mit 22 auszog, wurde ich eine zeitlang verstossen und durfte nicht nachhause. unverheiratet und ausziehen, oh gott oh gott! 😆

    aber mein ausgang war länger, als der meiner italienischen kolleginnen . meine eltern waren wahnsinnig modern 🙂

    @hierundjetzt: dein vater hat dir aus gesagt, dass seine ehre von deinem häutchen abhängt? 😉 dann ist er ja ein richtiger südländer!

    in vielen dingen werden sich unsere eltern sicher nicht unterschieden haben. aber wie gesagt, vor 40 jahren waren die südländischen familien einiges konservativer als die schweizerischen. viele meiner schweizerischen schulfreundinnen durften mehr als wir.

    @globy: in gewissen dingen glaube ich auch…

    @cantueso: weil es wichtig ist.

    meine eltern lebten 32 jahre in der schweiz. ich bin hier geboren. nachher gingen sie zurück nach spanien.

    spanien ist nicht mein zuhause. die schweiz ist mehr mein zuhause. und meine familie also mein sohn und mein liebster sind mein richtiges zuhause.

  5. Canela:

    Ich habe es eben umgekehrt mitgekriegt und dachte, Deine Eltern schmerzt eine kulturbedingte Entfremdung. So ist es z.B. für einen Schweizer einfach unverständlich, dass hier eine Frau bei der Heirat ihren Namen nicht wechselt. Einige Leute weigern sich geradezu, eine diesbezügliche Erklärung abzuhören, dies oblgeich all over the world and also in Switzerland ein Kalb und ein Füllen den Namen der beiden Eltern trägt. Da hab ich Geschichten gehabt, aber auch mit meinem Vornamen.

    Ich hiess dort „Anita“, und das heisst hier „Ännchen“. Sobald ich dies (ein wenig spät) begriff, stellte ich auf „Ana“ um, gewöhnte mich an „Ana“, unterzeichnete mit Gruss von „Ana“, und meinen Lieben dort kam das vor, als ob ich mir einen Künslernamen zugelegt hätte ..

    So und ähnliches, viel.

  6. ja, in diese richtung ging das bei mir. er hat es nicht so gesagt, aber sich so verhalten.
    viele mädels in meiner klasse, darunter manche südländerin, durften einiges mehr an freiheiten geniessen…
    für mich ist das ganze daher eine sache der einstellung und nur bedingt der herkunft.

  7. @cantueso: meine mutter war auch völlig entsetzt, dass sie wie mein vater heissen sollte, als sie hier in der schweiz lebte und war froh, als sie zurückgingen, wieder so zu heissen, wie sie halt richtig heisst. dass die kinder beide nachnamen haben, finde ich auch richtig.

    das mit dem 🙂 künstlername ist gut!

    ich habe einen doppelvornamen, der in der 1. klasse sofort „kastriert“ wurde. meine eltern nennen mich heute noch beim doppelvornamen. alle anderen kennen mich mit einem vornamen. nur mein liebster nennt mich manchmal mit doppelvornamen. das macht das ganze irgendwie heimlig 😉

    @hierundjetzt: ja dann verstehe ich deine aussage. 🙂

  8. Und Deine Eltern– denkst Du nicht, dass man ihnen noch mehr zumutete als Dir? Wieviel Zumutung stand Deine Mutter aus, als sie den Mut aufbrachte, auszureisen?

    Ich predige hier, man solle drei Monate nach England gehen um Englisch zu lernen. Nada. Haben Angst? Mama kocht besser? England ist Ausland und wer weiss?

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