Das Märchen von der Hofnärrin

Es war einmal ein König und seine Entourage, die viele Träume hatten. Trotz unrealistischen Vorstellungen, man kannte nicht mal die genauen Marktzahlen, meinte man, man könne die Umsätze in einigen Märkten verdoppeln. So stellte man Leute an, um das Gefühl von Grösse zu kriegen und schwelgte im Wahn der Weltherrschaft.

Man wusste nicht genau, ob man den budgetierten Umsatz schaffen würde oder nicht. Aber man hoffte und betete. Sowas nannte man Management by Lucky Strike. Als sich Bauer und Bedienstete meldeten und ihre Bedenken kundtaten, verwarf man diese immer wieder. Der König war brüskiert, dass das einfache Fussvolk sich anmasste, mehr zu wissen als er. Wo kämen wir da hin, wenn ein einfacher Bauer oder eine Kammerzofe, dem König sagen würde, wie man Umsatz scheffelt?!

Die kleine Hofnärrin war wie eine Sibylle in Griechenland, sie sagte die Zukunft voraus. Aber die Entourage des Königs lachten sie aus. „Was? Wir werden den Umsatz nicht erreichen, spinnst du? Du bist aber ein lustig Ding! Wie kannst du nur die Voraussagen und Träume unseres Königs bezweifeln? Du Hofnärrin!“ Und sie antwortete: „Ihr habt doch nicht mal Werkzeuge, um eure Interessenten zu tracken. Ihr wisst nicht, wann wer kaufen wird und ob überhaupt? Wie könnt ihr da so sicher sein?“ Da kam der König und schnauzte sie an: „Du kleines dummes Ding! Du bist da, um die Leute zum Lachen zu bringen. Und nicht um Umsatzprognosen zu machen! Schreibe an deinen Geschichten weiter, weil das ist das einzige was du kannst.“

Eines morgens kam die Hofnärrin zur Arbeit und sie wurde ins Turmzimmer gerufen. Der König sass da, mit einem Mitglied der Entourage. Er sagte: “ Ich habe beschlossen, dass du gehen musst, wir werden dir kündigen! Wir erreichen die Umsatzzahlen nicht. Obwohl du deine Arbeit super gemacht hast, musst du gehen.“ Die Hofnärrin war erstaunt. „Wieso muss ich gehen? Ich habe alles erfüllt, was ihr wolltet und ich habe euch alle zum Lachen gebracht. Wieso muss ich nun gehen?“ fragte sie. Der König erwiderte: „Weil ich das so beschlossen habe. Ich kann doch niemand von meiner Entourage kündigen. Ich brauche sie, damit sie mir bestätigen, was ich mir wünsche“.

Und so packte die Hofnärrin ihre Geschichten und ging in die weite Welt hinaus. Sie lief durch Wälder und Fluren und dachte ernsthaft über einem Jobwechsel nach. Wie wäre es, wenn sie nicht mehr als Hofnärrin arbeiten würde, sondern auch eine Stelle als Entouragemitglied ausüben würde. Bei diesem Gedanken, kam sie an einem Bächlein vorbei. Sie bückte sich und sah in das ruhige Wasser. Sie machte Grimassen und streckte sich selber die Zunge heraus. Ihre Zunge war rosa und kräftig.

„Nein!“ rief sie zum Spiegelbild. „Ich will keine braune Zunge!“ stand auf uns wanderte weiter.

by canela

Advertisements

7 Gedanken zu “Das Märchen von der Hofnärrin

  1. @globy: ich bin froh, wenn ich meine geschichte fertig kriege, an der ich seit november schreibe. wo hättest du denn gerne das autogramm? 😆

  2. Die Zeit strich ins Land und als der König nach Jahren der aufgezwungenen Enthaltsamkeit und dem Verlust seiner kompletten Entourage wieder auf die Hofnärrin traf, die er vor langer Zeit verbannt hatte, wunderte er sich was aus diesem Wesen geworden war.

    Stark und selbstbewusst und mit vom Erfolg geschwellter Brust trat sie ihm entgegen und sagte sie zu ihm: Siehst Du, Du Idiot? Das hast Du nun davon. Hättest Du damals auf mich gehört, dann dürfstest Du noch immer Porsche fahren statt sich in der Strassenbahn abzuqälen. Jetzt, Du Gefallener, küsse mir die Füsse, schau auf zu mir welch Reich ich mir erbaut habe mit meinem spärlichen Wissen und leck mich *** LOL

    Sie gab ihm einen wohl dosierten Tritt und sah ihm zu wie er sich in seinem eigenen Mitleid suhlte und zog von dannen. Mit ihrem Diener, ohne ihn eines weiteren Blicks zu würdigen. FIN 🙂

  3. ich wär´ auch meiner wege gezogen. etwas besseres als einen miesen arsch in den man kriechen soll, findet man schließlich überall.

  4. @leonope: *gröhl 😆 herrliches ende. gefällt mir ausserordentlich.

    @gaviota: danke für das kompliment

    @chuckles: *lach, in einen miesen arsch zu kriechen wird wohl wirklich ätzend sein! auch wenn manche meinen, er/sie sei die karriereleiter gestiegen. aber es ist doch so dunkel dort…..

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s