Zurück und aufgeprallt

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Nach der Flut liegt der Baum wie ein toter Mensch am Ufer. Entwurzelt und heimatlos liegt er am Strand und starrt in den Himmel.

So fühle ich mich heute ein bisschen.

Jedes Mal wenn ich ankomme, merke ich, dass ich mich dort nicht zuhause fühle. Das macht mich immer wieder traurig. Traurig ist es aber auch, morgens aufzustehen und nur ins Graue zu starren. Bin ich hier zuhause? Wo ist meine Heimat?

Wenigstens sehe ich den Menschen in die Augen. Ich muss nicht hinaufschauen. Wenn ich in einer Gruppe stehe, betrachte ich nicht Achselhöhlen, Brüste oder Bäuche sondern ganze Gesichter. Nicht nur Hals, Kinn oder ein Blick von oben nach unten.

Für Canelito ist es das Paradies. Die Leute lieben Kinder. Man spricht mit ihm, hat immer ein Lächeln bereit und lässt ihn herumtoben. Wenn ich dann besorgt schaue, sagt Canelito: „Mamaa, mach dir keine Sorgen!“ Als ob er wüsste, was Sorgen bedeuten …

Mit ihr war es schön. Spannend zu betrachten, wie sie all die Impressionen aufgesaugt hat. Sie ist ein Augenmensch. Was für Farbexplosionen muss sie erlebt haben!

Ich habe dafür herausgefunden, dass ich ein Ohrenmensch bin. All dieser Verkehr, das laute Reden der Leute, immer diese Hintergrundgeräusche, haben mich ganz schön fertiggemacht. Nur einmal, einmal, da dachte ich: Wow, Canela, das ist das Paradies! Ich war auf dem Weg zu ihr, um mit ihr und ihrem „Eisbären“ einen Rioja zu trinken.

Es war nur ein kurzer Moment, eine Zwischenstrasse, eine Art Quartier mit kleinen Häuschen, verziert mit Blumen in violett, rot, weiss, gelb und rosa. Und es war ruhig, so ruhig, dass ich hätte platzen können vor Glück. Und dann stand ich einen Augenblick still. Sog den Duft von Jasmin ein, hörte mich atmen. Leise gurrte eine Taube. Ruhe.

Wir waren auch im Tintero, dort wo alle Kellner ihre Teller lauthals anpreisen. Leider wurde mir eine weitere Illusion geraubt. Der Kellner zählt nur die Teller und kassiert dann ein. Alle Fische haben einen Einheitspreis. Und ich dachte schon, es stecke etwas Geheimes hinter dem Mann der kassiert. Zumindest hat der „Einkassierer“ einen neuen Spruch. Er schreit: „Niemand hat mich gerne, weil ich einkassiere! Nadie me quiere, porque yo cobro!“ Oder: Ihr wollt mich gar nicht sehen, weil ich einkassiere! Nadie me quiere ver, porque yo cobro“

Heute morgen war es grau, nur die Augen von Canelito leuchteten. In diesen Augen bin ich zuhause und in den Blauen meines Liebsten.

Hier noch ein paar Fotos.

by canela

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9 Gedanken zu “Zurück und aufgeprallt

  1. Die Melancholie fliesst mir aus deinem Text entgegen. Stimmig.

    Zur Ergänzung: Die Gastfreundschaft bei euch berührte mich tief. Ich war nie die Fremde, die Mitgereiste. Sondern fühlte mich aufgehoben und angenommen. Vom ersten Atemzug an.
    Herzlich. So dass wirkliches Sein möglich war.

    Und die Rückreise für mich innerlich ziemlich trüb war.

  2. ja, muss irgendwie bitter sein, nicht zu wissen wo mann/frau zuhause ist obwohl der begriff „heimat“ heutzutage ziemlich antiquitiert wirkt und bestenfalls belächelt wird. wir sind doch alle global orientiert.

    ps: irgendwie bin ich jetzt doch neidisch und auch wieder nicht *smile*

  3. na dann herzlich willkommen in Deinem Alltag .
    Bis zum nächsten Urlaub ist es ja schon wieder ein Tag weniger. 😉
    Und he heimat/zuhause ist dort wo Deine Lieben sind!

  4. @madame lila: ja irgendwie waren wir nett, gell? wir die hobbits 🙂

    @zores: das ist eben der zwiespalt einiger secondos, nehme ich mal an. den wird man wohl nie los.

    @andi: dankeschön. und ja, du hast recht!

    @leonope: darum verstand ich doch deinen post so gut. weil wenn man keinen ort hat, dann sind es eben die menschen….

  5. welcome back!
    – und das mit dem „nach hausekommenkoller“ kenn ich gut. geht mir im fall nach jeden ferien so und ich brauche gut ein bis zwei wochen, bis ich mich wieder an die heimische luft gewöhnt habe…

  6. Die Welt der kleinen Hobbits war faszinierend. Doch doch :-).
    Und ich vermisse hier die Gelassenheit und die Herzlichkeit der spanischen Zwerge.

  7. @canela: danke der nachfrage, meinem herzilein geht es soweit gut dafür sorgen jetzt die medis – erste nachuntersuchungen finden erst nächste woche statt – bin jedoch noch bis am 20 oktber arbeitsunfähig und das ganze wird eine ganz lange geschichte werden, soviel steht jetzt schon fest.

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