Johnny der coole Typ

Ich sass mal in Zürich und beobachtete einen Typen……

Johnny ist ein cooler Typ. Das weiss er. Als er sie zum ersten Mal sieht, gefällt sie ihm auf Anhieb. Eigentlich will er etwas anderes und spaziert an ihr vorbei. Er schlendert durch die Strassen an Schaufenstern vorbei. Aber sie lässt ihn nicht mehr los. Wie von einem Magneten angezogen, spaziert er den Weg zurück und schaut sie nochmals an. „Ja, die will ich! Unbedingt! Mit der werde ich heute wieder Erfolg haben heute Abend oder sogar heute Nacht!“

Er betritt den Laden und fragt nach der dunkelblauen Armani-Hose im Schaufenster. „Welche Grösse tragen sie? – „Ich glaube 34!“ Sie mustert ihn. „Einen Moment bitte!“ Die Verkäuferin sucht einen kurzen Augenblick und hält ihm dann süss lächelnd die Hose hin. Er betrachtet sie eingehend. So mag er Hosen am Liebsten. Die Marke ist nicht auffällig, aber genau so angebracht, dass man sie trotzdem gut sieht. Denn er will zeigen, dass er sich eine solche Hose leisten kann. Vor allem den Frauen. Sie wollen einen Mann, der viel Geld hat und es auch dezent zeigt. Sonst hat man keine Chancen als Mann, das weiss er. Doch es darf nicht protzig wirken. Understatement ist die Formel. So dosiert, dass man immer einen Blick darauf werfen kann.

Mit der Hose geht er in die Umkleidekabine. Er betrachtet sich im Spiegel. Die Hose sitzt perfekt und er findet sich toll. Ja, er ist ein geiler Typ! Diese Hose wird ihm helfen, heute Abend für vollen Erfolg bei den Frauen zu sorgen. Sie werden ihn begehren, nachschauen und ihm zublinzeln. Er liebt dieses Gefühl und er liebt Frauen, die ihn bewundern. Wenn sie ihn anlächeln und ihn genau mustern, was er trägt. Er weiss, dass sie ihn nach seiner Kleidung beurteilen. Nach seinem Parfum, seinen Schuhen und nach seiner Uhr.

Er öffnet den Vorhang und tritt aus der Umkleidekabine. Dabei beobachtet er genau, wie die Verkäuferin reagiert. Er sieht ihren zufriedenen Blick „ Sie sitzt perfekt!“ strahlt sie. Und er strahlt zurück. Ja, auch diese Frau könnte er kriegen. Er weiss es. Das sieht man ihrem Blick. Sie will ihn. Aber er will keine keine Boutique-Verkäuferin. Auch wenn sie Edelmarken verkauft. Das wiederum spricht für sie.

Er dreht sich im Kreis, sie soll ihn nur bewundern. „Sie steht ihnen wie angegossen, wie massgeschneidert“. Einfältige Verkäuferin, denkt er, das weiss er doch! Kurz mustert er sie verächtlich. Doch dann widmet er sich wieder seinem Spiegelbild. Er ist ein geiler Typ! Und diese Armani-Hose unterstreicht sein Sexappeal.

Er sieht sich schon heute Abend am Tresen sitzend in der Kaufleuten-Bar. Das Versace-Hemd in der Armani-Hose. Die Ärmel des Hemds heraufgekrempelt. Man soll seine Rolex am Handgelenk sehen. Auch die Schuhe, feinstes Kalbsleder. Sie glänzen. Das gesamte Bild stimmt. Die Frauen haben einen Blick für das gesamte Erscheinungsbild. Die Zigarette in der rechten, einen teuren Whiskey in der linken Hand, nippt er kurz am Glas. Die Bar ist voll.

Schönen Frauen stehen in Grüppchen zusammen und reden. Sie lachen laut und nippen elegant an ihren Gläsern. Die Lippen glänzen in allen Farben. Zartrosa, warmbraun, tiefrot. Die tief geschnittenen Trägertops liegen eng an. Ihre Decolltées wölben sich sanft. We Dünen mit hellbraunem Sand schimmern sie im gedämpften Barlicht.

