S. und ich

s-und-canela.jpgS. und ich kennen uns bald 30 Jahre. Wir trafen uns das erste Mal nachmittags an einem Fussballplatz. Dort stand sie und bewunderte einen Jungen aus meiner Klasse. Dass ich auch dort war, lag nicht an meinem Interesse an Fussball. Ich wohnte nur in der Nähe.

S. und ich waren beide klein, dürr und einsam. Sie war 14, ich war 15. Die Pubertät wütete in unseren Gesichtern und in unseren Köpfen. Wir fanden uns nicht hübsch. Wir waren in vielen Dingen gleich. Unter anderem hatten unsere Väter etwas gemeinsames. Sie schlugen. Meiner mit Wörter, ihrer mit der Faust.

S. und ich trafen uns gestern bei mir. Wir sehen uns nicht regelmässig. Manchmal vergehen Monate. Wir assen, tranken und redeten. Auch über die Endlichkeit des Lebens, deren wir uns seit ein paar Jahren immer bewusster werden. Und über das Altwerden. Unsere Hände zeigen es uns ganz klar.

S. und ich haben dann getanzt. Mit Williams, die Birne. Und wir vergassen alle Zeichen des Älterwerdens und stürzten uns ins Jetzt. Zu Roisin Murphy, welche remixt war. Wir kicherten und lachten und tanzten. Der Bass dröhnte mit unserer Lust am Leben mit.

S. und ich gingen dann ins Bett. Wir berührten uns nicht. Nur unsere Hände. Wir geben uns immer die Hand beim Einschlafen. Mit müden Gesichtern standen wir heute morgen auf. Doch unser Lachen, wenn wir uns morgens nach dem Schlafen betrachten, ist immer noch gleich. Das hat uns die 27 Jahre nicht genommen.

by canela

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2 Gedanken zu “S. und ich

  1. Schöne Hände, finde ich. Und irgendwie erstaunlich gleichalt. Klingt nach einer innigen Freundschaft, für die man sich nicht jeden nachmittag auf einen Cappu und ein Kilo Belangsloses treffen muss, sondern noch nach Jahren von 0 auf 100 geht, eine Verbindung und Wellenlänge behält.

    Herzlichen Glückwunsch für Canelito. 2.5, was für ein zartes Alter. Ich bin nicht mal mehr zehnmal so alt. *heulkrampfunterdrück*

  2. @stylebitch: 🙂 wir sind manchmal deiner meinung. was die hände betrifft. kommt darauf an, ob es post- oder prämenstruell ist, die wahrnehmung meine ich.

    jeden nachmittag cappu? göttin bewahre, da würde sie mir und ich ihr auf den sack gehen.

    ähm danke für die glückwünsche für den kleinen schnutzelputzelwurzel! und nicht heulen *sanftaufstirneküsschendrück*

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