Dialog mit meinem Ich

Manchmal steht sie einfach neben mir. Sie tritt aus mir heraus und betrachtet mich. Das was sie sieht, gefällt ihr nicht immer. Es kommt darauf an, ob sie in der prä- oder postmenstruellen Phase ist. So sind die Hormone, die beschissenen!

Trüben sie dir den Blick, siehst du gut aus. Oder du erhältst ein Mikroskopenauge. Und wusch siehst du jede Delle und mickrige Falte. Aber das bin ja nicht ich, die das sieht. Das ist sie! Denn ich bin immun gegen von der Werbung verursachte Blickwinkel. Aber sie, sie ist sowas von tussig. Die geht mir echt auf die Eierstöcke!

Ab und zu fühlt sie sich unsicher, öfter als mir lieb ist. Wie kann man nur so eitel sein? Wieso will sie immer gut aussehen? Hat sie noch nicht gemerkt, dass die Zeit die Schönheit im Rucksack steckt und sich einfach auf und davon machte?

Hier geht es doch um Geist und Esprit. Oder Scharfsinn. Den kriegt man nicht, wenn man das Topmodelscheisszeug im TV sieht. Den kriegt man auch nicht, wenn man sich selber anpreist und behauptet, lange Beine zu haben. Oder man sei ja so begehrt. Träumerin! Wenn sie mal Geist hat, diese Tussie, die mich jetzt gerade beobachtet, dann höchstens, wenn sie einen schönen Single Malt intus hat.

Jetzt sitze ich hier im Dunkeln. Ich weiss, sie beobachtet mich. Mit spitzen Mündchen sich sorgend um ihren Teint. Sie war heute an der Sonne. Tja und sie will einen neuen Bikini, weil sie meint, sie sähe aus wie eine fette Kuh. Ich meinte nur, sie sei halt keine 30 mehr, was sie denn wolle?! Sie solle endlich die Klappe halten. Da war sie beleidigt.

Ich meine es ja gar nicht so. Also nicht so hart, wie ich es ihr sage. Aber ich lese lieber oder höre Musik. Wie kann man überhaupt ohne Musik leben? Das sind Fragen, die mich beschäftigen. Ich muss die CD sofort bestellen, wenn mir ein Stück gefällt. Sie hingegen meint, das sei Verschwendung, ich solle mir lieber mal ein paar nette Schuhe oder Hosen kaufen. Und ich frage sie dann für was? Was mache ich mit all den Dingen an mir, wenn es in mir leer ist?

Sie hat dann keine Antwort. Ich habe auch keine erwartet.

Und eigentlich würde ich jetzt noch seitenlang weiterschreiben. Weil ich muss oder nicht anders kann. Immer diese vielen Wörter im Kopf! Aber sie meint, ich wäre dann morgen müde, wenn ich zur Arbeit gehe. Und ich kriege dann so fürchterliche Augenringe. Sie hat ja recht, nicht wegen den Augenringen, sondern wegen der Arbeit.

Der Rest der Wörter müssen im Kopf bleiben. Auf das sie bald herausgekotzt werden. Na dann, gute Nacht!

by canela

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4 Gedanken zu “Dialog mit meinem Ich

  1. *ggg* das ist etwa das, was meine Waage immer zu mir gesagt hat, bevor ich sie in der Schweiz zurückgelassen habe. Hier habe ich dafür einen erbarmungslosen Spiegel, der so oft frech zu mir spricht. 😉 Das andere ich ist hin und wieder einfach gnadenlos!

  2. @pipollina: das andere ich ist eine blöde zicke, aber sie ist nun mal da. und man sollte sie akzeptieren, soweit es geht, was?
    @herr twiggs: oh. wir können uns auch duzen, bitte nicht so förmlich, hermano 😉
    dein gravatar wird wohl nicht angezeigt, weil du einen anderen blog-provider hast, nehme ich mal an….

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