Herz ist kaputt

Als ich ihm mein Herz auf den Tisch legte, hüpfte es vor Freude. Es tänzelte, machte Pirouetten und steppte. Ich habe es schon lange nicht mehr so glücklich gesehen. Wir beide lachten, als wir es beobachteten wie lebendig es sich aufführte.

Dann schleicht sich das Gefühl von nicht da sein können ein. Nicht bei mir, bei ihm. Also nicht mit Kopf und Herz dort zu sein, wo man eben gerade ist. Sich gehetzt fühlen wegen morgen. Wer weiss schon was morgen ist? Wieso nicht einfach da sein und sich erfreuen. Stimmung kippt. Er trägt eine schwere Last, ich verstehe es.

Dann die Axt. Sie glänzte im Schein der Lampe und die Schneide war gut geschliffen. Sein Schlag präzise. Das Beil hatte sich hart in den Holztisch hineingeschlagen. Mein Herz war völlig überrumpelt. Sowas hatte es nicht erwartet. Der Schlag teilte es präzise in zwei Teile. Die eine Hälfte sprang vom Tisch herunter und rannte wie ein geköpftes Huhn herum. Prallte gegen die Wände und spritzte bei jedem Aufschlag Blut. Ich rannte hinterher und aber ich konnte es nicht einfangen.

Die andere Hälfte sank völlig ins sich zusammen. Schlich auch den Tisch herunter und schleppte sich in eine Ecke. Man hörte es röcheln wie ein verwundetes Tier. Eine dunkelrote Blutlache breitete sich langsam aus. Ich rannte zu ihm. Denn das andere Stück konnte ich nicht einfangen. Ich kniete mich vor ihm hin und versuchte das herausfliessende Blut aufzuhalten. Meine Hände trieften vom warmen Rot. Vergebens alles war umsonst.

Er wollte mich küssen als er ging. Ich konnte nicht, war zu beschäftigt mit meinen beiden Hälften. Blutberspritzt im Gesicht von der einen und mit roten Händen von der anderen Hälfte.

Heute morgen sah ich mich im Spiegel, schon wieder dieses Loch in der Brust. Es sieht beschissen aus.

by canela

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3 Gedanken zu “Herz ist kaputt

  1. Erinnerst du dich an den kalten Winterabend und an die Whisky Bar ?
    Ich denke, das sollten wir wiederholen.

    Wir tauschen die Rollen, diesmal höre ich zu und sage mal einfach gar nichts.
    Weil es manchmal nichts zu sagen gibt, wenn so extrem gefühlt wird….

  2. What a terrible story, vamos. Jooo. But anyway, danke für die Pünktli. Es ging nicht darum die Stats hochzutreiben, sondern meine lieben Angehörigen dort nicht sehen zu lassen, dass ich in der Schweiz niemanden mehr kenne. Nicht, dass dieses Motiv viel nobler wäre, aber verständlicher.

  3. @cantueso: my brain is sometimes an awfull place with terrible stories. nevertheless, jo tio, this is pure imagination! y que haces en españa?

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