Andalucia – Heimweh nach dem Unbekannten

Seit einigen Tagen plagt mich das andalusische Fieber wieder. Dieser Virus bricht jedes Jahr aus, vorallem wenn es wärmer wird. Ich weiss nicht, ob andere dieses Kribbeln kennen.

Es ist Heimweh und Sehnsucht zugleich nach etwas, dass man gar nicht kennt. Ich habe noch nie in meinem Leben in Spanien gelebt. Möchte ich auch nicht. Meine Heimat ist die Schweiz. Und trotzdem jedes Jahr bricht es aus, diese Fernweh oder ist es nun Heimweh?

Die Spanier sagen, man habe sowas im Blut – eso se tiene en la sangre -. Dieser Virus quält mich und dann muss ich mir Flamenco-Songs anhören. Kitschig triefend und so intensiv gesungen, dass meine andalusische Hälfte bitterlich und glücklich weint.

Niña Pastori, seit einiger Zeit einer der Grösseren in der Flamencoszene und Falete, eine(r) der mit den ganz Alten verglichen wird. Das Interessante an Falete ist, dass er im Flamenco eine Art Grauzone darstellt. In dieser Flamencoszene sind die Geschlechterrollen klar definiert. Homosexuelle und Transvestiten wie Falete sieht man selten. Seine (ihre) Intensität bei den Interpretationen der Coplas hat aber riesige Massen an Fans mobilisert, dass auch die grössten Homophoben zugeben müssen, dass er gut ist.

Hier der Refrain übersetzt:

Ich will, dass du mich küsst.
Und im Habdunklen flüstere ich dir zu, dass ich dich liebe.
Sprich leise damit niemand erfährt, wie sehr wir uns lieben.

Bald bin ich wieder dort im Urlaub, Andalucia patria de mi padre. Und es wird das und das geschehen. Wie jedes Jahr. Und dann bin ich froh, wieder in der Schweiz zu sein. Aber bis dann werde ich mich diesen Fieberschüben hingeben und den Andalusienvirus leben. Oleeee….
by canela

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5 Gedanken zu “Andalucia – Heimweh nach dem Unbekannten

  1. Ich finde es interessant, dass Du so genau weisst, was Du willst. Bist Du Dir sicher? Wenn ja, gut! Ich würde lieber in Italien leben. Ich kenne jemanden, der dasselbe will, es aber hartnäckig leugnet. (Diese Sorte Mensch, die völlig unglaubwürdig wirkt, wenn sie bezeugen, dass sie eh gern in deutschsprachigen Landen leben und sich südliche Gefilde perfekt durch ein Essen in der Pizzeria verschaffen können.)

    Andalusien ist sympathisch, aber nicht ganz meins. Camaron de la Isla und andere Flamencosachen höre ich gerne. Vielen Dank für Deinen Blog! Lädt immer wieder zum Nachdenken ein!

    -sottosole-

  2. ich war mal in sevilla, als dort eine woche lang ein fast war – weiss leider nicht mehr wie es heisst – auf jeden fall haben die dort getanzt, was das zeugs hält – im zug und überall wo wir hingekommen sind… es war eine super stimmung in der ganzen stadt – dort habe ich auch meinen ersten stierkampf live erlebt…

    unvergesslich!!

  3. @sottosole: ich weiss genau, was ich als heimat empfinde: schweiz. und was meine muttersprache ist:deutsch
    aber ich verleugne nicht meine wurzeln und das damit verbundene gefühl. dieses heim -oder fernweh kennt wohl jeder, ohne dass er dort wirklich leben möchte. oder? danke für dein kompliment, freut mich sehr!
    übrigens ich kann auch fehlerlos und aktzentlos auf italienisch ein pizza bestellen 😉
    @falki: kann sein, dass es die feria de sevilla war im frühling. einen stierkampf live sah ich nie.
    dafür sah ich stiere durch die stadt pamplona (navarra) rennen und alles aufspiessen, was nicht auch wegrannte 🙂

  4. @canela: Hmm, tja, da sind wir verschieden. Fernweh heisst für mich: Ich will woanders leben. Fernweh in Deinem Sinn habe ich nicht. Dann denk ich mir: Wenn ich eh nicht dort leben will kanns nicht so wichtig sein. Was nicht heisst dass mir die Kultur nicht doch gefällt und ich mich damit beschäftige. Ich habe keine Verwandten aus anderen Ländern. 🙂

  5. @canela: also so ein stierkampf ist ja echt voll brutal!
    aber einmal einen sehen, dass sollte man glaub schon. – die spanier sehen ja auch nicht das brutale sondern denen geht es um die geschicklichkeit der toreros und konsorten. die stimmung war auf jeden fall genial!

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