Manchmal möchte ich unsichtbar sein

Ich bin schüchtern. Wer mich wirklich kennt, weiss das. Nur dank den vielen verschiedenen Rollen in meinem Leben, überlebe ich. Es gibt Menschen, die meinen mich zu kennen. Aber die sehen nur das, was ich will oder sie sehen wollen. Sie haben keine Ahnung, wie ich wirklich bin.

Was mich manchmal stört- nicht immer – wenn man mich anstarrt. Wie im Zug heute morgen. Wenn ich 1. Klasse fahre, habe ich das Gefühl ich sei ein exotisches Tier oder der Elephant Man. Sie gaffen mich an oder halten misstrauisch ihre Taschen. Ich setze mich, hole dann mein Buch hervor und vergesse die Blicke und die Menschen um mich. Ich bin dann unsichtbar.

Im Moment lese ich von T.C. Boyle América. Und das Buch geht mir an die Nieren. Denn das Geschriebene berührt mich so sehr, dass ich aufpassen muss nicht aufzuschluchzen. Dass ich eine Heulsuse bin, ist ja mittlerweile bekannt. Einmal las ich James Freys Buch Tausend kleine Scherben. Ich kam jeden Abend heulend zuhause an. Und morgens musste ich ein paar Minuten alleine sein, um mich fassen zu können. So bin ich.

by canela

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9 Gedanken zu “Manchmal möchte ich unsichtbar sein

  1. die Menschen sehen immer nur das was sie sehen wollen oder sollen.
    Um einen Menschen wirklich zu kennen bedarf es jahrzehnte, und selbst dann kanns noch überraschungen geben!

  2. ähm oder so hässlich, kann natürlich auch sein.
    Hängt davon ab was der Betrachter morgens eingeworfen hat und ob er Dein Bild vom Planet der Affen kennt .

    duckundwech

  3. @andi
    das mit den jahrzehnten um jemanden kennen zu lernenen kannst du locker vergessen. mann selbst braucht jahrzehnte, auch erfahrung im umgang mit menschen nur um festzustellen, dass wir uns alle ähnlich sind, die gleichen freuden und das gleiche leid teilen, die gleichen gedanken denken und die gleichen ängste fürchten. nur die schwerpunkte verlagern sich.

    ps: klar ich gebs zu, das war eine anleihe bei ernst lubitschs nazi-parodie „sein oder nichtsein“. 😆
    lubitsch

  4. mag sein das wir alle die selben freuden und das gleiche leid, gedanke, angste, teilen und doch braucht es eine lange Zeit um zu wissen wann der andere wo ist und wie reagiert.
    Ganz zu schweigen davon wie und wann wir selber reagieren/funktionieren.
    Und jemanden kennen heisst nicht zu wissen was er fühlt und denkt sondern wann! 🙂

  5. …ich habe mich auch gehen lassen, während ich das Buch las.
    Besser du liest es nicht während der Zugfahrt. Oder du rechnest mit der Überflutung des Abteils ;-).

    btw. Ich mag dich wie du bist: Eine Frau mit ganz viel unperfektem Charisma. Ja.

  6. ich lasse mich notschlachten, sobald ich nur noch reagiere und -noch schlimmer- funktioniere anstatt zu agieren! wir scheinen uns doch nicht alle vor dem gleichen zu fürchten.

  7. Erst wenn Du dich selbst kennst bist Du in der Lage dich für andere so weit zu öffnen, dass diese dich in Ansätzen wirklich kennenlernen dürfen.

    Ist zumindest mein Spruch 😉

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