Madame Toilette – ein Alien auf dieser Welt

Unsere Putzfrau ist kein Mensch. Sowas kann kein Mensch sein, der mit solchen Chemikalien unsere Toiletten putzt! Ich glaube sie ist nicht von dieser Welt.

Seit unser Massa Buana, unser MC im Fernsehen kam, sind wir so etwas wie ein bisschen berühmt. Das glauben zumindest einige in unserer Firma. Ich sage nicht wer. Und Berühmtheit verpflichtet. Also werden unsere Toiletten noch mehr geschrubbt als sonst. Wo kämen wir da hin, wir die illustre Start-Up Firma mit verschissenen WCs?

Nun gehe ich abends kurz vor dem Feierabend immer auf die Toilette. Es ist nicht immer die gleiche Uhrzeit, das möchte ich auf jeden Fall betonen. Aber es ist wie ein unausgesprochener Pakt zwischen ihr und mir. Immer wenn sie gerade das Frauen-WC fertig geputzt hat, tauche ich auch. Als wären wir thelepathisch miteinander verbunden. Ich glaub wirklich sie ist ein Alien. Wie kann ich sonst immer genau dann dort eintreffen, wenn sie alles blitzeblanke sauber hat?

Ich grüsse sie dann freundlich, sie mich. Und sie starrt mich mit ihren pechschwarzen Augen an, die mit einem Kohlekajal so breit angemalt sind, als ob ich Cleopatra in die Augen sehen würde. Mir gefällt der Gedanke, dass die Reinkarnation von Cleo mir vorher die Toilette geputzt hat.

„Es tut mir leid, dass ich ihr Werk wieder kaputt mache.“ entschuldige ich mich. Sie lacht mich freundlich an, etwas hinterlistig freundlich, finde ich. „Das macht doch nichts, ich komme ja bald wieder“ und sie verzieht sich diskret. Als ob sie wissen würde, dass ich nicht richtig pinkeln kann, wenn sie noch dort ist. Sie kann sicher meine Gedanken lesen.

Nun öffne ich die Toilettentür. Es riecht sauber, sehr sogar, wie klinisch rein. Dann schliesse ich die Türe und setze mich. Ich weiss, wenn ich die Erste bin nach dem Putzen, dann darf ich mich setzten. Das sagte schon meine Mutter zu mir als ich ein kleines Mädchen war.

Aber dieser Duft, der eigentlich schon keiner mehr ist, sondern eher eine Bombe hat es in sich. Die Chemikalien, die sie braucht, töten alles. Meine Scheidenflora zittert, der ätzende Geruch ist hart und unbarmherzig. Hätte ich dort eine Fauna, wäre jetzt alles tot. Verbrennt! Ausgestorben. Nun steigt der Nebel des Grauens weiter hinauf gegen mein Gesicht. Meine Augen beginnen zu tränen. Sie verengen sich zu Schlitze. Wie eine Blinde suche ich das Toilettenpapier. Meine Nasenhäärchen schreien auf. Grell! Ich höre es bis zu meinen Ohren. Ein einziger Gedanke im Kopf. Ich will hier raus, sofort und zwar so schnell wie möglich. Natürlich spüle ich. Aber ich mache alles mit geschlossenen Augen. Alles ist eingehült in diesem beissendem Dunst. Mein Hals kratzt. Ich huste verzweifelt.

Die Türe geöffnet, gehe ich der Wand entlang und ertaste mir den Weg bis zum Waschbecken. Trotz drohendem Erstickungstod, Hände waschen! Keuchend schleppe ich mich mit zitternden Knien an die Türe. Zufällig geht sie gerade an mir vorbei. Ich lächle sie schief an. Sie mich. Aber mein Lächeln ist mitleiderregend, ihres spöttisch heimzahlend. Hat sie was gegen mich?

Wer solche Gerüche überlebt, ist kein Mensch, wirklich. Glaubt mir!

by canela

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2 Gedanken zu “Madame Toilette – ein Alien auf dieser Welt

  1. nein rogerrabbit, jedes kind weiss doch, dass aliens grosse facettenaugen haben. das haben wir alle schon oft im fernsehen gesehen. 😉

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