Er spürt ihre begehrlichen Blicke. Sie wollen ihn. Ganz sicher. Er weiss, dass er toll ist und beobachtet sie, wie sie über ihn tuscheln. Sie bewundern ihn für seinen teuren und eleganten Geschmack. Er zieht an seiner Zigarette, dreht ihnen leicht den Unterkörper zu, sodass man die Marke an seiner Hose sieht. Wie Seide fliessen die Frauenblicke seinen Körper herunter. Ja, diese Frauen hätte er erobert, stellte er zufrieden fest.

„Sie sehen toll aus in dieser Hose, es hebt ihre Persönlichkeit hervor“ holt ihn die Verkäuferin aus seinen Träumen zurück. „Ich weiss“ antwortet er stolz. „Bitte packen Sie sie ein“. Als er seine Kreditkarte zückt und die Fr. 385 zahlt, läuft ihm ein wohliges Kribbeln den Rücken runter. Die Verkäuferin soll nur sehen, wie er ohne die Wimper zu zucken diese Hose bezahlt. Sie packt ihm die Hose ein. Zuerst in Seidenpapier, dann in die eigens für die Nobelboutique kreierte Tragetasche. Er stolziert aus dem Laden heraus und merkt wie die Verkäuferin ihm nachschaut. Tja, auch diese hätte er haben können, wenn er wollte.

Langsam schlendert er am Grand Café vorbei. Viele Leute sitzen da, geniessen die Sonne. Es ist genau der richtige Tag, um dort vorbei zu bummeln. Vor allem wenn er einen bedeutenden Kauf getätigt hat. Die Tragtasche wiegt er hin und her, sodass man den Schriftzug „Trois Pommes“ gut sehen kann. Zwei hübsche Frauen beobachten ihn. Er sieht sie an, lächelt charmant und zwinkert. Diese zwei hat er auch im Sack! Sozusagen in Windeseile erobert. Sie tuscheln, lächeln und schauen ihn wieder an. Sollen sie ihn nur begehren. Heute Abend wird er richtig erobern.

„Also dieser Kleine mit der Seitenscheitel, der jetzt gerade an uns vorbei geht. Ist das eine Witzfigur!“ flüstert Anita Regula ins Ohr. Sie kichern. Beide betrachten den kleinen Mann mit der „Trois Pommes“-Tasche. Er stolziert am Grand Café vorbei. „Hast du gesehen? Seine Thommy Hilfiger Jacke ist zu gross, Die Schultern sehen aus wie ausgestopft. Ich würde mich schämen, wenn ich so einen Freund hätte. Und diese Knollennase erst. Gott ist der hässlich“ meint Regula und Anita grinst zuerst sie an, dann ihn.

Aus den Augenwinkeln beobachtet die zwei flüsternden Frauen. Sie lächeln ihn verzückt an. Er fühlt sich unbeschreiblich stark und mächtig. Heute Abend, ja heute Abend wird er Furore machen! Er ist ein toller Hecht!

by canela

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9 Gedanken zu “Johnny der coole Typ

  1. Im Grunde tun mir die Typen leid die sich über ihr Outfit profilieren müssen.
    Und dabei ist es egal ob Männlein oder Weiblein.
    Oder wie es so schön heißt „aussen huii innen pfuii“ ;-D

  2. @plasmaoxyd: das stimmt bedingt. die eigene und die fremde wahrnehmung sind oft nicht identisch. aber dass das denken, dein handeln und auch deine ausstrahlung beeinflussen kann, davon bin ich überzeugt.

    @globy: ich bin manchmal froh, dass das was ich denke, nicht zur wahrheit wird. und millionär? von was? bierflaschen?

    @phil: das warst nicht du. weil er war ein bisschen grösser als ich. und du, mr. longman, bist eindeutig riesig, verglichen mit mir.

    @andi und D.: ich finde sie witzig, sie geben viel stoff zum nachdenken oder schreiben. ich sage immer: es ist leicht den kopf nach oben zu halten, wenn nichts drin ist.

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